Künstliche Intelligenz wird neue Arbeitsplätze schaffen

Während die Einen um ihren Job bangen, sehen die Anderen großes Potential darin, künstliche Intelligenz in den Arbeitsalltag zu integrieren. Was werden aber die tatsächlichen Folgen sein?

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Schneller, effizienter, kostengünstiger – Unternehmen erhoffen sich viel von KI, doch zu welchem Preis? Verschiedene Parteien diskutieren darüber, ob die zunehmende Automatisierung zu einer erhöhten Arbeitslosigkeit führt, oder eben neue Arbeitsplätze schafft.

Studie lässt um Arbeitsplätze bangen

Die Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit untersuchte in diesem Zusammenhang die Auswirkungen von KI auf den Arbeitsmarkt und kam zu einem überraschenden Ergebnis: Besonders in Deutschland sind Arbeitnehmer gefährdet. Bis zu 20 Prozent von ihnen können in den kommenden zwei Dekaden ihren Job verlieren. Den Anderen stehen enorme Veränderungen im Berufsalltag bevor. Insgesamt sind es unter den wirtschaftsstarken Mitgliedern der OECD 66 Millionen Arbeitnehmer, deren Arbeitsplatz gefährdet ist.

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Industrielle Jobs sind besonders gefährdet

Besonders Jobs in der Industrie seien laut der Studie gefährdet. Wieso einige Länder jedoch eher betroffen sind als andere, hängt vor allem von der Größe der Industrie ab und den Jobinhalten. So können unter gleicher Berufsbezeichnung verschiedene Tätigkeiten eine Rolle spielen. Das Schlüsselwort hierbei lautet soziale Intelligenz. Darunter zu verstehen sind soziale Interaktionen innerhalb des Jobs, wie Beratungen, Lehren oder Verhandlungen. Je mehr diese im täglichen Berufsleben gefordert ist, desto weniger gefährdet ist der eigene Job. Forschungsleiterin Glenda Quintini sagt dazu im Bezug auf Deutschland:

Die deutschen Jobs erfordern tendenziell weniger soziale Intelligenz als ähnliche Berufe in anderen Ländern.

Auch darüber, welche Jobs konkret von den Einsparungen betroffen sein werden, gibt die OECD-Studie Auskunft. Reinigungspersonal und Aushilfen werden weniger gesucht werden. Doch auch Bau und Logistik werden zukünftig viele Vorgänge automatisieren. Eine vollständige Liste bietet die folgende Abbildung:

Erhöhtes Risiko für junge Leute

Forscher warnen besonders Teenager und junge Erwachsene. Das Problem sehen die dabei in den Einsteigerjobs. Diese sind gefährdet, weil ihre Komplexität meist überschaubar ist. Und auch das frühe Sammeln von Erfahrungen kann behindert werden. Heute typische Aushilfsjobs können durch KI-basierte Programme oder Roboter übernommen werden. Dadurch geht die Chance, schon vor dem Berufseinstieg grundlegende Qualitäten zu erlernen, verloren.

Automatisierung wird mit großer Wahrscheinlichkeit eher für Jugendarbeitslosigkeit sorgen als für eine Welle von Frühverrentungen.

Warnung von Elon Musk

Ein Wort der Warnung kommt auch von Elon Musk, dem TESLA und SpaceX-Gründer. Im Rahmen einer Dokumentation zeichnet er ein düsteres Bild für die Zukunft. Ohne strenge Überwachung könne es Unternehmen demnach gelingen, einen unsterblichen, roboterartigen Diktator zu schaffen, welcher die Menschheit unterjocht. Denn laut Musk sind die Entwickler auf dem besten Wege eine Superintelligenz zu schaffen. Dabei redet er nicht von einer KI mit bösem Charakter, sondern einem rationalen, zielorientierten künstlichen Wesen.

If AI has a goal and humanity just happens to be in the way, it will destroy humanity as a matter of course without even thinking about it. No hard feelings.

