Zur Zukunft unserer Jobs: Empathie schlägt künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz sorgt für Hype und Hysterie. Einige Berufe werden den Vormarsch des Job-Killers nicht überleben.

Wie empathisch kann Künstliche Intelligenz sein?, © Andy Kelly - Unsplash

Sie zählt zu den Top-Themen der Medien, der Marketer, Kreativen und Tech-Nerds: Künstliche Intelligenz (KI) wird als riesige Chance beschrieben, Unternehmen in die Zukunft der Digitalisierung zu führen. Doch nicht alle Stimmen jubeln euphorisch im Einklang. Befürchtete gesellschaftliche Auswirkungen dieser Technologie – wie Massenarbeitslosigkeit oder Entmenschlichung – drücken die Stimmung.

Für die Optimisten der Digitalen Transformation steht fest: KI ist unaufhaltsam auf dem Vormarsch. Sie zelebrieren den digitalen Hype und glauben, dass professionelle Kreative mithilfe von KI das eigene Potenzial vollends auszuschöpfen können. Vor allem auch Marketingmanager werden, so meinen die digitalen Optimisten, in den Bereichen der Kundengewinnung oder -Bindung eine völlig neue Qualität von Insights generieren und darauf aufbauend effizientere Formen der Interaktion entwickeln. Eine aktuelle Studie zeigt zudem, dass durch KI Jobs entstehen und mehr Fachkräfte gesucht werden.

Zahlreiche Wissenschaftler zeichnen eine gänzlich andere Zukunft: Die Pessimisten der Digitalisierung – darunter der Astrophysiker Stephen Hawking und auch der Philosoph David Richard Precht – rechnen mit einer bevorstehenden Massenarbeitslosigkeit in noch nie da gewesenem Ausmaß. Diese Befürchtungen werden von einer Untersuchung von Frey und Osborne gestützt, der zufolge in den nächsten 20 Jahren 47 Prozent aller Beschäftigten ihre Jobs an KI verlieren werden. Vor allem heute schon stark strukturierte und standardisierte Berufe wie Kreditsachbearbeiter, Versicherungsgutachter, Pharmaingenieure sollen der smarten Software zum Opfer fallen.

Falsche Sicherheit und überhöhte Zweifel

Wird die Digitalisierung also ihre Nerds und Kreativen verschlingen, die sie doch so vehement vorantreiben? Viele der Einschätzungen, die in den vergangen Monaten und Jahren über KI getroffen wurden, sind übertrieben. Dennoch: Die durch die Digitalisierung ermöglichte Automatisierung zahlreicher Tätigkeiten wird Jobs kosten. Denn wir sprechen faktisch über die Fortsetzung der Rationalisierung – bloß mit anderen Mitteln.

Trotzdem wähnen sie sich in Sicherheit, die Kreativen, Marketing- oder Salesmanager. Keine KI dieser Welt könne sie, die vermeintliche digitale Elite, ersetzen. Aber Zweifel sind angebracht. Natürlich werden die großen Ideen noch länger von den Top-Kreativen kommen. Aber bei der Operationalisierung der Ideen sieht die Lage ganz anders aus. Heute schon läuft die Umsetzung von Werbemitteln vielfach automatisiert. Und diese Entwicklung setzt sich fort.

Marketingmanager, die derzeit primär Budgets verwalten oder Marktforschungsdaten aggregieren, werden leichter zu ersetzen sein als inhaltlich denkende Strategen. Sie sollten überdenken, ob sie  für die Digitalisierung und ihre Herausforderungen richtig aufgestellt sind. Und für ihren Job auch in zehn Jahren noch gebraucht werden.

Empathie als Schlüssel für berufliche Stabilität

Ein wichtiger Aspekt: KI ahmt menschliches Verhalten nur nach. In der transformierenden Gesellschaft ist Empathie also ein entscheidender Faktor für menschliches Miteinander, der nicht so schnell kopiert werden kann. Wo Kreativität, Empathie und Intuition notwendig sind, ist der Mensch immer noch unverzichtbar. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Fordert ein Job oder Projekt diese sozialen Kompetenzen allerdings nicht, ist es wahrscheinlich, dass dies zukünftig ‚KI-Kollegen’ erledigen werden.

Über Dr. Günter Lewald

bplusd.de/de

Dr. Günter Lewald ist Sprecher der Kölner Agenturgruppe B+D, deren Partner er seit zwölf Jahren ist. Zuvor war der Marken- und Marketing-Fachmann fast genauso lange als Geschäftsführer in der Konsumgüter- und Verlagsbranche tätig. Sein Interesse gilt heute der ganzheitlichen, d.h. gleichermaßen analogen wie digitalen Konzeption von Unternehmens- und Markenidentitäten sowie Vermarktungsprogrammen.

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