Künstliche Intelligenz im Personalwesen: 2 Ex-Googler bauen eine HR-Plattform ohne Vorurteile

Ehemalige Tech-Genies von Google und Facebook entwickeln gemeinsam ein System, welches das HR Development revolutionieren soll.

© Temple Cerulean - Unsplash

Künstliche Intelligenz spielt eine immer größer werdende Rolle in unserem Alltag. Wieso also nicht den HR Bereich revolutionieren, dachte sich wohl ein Dreamteam aus dem Silicon Valley. Ashutosh Garg und Varun Kacholia, die früher für Search und Rankingprozesse bei Google, Facebook und Co. zuständig waren, sind ein Team, dass gemeinsam 80 Patente innehält. Gute Voraussetzungen also für die Entwicklung von Eightfold.ai. Dieses KI-basierte Tool zielt darauf ab auf analytischem Wege Arbeitnehmern zu helfen, ihr volles Arbeitspotenzial auszuschöpfen. Für die Umsetzung ihrer Idee erhielten die beiden Gründer 24 Millionen Dollar an Förderung.

Doch welches Problem herrscht in den HR-Abteilungen der Welt?

Personaler und Recruiter sind, trotz gesetzlicher Vorschriften, oft voreingenommen. Natürlich ist es eine menschliche Eigenschaft, dass man nicht komplett urteilsfrei sein kann. Zudem neigen wir Menschen dazu, alles zu kategorisieren, auch unser Gegenüber. Doch gerade deswegen könnte es wichtig sein, Tools wie Eightfold.ai zu etablieren. Garg erklärt das eigene Vorgehen wie folgt:

We have crawled the web for millions of profiles […] From there we have gotten data round how people have moved in organizations. We use all of this data to see who has performed well in an organization or not.

Diese öffentlich zugängliche, weltweite Datensammlung wird genutzt, um ein wertfreies Bild von jedem Business auf der Welt erschaffen zu können. Dieses wird dann mit den Arbeitskräften einer Firma verglichen. Dabei soll untersucht werden, wonach in potenziellen Bewerbern gesucht werden sollte und wie man durch interne Personalentwicklung die Firma dem Idealbild näher bringen kann.

Eightfold.ai simpel erklärt

Zwei Funktionen werden als essentiell beschrieben: Zum Einen wird ein Talentnetzwerk der Firma erstellt. Zum Anderen wird aufgezeigt, welche Positionen ein Arbeitnehmer im Unternehmen schon durchlaufen hat. Basierend darauf könne Eightfold.ai Empfehlungen ausprechen, welchen Weg ein Mitarbeiter beschreiten sollte, um sein volles Potenzial auszuschöpfen. Auch wenn das Tool sich sehr nach den Arbeitnehmern zu richten scheint, soll es vor allem von Personalern genutzt werden. Anhand des Talentnetzwerk bekommen diese angezeigt, welche Mitarbeiter weitergebildet und gefördert werden sollten und welche Bewerber die besten Vorrausetzungen für eine ausgeschriebene Stelle mitbringen.

Every individual with the right capability and potential placed in the right role is meaningful progress for us.

Das Prinzip scheint aufzugehen

Eightfold.ai hat bereits über 100 Nutzer. Dabei wurden mehr als 20 Millionen Bewerbungen analysiert, die Zahl der Rückmeldungen angehoben und vor allem Kosten und Zeit gespart. Auf der eigenen Website sind Arbeitnehmer und -geber positiv überrascht. Und auch Peter Nieh, ein Partner von Lightspeed Ventures, äußert sich begeistert. Für ihn liegt der Vorteil des Tools ganz klar darin, dass Arbeitnehmer und Job perfekt miteinander harmonieren. Ohne Frage trage Eightfold.ai dazu bei, dass der Einstellungsprozess vereinfacht wird. Der reine Fokus auf die Fähigkeiten von Arbeitskräften sorgt dafür, dass Religion, Ethnie, Alter, etc. keine Rolle mehr spielen. Dank Blind Screening wird Qualität wichtiger als alle persönlichen Vorbehalte. 

With data intelligence we provide recruiters and hiring managers powerful insights around person-job fit that allows teams to go beyond the few skills or companies they might know of, dramatically increasing their pool of qualified candidates.

Auch kritische Stimmen melden sich zu Wort

Einer der größten Kritikpunkte ist, dass künstliche Intelligenz und ihre Algorithmen nicht zwingend unbefangen bleiben, wie zum Beispiel der Chatbot „Tay“ bewiesen hat. Außerdem zeigt sich auch immer wieder in den früheren Firmen der Gründer, Facebook und Google, wie problematisch es ist, sich einzig und allein auf Technik zu verlassen. In einem MIT Technology Review wird vor der Lernfähigkeit von KI gewarnt. Es sei möglich, dass sich Vorurteile zunächst unbemerkt in den Algorithmus einschleichen. Da KI oft zur Entscheidungsfindung beiträgt, stellt dies eine große Schwachstelle dar. Schließlich könne das Hauptziel, Vielfalt innerhalb eines Unternehmens, so in Gefahr geraten.

Algorithms that may conceal hidden biases are already routinely used to make vital financial and legal decisions. Proprietary algorithms are used to decide, for instance, who gets a job interview, who gets granted parole, and who gets a loan.

Trotz aller Risiken sollte der künstlichen Intelligenz im Personalwesen eine Chance gegeben werden. Natürlich sind solche Tools nur so gut wie ihre Entwickler und es ist wichtig, die Entwicklung der Algorithmen zu beobachten und im Zweifelsfall einzugreifen. Aber die Vorstellung, dass so für mehr Vielfalt und weniger Vorurteile gesorgt wird, ist definitiv ein erstrebenswertes Ziel.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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