Zugegeben, diese Ansicht ist sehr radikal. Jedoch versucht Musk so für gesetzliche Regularien in der KI-Forschung zu kämpfen.

Die Verantwortung der Politik

Neuzeitphilosoph Richard David Precht geht in einer Rede auf die Unterschiede der früheren und der jetzigen industriellen Revolution ein.

Worüber ein allgemeiner Konsens zu herrschen scheint, ist, dass Berufe wegfallen werden und es auch zu einer steigenden Arbeitslosigkeit kommen wird. Schließlich könne nicht jeder Betroffene umgeschult werden. Politisches Eingreifen ist an dieser Stelle erforderlich. Vor allem auf Bildungsebene soll dafür gesorgt werden, dass künftige Arbeitnehmer auf den neuen Arbeitsmarkt vorbereitet sind.

Die andere Seite

Doch sind wir alle wirklich so bedroht? Viele Personen teilen eine andere Meinung zum Thema KI. Sie gehen davon aus, dass neue Arbeitsplätze und sogar Berufe geschaffen werden. Besonders in der IT-Branche wird eine Expansion erwartet. Themengebiete werden vor allem das Entwickeln und der Einsatz von KI sein, sowie das Machine Learning. Das Ziel der Unternehmen dabei lautet, Arbeitskräfte von unnötigen Arbeiten zu befreien, damit diese sich auf wesentliche Aufgaben konzentrieren können. Und hier auch eine kleine Entwarnung für Deutschland: Unsere Rechtsstaatlichkeit und Bürokratie wird Arbeiternehmer wohl davor bewahren, morgen oder übermorgen den Job zu verlieren.

Chancen müssen genutzt werden

Peter Sondergaart, Executive VP von Research Garden, schätzt die Bedrohung durch KI auch eher gering ein. Er räumt zwar ein, dass Jobs verloren gingen, es aber nicht so enden wird, dass jeder neue Einsatz von KI einen Arbeitsplatz kostet.

Künstliche Intelligenz steigert die menschlichen Fähigkeiten – sie erhöht unsere Genauigkeit, beschleunigt unsere Entscheidungsfindung und steigert unsere Produktivität.

Laut Sondergaart wird die Schaffung neuer Arbeitsplätze sogar dominieren. Auf 1,8 Miollionen Jobs, die bis 2020 wegfallen werden, kommen 2,3 Millionen Neue. Wichtig ist es, dass die Menschen sich neue Skills im Umgang mit KI aneignen, denn diese kann nur in Kooperation mit natürlicher Intelligenz entstehen. Wer die Verantwortung für solche Weiterbildungen trägt, ist umstritten. In Europa hält man generell eine Zusammenarbeit zwischen Regierung und Konzernen für wichtig, ebenso wie die Bereitschaft eines jeden Einzelnen.

Der Gesundheitssektor im Vorteil

Wie erwähnt, sind die Auswirkungen von KI branchenabhängig. Positive Auswirkungen werden vor allem der Gesundheits-, Bildungs-, und öffentlicher Sektor erfahren. Dort wird die Nachfrage nach Arbeitskräften steigen. Auch Jobs, die vor allem auf zwischenmenschlichen Interaktionen basieren, sind kaum gefährdet. Wichtig ist es vor allem eine Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI zu schaffen und damit eine Win-Win-Situation.

Menschen sollen also nicht ersetzt werden. Trotzdem ist es wichtig, dass gerade die Politik sich daran beteiligt, entsprechende Weiterbildungen zu fördern, damit Arbeitnehmer für kommende Veränderungen gewappnet sind. Und mindestens genauso wichtig ist eine Kooperationsbereitschaft der Arbeitnehmer selbst.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Michelle Winner studiert Anglistik und Germanistik an der Uni Hamburg. Nachdem sie in einer Lokalzeitung und im Eventbereich Erfahrungen gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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