Die Chefin als Sündenbock: Wie Medien über weibliche Führungskräfte berichten

Eine Frau an der Spitze eines Unternehmens bleibt die Ausnahme. Auch weil Medien weibliche Führungskräfte stärker in die Kritik nehmen als männliche?

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Nur vier Prozent der umsatzstärksten Unternehmen in den USA werden von Frauen geführt. Doch selbst wenn sie es an die Spitze geschafft haben, bleibt der Karriereweg für weibliche Führungskräfte steiniger als für männliche.

Das liegt nicht zuletzt an der Medienberichterstattung. Eine Studie der Rockefeller Foundation und der Global Strategy Group hat 100 Medienbeiträge sowohl über männliche als auch über weibliche Firmenchefs analysiert. Dabei stellte sich heraus, dass die Texte abhängig vom Geschlecht des Vorstands unterschiedliche Schwerpunkte aufwiesen.

Das Familienleben spielt nur in Beiträgen über Chefinnen eine Rolle

Während nur acht Prozent der Medienberichte über männliche Firmenchefs Aspekte des Privatlebens beleuchteten, war dies in 16 Prozent der Texte über Frauen der Fall.

Noch auffälliger war die Differenz hinsichtlich der Ausrichtung der darin angesprochenen privaten Themen. So beschäftigte sich kein einziger der Artikel mit dem Familienleben eines männlichen Chefs. Im Vordergrund standen stattdessen seine Herkunft, Karrierepläne für die Zeit der Rente und soziale Aktivitäten.

In den Texten über Frauen fand die Familie hingegen in 78 Prozent der Fälle Erwähnung. Dass Firmenchefinnen von Journalisten überproportional häufig nach ihrer Familie gefragt werden, mag beweisen, dass in den Köpfen vieler Medienleute noch verstaubte Rollenklischees herumschwirren.

Firmenkrise? Die Chefin ist schuld

Weitaus beunruhigender ist jedoch die folgende Erkenntnis: Schlitterte das Unternehmen in eine Krise, schrieben 80 Prozent der Medienbeiträge, die sich mit weiblichen Führungskräften beschäftigten, den Chefinnen die Verantwortung dafür zu. Demgegenüber wurden männliche Chefs nur in 31 Prozent der Fälle als Ursache für das Versagen ihres Unternehmens angesehen.

Könnte dieses einseitige Bild in den Medien dazu beitragen, dass weibliche Führungskräfte nach wie vor signifikant weniger verdienen als männliche?

Eine Studie der US-Notenbank scheint diese These zu untermauern. Sie zeigt auf, dass Frauen stärkere finanzielle Einbußen hinnehmen müssen als Männer, wenn ihr Unternehmen Misserfolge einfährt. Sinkt der Wert des Unternehmens um ein Prozent, geht das unternehmensspezifische Vermögen eines Mannes im Schnitt um 33 Prozent zurück. Ein weiblicher Vorstand muss hingegen 63 Prozent Einbußen hinnehmen.

Für repräsentative Erhebungen gibt es nicht genug Firmenchefinnen

Eine Schwäche hat die Medienstudie der Rockefeller Foundation und der Global Strategy Group allerdings: Sie hat lediglich die Berichterstattung über zwanzig Führungskräfte analysiert, elf davon waren Frauen. Um mit größeren Datenmengen arbeiten zu können, müssten zunächst mehr Frauen in Führungsetagen aufsteigen.

Außerdem weisen auch die von den Unternehmen herausgegebenen Pressetexte Unterschiede auf, je nachdem ob die eigene Führungskraft männlich oder weiblich ist. So tauchen in den Beschreibungen der männlichen Chefs häufig die Begriffe „Erfahrung“, „erprobt“ oder „Business“ auf.

Frauen hingegen werden mit den Worten „strategisch“, „Wissen“ und „Wachstum“ beschrieben. Da sich Journalisten meist auf Unternehmensangaben stützen, könnte die ungleiche Berichterstattung bereits hier ihren Ursprung haben.

Was ist eure Meinung? Denkt ihr, weibliche Führungskräfte werden in deutschen Medien anders dargestellt als männliche?

                                                                                                                                Quelle: weforum.org

Über Johanna Wild

Johanna Wild

Johanna Wild ist freie Journalistin in München. Als Consultant berät sie Medienorganisationen in Kriegs- und Krisengebieten. Außerdem ist sie in der Münchner Startup-Szene aktiv und vertieft an der Birmingham City University ihr Wissen im Bereich Online-Journalismus (MA). Für OnlineMarketing.de schreibt sie über Job- und Karrierethemen. Besonders gerne beschäftigt sie sich mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf die deutsche Arbeitswelt.

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