Frauen in der Teilzeitfalle: Es droht die Altersarmut

Die Folgen von Teilzeitbeschäftigungen können gerade für Mütter verheerend sein. Finanzielle Abhängigkeit und Burn-Out sind nur ein Teil der Auswirkungen.

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Im Prinzip klingt Teilzeitarbeit nach einem guten Prinzip: Man hat keine 40 Stunden Woche, erhält zumindest ein kleines Gehalt und hat trotzdem genug Zeit für Freizeit und Familie. Doch so schön wie es klingt, sieht die Realität leider nicht as. Gerade Frauen tappen häufig in die Teilzeitfalle. Und einmal hineingeraten, kommt man nur schwer wieder hinaus. Dabei können die Folgen von jahrelanger Teilzeitarbeit verheerend sein.

Traditionelles Familienbild zu stark in der Gesellschaft verankert

Obwohl es inzwischen nicht unüblich ist, dass auch Väter in Elternzeit gehen und sich um die Erziehung der Kinder und den Haushalt kümmern, sind es doch meist die Mütter, die Zuhause bleiben und weniger arbeiten. Die Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Verwandten gehören zu den Hauptgründen von Teilzeitarbeit bei Frauen. Besonders im ehemaligen Westen Deutschlands scheint eine traditionelle Geschlechterverteilung die Regel zu sein. Betrachtet man Familien mit Kleinkindern, so sind es nur acht Prozent der Mütter, die Vollzeit arbeiten. Im ehemaligen Osten sind es immerhin 21 Prozent, so eine Studie des Statistischen Bundesamts. Personen, die sich im Elternschutz befinden, zählen in diese Zahlen übrigens nicht mit hinein. Im Umkehrschluss ergeben sich folgende Zahlen für ganz Deutschland: Bei Eltern mit Kleinkindern ist zu 51 Prozent der Fälle der Vater vollzeittätig, während die Mutter zu Hause bleibt. Bei 24 Prozent der Paare befinden sich die Mütter zumindest in einer Teilzeitanstellung.

Die Zahlen ähneln denen der letzten Jahre. Es gibt kaum eine Veränderung, obwohl gerade heutzutage traditionelle Geschlechterrollen in öffentlichen Diskursen hinterfragt werden. Dass eine Frau für die Kindererziehung oder Pflege von Verwandten zuständig ist, egal ob es ihrer beruflichen Laufbahn und Zukunft schadet, scheint in Deutschland der Status quo zu sein. Wie die zuvor genannte Studie auch beweist, wird die berufliche Laufbahn von Männern durch die Geburt eines Kindes kaum beeinflusst. Es zeigt sich also, dass es hier immer noch eines erheblichen Umdenkens in den Köpfen der Gesellschaft bedarf. Schließlich haben auch Väter die Möglichkeit, in Elternzeit zu gehen.

Folgen von Teilzeitarbeit

Elternzeit und eine darauf folgende Teilzeitarbeit können zum Karrierekiller für Frauen werden. So beschreiben Mütter ihre Rückkehr in den Job wie folgt: sie bekommen einfachere Aufgaben, fühlen sich weniger ernst genommen, schätzen ihre Karrierechancen geringer ein und befürchten zudem auch Auswirkungen auf ihr Gehalt. Sie werden regelrecht in die Teilzeitarbeit gezwungen. Eine Studie von Stepstone unterstreicht die Gehaltssorgen der Mütter. In dieser wurde festgestellt, das männliche Führungskräfte 40 Prozent mehr verdienen als weibliche. Und ein Grund dafür sei eben die Rückkehr aus der Elternzeit und unfreiwillige Teilzeit. All diese Folgen können sich negativ auf die Psyche von Frauen auswirken. Burn-Out und Depressionen können durch fehlende Wertschätzung und berufliche und finanzielle Sorgen begünstigt werden. Des Weiteren sind auch finanzielle Abhängigkeit vom Partner und Altersarmut Folgen, mit denen Frauen in Teilzeit rechnen müssen.

Studie zeigt: Frauen sind zufrieden in Teilzeitberufen

Doch trotz der negativen Folgen, haben die meisten Frauen kein Problem mit ihrer Teilzeittätigkeit. Das behauptet zumindest eine Studie des DELTA-Instituts für Sozial- und Ökologieforschung im Auftrag des Bundesfamilienministeriums. Im Rahmen dieser wurden 2.000 Frauen, die teilzeitbeschäftigt sind, befragt. 85 Prozent von diesen gaben an, dass sie ihr Arbeitsmodell „Super“ finden würden. Hinzu kommt, dass Dreiviertel von ihnen kein Verlangen nach Vollzeitarbeit haben und über die Hälfte bis zum Rentenalter in dieser Form beschäftigt bleiben möchte. Wieso ist das so? Wissen die Frauen nicht um die negativen Auswirkungen von Teilzeitarbeit? Anne Seith verneint diese Fragen in ihrem Artikel:

Über die Folgen sind sich die meisten bewusst: 68 Prozent aller teilzeitbeschäftigten Frauen sind sich der Studie zufolge sicher, von ihrer eigenen Rente später nicht leben zu können. 25 Prozent sagen, dass sie sich mit ihrer Rente nicht mehr befassen, weil sie das Thema zu sehr deprimiert.

