Chefs profitieren von flexiblen Arbeitszeiten mehr als ihre Mitarbeiter

Arbeiten wann und wo man will – dieses Arbeitsmodell wird heutzutage oft angepriesen. Doch zu viele Chefs misstrauen ihren Mitarbeitern, obwohl sie selbst davon Gebrauch machen.

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Flexible Arbeitszeiten können durch die fortschreitende Digitalisierung ohne Probleme ermöglicht werden. Arbeitnehmer müssen ihre Arbeit nicht mehr im Büro ausführen, sondern können viele Aufgaben auch von einem Ort ihrer Wahl erledigen, solange sie Zugang zu einem Computer oder ähnlichem haben. Nachweislich wird auch die Motivation der Mitarbeiter durch das individuelle Einteilen ihrer Aufgaben erhöht. Doch trotz all dieser Ansätze und Argumente sind es vor allem die Chefs, die von flexiblen Arbeitszeiten profitieren.

Hierarchien scheinen der Übeltäter zu sein

Eine Studie von Kienbaum und Stepstone zeigt, wie groß die Unterschiede in der Wahrnehmung von Chefs und ihren Mitarbeitern sind. „Digital“ nennt der Großteil der Befragten seinen Arbeitsplatz. Jedoch sind nur 16 Prozent der Arbeitnehmer der Meinung, dass die Digitalisierung ihnen hilft, flexibler arbeiten zu können. Im Gegensatz dazu sind es bei den Führungskräften ganze 36 Prozent. Noch extremer werden die Differenzen, wenn man die Arbeitszufriedenheit betrachtet. Nur 47 Prozent der Mitarbeiter sind zufrieden mit ihrem Job und mehr als die Hälfte plant zu kündigen. Bei den Chefs stellt die Arbeitszufriedenheit hingegen kein großes Problem dar (63 Prozent sind zufrieden).

Ein Problem liegt sicherlich darin, dass sich die Vorgesetzten eher mit ihrem Arbeitgeber identifizieren können als die restlichen Mitarbeiter. Unter Letzteren sind es nur 28 Prozent, die so denken. Hinzu kommt, dass beide Parteien ihren Arbeitsplatz als sehr hierarchisch geordnet sehen. Das gilt besonders in größeren Unternehmen und dem Öffentlichen Dienst. Diese Hierarchien können unter anderem dazu führen, dass Mitarbeiter sich nicht trauen, flexibler zu arbeiten aus Sorge, ihr Chef könne dies als negativ auffassen. Die flachsten Hierarchien gibt es übrigens in IT-Unternehmen und Agenturen.

Flexible Arbeitszeiten als Motivation für Mitarbeiter

Chefs, die selbst von ihrer individuellen Arbeitseinteilung profitieren, sollten ihre Angestellten ebenfalls zu dieser animieren. Denn wie bereits erwähnt, kann so die Motivation von Arbeitnehmern gefördert werden. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) suggeriert, dass 60 Prozent der Mitarbeiter zufrieden sind, wenn ihnen freie Hand bei der Arbeit gelassen werde. Vertrauen schafft Arbeitszufriedenheit und steigert die Produktivität. Misstraut der Chef seinen Fachkräften jedoch, überwacht und kontrolliert diese streng, hat dies genau den umgekehrten Effekt. Wieso lassen Führungskräfte die Flexibilität also nicht zu? IW-Autor Dominik Enste sagt:

Manche Unternehmen haben nach wie vor Angst, durch Home-Office oder flexible Arbeitszeiten die Kontrolle zu verlieren. Unsere Studie zeigt jedoch ganz klar, dass es dafür keinen Grund gibt. Vertrauen zahlt sich aus.

Natürlich liegt die Annahme nah, dass es Arbeitnehmer geben könnte, welche die flexiblen Arbeitsmodelle ausnutzen. Jedoch wurde inzwischen oft genug das Gegenteil bewiesen, wie eben auch in der Studie des IW. Und so zeigt eine Umfrage des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung ebenfalls, dass nur 13 Prozent der Unternehmen, die ihren Mitarbeitern freie Hand lassen, Konflikte aufgrund dessen hatten. Ausnahmen bestätigen also die Regel, doch zu großen Teilen hat das Vertrauen, das eine Führungskraft ihren Mitarbeitern entgegenbringt, positive Auswirkungen auf das Gesamtbild des Arbeitsplatzes.

Und mal ehrlich, liebe Chefs, wo liegt dass Problem, wenn ein Angestellter am Strand oder Zuhause arbeitet, solange die Arbeit im vorgegebenen Zeitrahmen und sorgfältig erledigt wird? Lasst euch also auf das Wagnis ein und schenkt den Mitarbeitern mehr Flexibilität – so wird eine Win-Win-Situation entstehen.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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