Burnout-Prävention und wachsende Kreativität: Meditation als Allheilmittel

Aus den Hallen von Google verbreitete sich die Praktik im gesamten Silicon Valley – jedoch ist Mindfulness Meditation nicht für jeden geeignet.

© Indian Yogi (Yogi Madhav) - Unsplash

Eigentlich klingt die Arbeit bei Google wie ein Traum: Snacks sind gratis, immer wieder gibt es kleine Events für Mitarbeiter und noch viele andere Benefits. Arbeits- und Freizeit scheinen ineinander überzugehen. Doch ein Blick hinter die Kulissen zeigt schnell, wozu das ganze dient. Mitarbeiter sollen nämlich möglichst lange im Büro bleiben und an ihren Projekten arbeiten. Die langen Arbeitszeiten sollen durch das scheinbar lockere Klima weniger schlimm erscheinen. Und doch sind gerade Google-Mitarbeiter oftmals in Gefahr ein Burnout zu erleiden. Deswegen hat Google einen Weg gefunden, um für mentale Gesundheit innerhalb der Belegschaft zu sorgen.

Passionierte Mitarbeiter müssen gebremst werden

Natürlich fördert Google selbst die unzähligen Überstunden seiner Angestellten. Zusätzlich kommt hinzu, dass der Konzern für Druck sorgt. Durch Ankündigungen, wie dass Googles selbstfahrende Autos komplette „Game Changer“ werden, beäugt die Öffentlichkeit jeden kleinen Fortschritt des Projekts. Die Mitarbeiter müssen dementsprechend abliefern. Doch natürlich wird niemand gezwungen bei Google zu arbeiten. Die meisten Angestellten träumten von einem Arbeitsplatz, an dem sie ihr Können und ihre Kreativität unter Beweis stellen können. Bei Google scheint dies möglich. Jedoch ist die Passion der Mitarbeiter gleichzeitig gefährlich und sollte gebremst werden. In einem Interview mit Wired erklärt ein Angestellter, dass er quasi den ganzen Tag in sein Projekt versunken sei. Er reagiere kaum auf SMS oder Anrufe und konzentriere sich voll und ganz darauf, dass ein Auto bald ohne Fahrer fahren kann – und dabei lebendige Hindernisse wahrnimmt. Dieses hohe Engagement kann Mitarbeiter jedoch an den Rand des Burnouts bringen, ohne dass sie es bemerken.

Google findet selbst eine Lösung: Meditation

Der Konzern möchte natürlich nicht, dass seine Mitarbeiter reihenweise erkranken, nicht nur, weil dies zum Verlust von Talenten führen würde. Um also dem Burnout vorzusorgen, hat einer von Googles frühen Mitarbeitern einen Weg entwickelt, der heute überall im Silicon Valley beliebt ist: Achtsame Meditation. Chade-Meng Tan bemerkte das Problem bereits, als Google noch in den Kinderschuhen steckte. Seine eigene Passion führte dazu, dass er die Arbeit über seine eigene Gesundheit stellte und dementsprechend erste Anzeichen psychischer Probleme aufwies. Da Tan jedoch schon immer ein Verfechter von Meditation war, nutzte er eben diese um den Arbeitsstress zu bewältigen.

Tan’s mindfulness practice helped him to transition from the stress of intense work to a more restful state. He also found that it opened his mind to otherwise hidden insights

Für Tan entstand daraus bald ein neuer Job. Da seine Kollegen die gleichen Anzeichen aufwiesen wie er, begann er damit einen Meditationskurs namens „Search Inside Yourself“ zu geben. Zwar gab es zunächst viele Skeptiker, galt das Meditieren doch oft als esoterischer Blödsinn, doch schon bald gab es immer mehr Befürworter. Das Interesse an Tans Kurs wuchs dermaßen, dass es schon bald seine Kapazitäten überstieg. Also bot Googles Führungsebene ihm an, den Kurs in Vollzeit zu leiten. Abgesehen davon, dass es bei Google-Mitarbeitern tatsächlich relativ selten zum Burnout kommt, ist aus dem Meditationskurs ein ganzes Business geworden, das auch mit anderen Partnern als Google zusammenarbeitet.

Meditation fördert außerdem die Kreativität

Der durch das Meditieren ausgelöste Ruhezustand des Gehirns, kann zudem zu innovativen Ideen führen. Neurologe Marcus Raichle stellte bereits 2001 fest, dass durch Ruhe und Tagträumen ein bestimmter Teil unseres Gehirns aktiv wird, der zu gedanklichen Durchbrüchen führt. Vermutlich kennen es die meisten: Man sitzt vor einem kniffligen Problem und findet durch das aktive Nachdenken einfach keine Lösung. Doch dann, plötzlich, kurz vor dem Einschlafen, auf der Toilette oder einfach beim Entspannen, kommt einem die rettende Idee. Diese wurde von eben jenem Teil des Gehirns getriggert. Die dafür verantwortlichen Vorgänge geschehen unterbewusst. Dass dieses Phänomen jedoch wirklich häufig vorkommt, zeigen nicht nur eigene Erfahrungen, sondern auch die anderer kreativer Köpfe, wie beispielsweise Lin Manuel Miranda, dem Erschaffer des Erfolgsmusicals Hamilton:

A good idea doesn’t come when you’re doing a million things. The good idea comes in the moment of rest. It comes in the shower. It comes when you’re doodling or playing trains with your son. It’s when your mind is on the other side of things.

Meditation ist nicht für jeden geeignet

Ob das Meditieren vom Arbeitsstress befreit und gleichzeitig die Kreativität boostet, hängt wohl von der jeweiligen Einstellung ab. Wie sooft bei solch alternativen Entspannungsmethoden, wirkt Meditation nur, wenn der Betroffene daran glaubt und sich darauf einlässt. Zudem kann achtsame Meditation für folgende Personengruppen negative Effekte haben: depressive Menschen, Selbstkritiker, Suchtkranke, körperlich Kranke und Ausweichende. Der Sinn der achtsamen Meditation ist es, in sein Inneres zu gehen. Doch genau dies kann die Probleme der genannten Gruppen noch verschlimmern, da sie sich Konflikten, Ängsten oder Schmerzen noch bewusster werden. Sollte dich die Methode der Google-Mitarbeiter jedoch trotzdem ansprechen, ist anzuraten zunächst mit einem angeleiteten Gruppenkurs beginnen und sich nicht auf Selbstexperimente einlassen. So lässt sich am ehesten feststellen, ob Meditation für dich Entspannung oder Humbug ist.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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