Ein kleiner Guide zur WM: Wie Fans Fußball und Arbeit vereinen können

Die Weltmeisterschaft in Russland lässt Fußballherzen höher schlagen. Wie viel Fan darf man aber am Arbeitsplatz sein? Und was, wenn das eigene Team während der Arbeitszeit spielt? Am Ende heißt es auf die Kulanz des Chefs zu hoffen.

© Flickr / Steven Kaminsky, CC BY-NC 2.0

Hatten wir durch die Zeitverschiebung mit der WM in Brasilien noch Glück, heißt es dieses Mal zittern für die vielen Fußballfans. Wieso? Ganz einfach, weil einige Partien bereits am Nachmittag angepfiffen werden. Die meisten Arbeitnehmer müssen zu diesen Zeiten noch arbeiten und stellen sich daher die Frage, wie viel Fußball am Arbeitsplatz erlaubt sei. Laut einer Studie sind Fans immerhin bereit 16 Minuten ihrer täglichen Arbeitszeit für die WM zu opfern. Aber geht das so einfach?

Viele Unternehmen erlauben die Spiele zu verfolgen

Die meisten Arbeitgeber werden immer offener für die Fußballleidenschaft ihrer Angestellten. So erlauben 57 Prozent das Verfolgen der Spiele im Radio und 38 Prozent sogar im Fernsehen. Begründen lässt sich dies vermutlich dadurch, dass viele Chefs oft selbst Fans sind. Unternehmen wie Thyssenkrupp und Würth veranstalten sogar Fan-Events mit Public Viewing, Bratwurst und Getränken für ihre Mitarbeiter. Die Bedingung dabei ist jedoch, dass die Arbeit nicht liegen bleiben darf.

Infografik: So guckt die Welt WM | Statista

Und auch andere Konzerne gehen Kompromisse ein. So können die Angestellten bei Bosch die Spiele über Monitore in den Kantinen verfolgen und sich dafür ausstempeln. Nach der Partie könne dann ganz normal weiter gearbeitet werden. Bei Daimler hingegen endet die Spätschicht früher, während die Nachtschicht später endet. Auch so soll den Arbeitnehmern der Fußballspaß möglich gemacht werden. Zusätzlich könne auch Urlaub genommen werden.

Chefs zeigen Kulanz – aber nicht für alles

Ob die Angestellten die Spiele verfolgen dürfen, kommt außerdem auf die Branche an. Manche Arbeit verlangt mehr Aufmerksamkeit als andere. Außerdem dürfen Kunden und Kollegen nicht durch Kommentatoren, Fanchöre und Vuvuzelas gestört werden. Die größten Vorteile haben in dieser Hinsicht wohl die Mitarbeiter in gastronomischen Betrieben, denn dort werden die Spiele oft übertragen. Natürlich bedeutet dies größeren Stress für Köche, Kellner und Co., aber immerhin bekommt man jedes Tor live mit.

Aber Achtung: Hat der Arbeitgeber das Verfolgen der Spiele untersagt, muss sich daran gehalten werden. Ansonsten kann schon bei wenigen Minuten eine Abmahnung folgen, wie das Arbeitsgericht Köln Anfang des Jahres entschied. Diese Maßnahme klingt hart, ist aber durchaus begründet. Immerhin schätzen Experten, dass durch Fußball abgelenkte Mitarbeiter Produktionsausfälle im Wert von 2,62 Milliarden Euro verursachen können. Andersherum möchte aber jeder vierte Arbeitnehmer die WM gar nicht verfolgen, also ist die Zahl vielleicht etwas hoch geschätzt.

Tippspiele am Arbeitsplatz

Die folgende Grafik zeigt, dass Tipprunden zur WM ein beliebtes Thema am Arbeitsplatz sind:

Fünf bis zehn Euro sind im Schnitt der Einsatz für das Tippspiel, doch besonders geht es den Teilnehmern um die Ehre unter den Kollegen. Übrigens: Ein Großteil der Tippspieler sagt aus, dass am Ende meist die Person mit der geringsten Ahnung gewinne. Also kann sich die Teilnahme am Tippen für jeden lohnen, und sei es nur um den „großen Experten“ eins auszuwischen.

Was genau ist denn nun eigentlich am Arbeitsplatz erlaubt?

In den meisten Büros ist es erlaubt, den Schreibtisch individuell zu dekorieren, so auch zur WM. Was jedoch das Aufhängen von Girlanden, Wimpeln und Fahnen angeht, sollte mit dem Chef abgesprochen werden. Ebenso ist es mit Schichtwechseln. Es klingt nach einer schlauen Idee, die Schicht während eines Spiels einfach mit einem Kollegen zu tauschen, den Fußball nicht interessiert. Jedoch muss dies in den meisten Fällen auch vom Arbeitnehmer genehmigt werden, es sei denn der Tausch unter Kollegen sei generell erlaubt.

Voller Enthusiasmus möchtest du im Trikot zur Arbeit erscheinen? Normalerweise kein Problem, dein Kleidungsstil ist dir überlassen. Es sei denn die Firma gibt einen Dresscode vor, bzw. die Arbeit erfordert spezielle Schutzkleidung. Auch die Dekoration des Firmenwagens mit Fähnchen und Überziehern ist nicht ohne Weiteres möglich, besonders dann nicht, wenn es sich um ein Werbefahrzeug handelt. Am Besten wird auch darüber zunächst mit dem Chef gesprochen.

Brasilien ändert die Arbeitszeiten zum Wohle des Fußballs 

Deutschland gilt allgemein als sehr fußballbegeistertes Land, doch Brasilien ist uns um Längen voraus. Den 7:1 Schock gegen unsere Nationalelf bei der letzten WM im eigenen Land scheint die Nation überwunden zu haben und nun brennt das Fußballfieber wieder. In diesem Rahmen verabschiedete die brasilianische Regierung ein Dekret, das Staatsbediensteten das Fußballgucken ermöglichen soll. So müssen Beamte, wenn Brasilien am Morgen spielt, erst ab 14 Uhr bei der Arbeit erscheinen. Bei Nachmittagsspielen hingegen dürfen sie bereits um 13 Uhr gehen. Natürlich dürfe dies jedoch wichtige Institutionen wie Feuerwehr, Polizei und Krankenhäuser nicht beeinflussen. Der Betrieb aller Einrichtungen müsse trotzdem sichergestellt werden.

Die Liebe zum Fußball beginnt in Brasilien schon von klein auf. © Marco Verch – Flickr, CC by 2.0

Die Weltmeisterschaft bringt also viele Fragen für Arbeitnehmer für mit sich. Die meisten von diesen können jedoch schon durch ein kurzes Gespräch mit dem Chef beantwortet werden. Solange Arbeit und berufliches Miteinander vom Fußball nicht gestört werden, sollten die Fans ihrer Leidenschaft problemlos nachgehen können. Der Fairness halber sollten Arbeitgeber aber nicht nur für Deutschlandspiele Sonderregelungen gelten lassen, schließlich gibt es in vielen Betrieben auch Fußballfans anderer Herkunftsländer, die beispielsweise Polen, Russland oder Spanien unterstützen. Und ebenso wichtig ist es, dass Fans und Fußballmuffel einander Respekt entgegen bringen – zum Wohle des Arbeitsklimas.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Michelle Winner studiert Anglistik und Germanistik an der Uni Hamburg. Nachdem sie in einer Lokalzeitung und im Eventbereich Erfahrungen gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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