Die Ergebnisse regen zum Nachdenken an und lassen den Rückschluss zu, dass teilzeitbeschäftigte Frauen vielleicht doch nicht begeistert von ihrer Arbeitssituation sind. Zumindest auf den zweiten Blick. Denn immerhin möchte ein Großteil von ihnen die wöchentliche Arbeitszeit von durchschnittlich 21,5 Stunden erhöhen. Etwa 50 Prozent der Berufstätigen Frauen zwischen 30 und 54 Jahren arbeiten derzeit in Teilzeit, die meisten von ihnen Mütter. Bei solch einer hohen Quote müssen mögliche Gründe für diese beleuchtet werden. Viele Frauen mit Kindern bleiben in den ersten Jahren Zuhause oder gehen eine Teilzeitbeschäftigung ein, weil sie Angst haben etwas in der Entwicklung ihres Kindes zu verpassen, seien es die ersten Worte oder die Schritte. Noch ausschlaggebender ist jedoch der Faktor, dass es in Deutschland nicht genügend Kitaplätze gibt. So bleibt Müttern oft nichts anderes übrig, als weniger zu arbeiten, um sich um die Kinder zu kümmern. An dieser Stelle sei jedoch noch einmal betont, dass dies auch Väter tun könnten.

Es braucht neue und flexiblere Arbeitsmodelle

Teilzeit ist eindeutig nicht die beste Lösung, wenn es darum geht, Familie und Karriere unter einen Hut zu bekommen. Wenn die Vollzeitwoche vielen Arbeitnehmern zu lang ist, so ist die Teilzeitwoche zu kurz. Daher sollten moderne Arbeitsmodelle einen Mittelweg anbieten. So ist erwiesen, dass es nicht 40 Arbeitsstunden pro Woche braucht, um alle erforderten Aufgaben zu erledigen. Denn niemand arbeitet 8 Stunden am Tag konzentriert durch. Deshalb sind Modelle wie die 28-Stunden-Woche eine Möglichkeit, Frauen vor finanzieller Abhängigkeit und Altersarmut durch Teilzeit zu bewahren. So erklärt auch Brigitte Pothmer von den Grünen:

Niemand sollte gegen seinen Willen zur Teilzeitarbeit gezwungen sein, trotzdem sitzen vor allem Frauen in regelrechten Teilzeitfallen. Wir brauchen viel flexiblere Regelungen, mit denen Frauen und Männer je nach Bedarf ihre Arbeitszeit leichter steuern können.

Doch leider hält sich in Deutschland oft noch der Glaube daran, dass eine hohe Zahl von Arbeitsstunden auch eine höhere Produktivität bedeutet. Dennoch versuchen bereits einige Unternehmen den Wünschen ihrer Mitarbeiter, egal ob männlich oder weiblich, nachzukommen. Besonders der Ruf nach weniger Arbeitsstunden und einer besseren Work-Life-Balance wird dabei laut.

Was nehmen wir aus den verschiedenen Studien mit?

Als erstes muss ein Umdenken in der Gesellschaft stattfinden, insbesondere in Hinsicht auf die traditionellen Geschlechterrollen, die heutzutage schlichtweg völlig überholt sind. Mehr Männer sollten zum Beispiel nach der Geburt des Kindes in Elternzeit gehen. Schließlich zeigt eine der Studien, dass Väter deswegen kaum Einbußen in ihren Karrierechancen machen müssen. Desweiteren sollten moderne Arbeitsmodelle betont und den Unternehmen vorgestellt werden. Hier sollte sich auch die staatliche Ebene einschalten. Denn anstatt, wie ab 2019 geplant, die Brückenteilzeit einzuführen, kann die Abschaffung der 40-Stunden-Woche die elendige Diskussion um Vollzeit und Teilzeit beenden. Was die spätere Rente angeht, so sind die Aussichten sowieso für viele von uns eher trüb. Genau deshalb ist es wichtig, Frauen und insbesondere Mütter nicht noch tiefer in die Altersarmut zu treiben, nur weil sie in die Teilzeitfalle geraten sind.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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