Größerer Wortschatz, mehr Empathie: Gute Bücher beeinflussen unser Leben positiv

Harry Potter und Co. machen uns glücklicher und fördern zusätzlich unsere Hirnleistung, Empathie und Toleranz. Also weg mit Fachliteratur und her mit Fiction.

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Bücher machen dich schlauer. Keine wirkliche Neuigkeit, sondern ein allgemein bekannter Fakt. Interessant hingegen wird es, wenn wir einen Blick darauf werfen, was genau ein gutes Buch mit deinem Hirn anstellt. Hierbei soll es nicht um den Weiterbildungseffekt von anspruchsvoller Fachlektüre gehen, sondern die Soft Skills. Ganz besonders emotionale Intelligenz steht im Vordergrund. Denn Erzählliteratur, egal ob Fantasy, Thriller, Krimi oder Erotik, kann dir neue Blickweisen eröffnen und dich im Leben weiterbringen – egal ob privat oder beruflich.

Für den Effekt muss man in die Geschichte eintauchen

Viele kennen heute das Gefühl nach dem Serienfinale einer Show auf Netflix, wenn man zunächst einfach da sitzt und nicht weiß, wie man weitermachen soll. Schließlich hat man doch mehrere Staffeln lang mit den Charakteren mitgefiebert. Genau denselben Effekt hat es für viele Leseratten, wenn sie ihr neuestes Buch beendet haben. Doch wieso ist das so? Weil man durch das Einsinken zwischen die Seiten kurzzeitig in eine andere Rolle schlüpft. Dadurch kann man nicht nur Momente der Einsamkeit überwinden, sondern entwickelt Empathie – die wichtigste Eigenschaft im Umgang mit Menschen. Die Bedeutung von Büchern für unsere Gesellschaft erkannten auch schon die großen Literaten. So sagte Heinrich Heine:

Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.

In die Rolle eines Buchcharakters zu schlüpfen, kann uns wie erwähnt die Augen für neue Sichtweisen öffnen und neue Blickwinkel auf eigene Probleme liefern. Schließlich sind Konflikte in Büchern auch oft auf das echte Leben übertragbar. Machiavelli soll sogar soweit gegangen sein, dass er sich wie die Charaktere aus Büchern verkleidete und mit diesen Diskussionen führte. In vielen Fällen können wir Leser uns aber auch mit den Ansichten der Protagonisten identifizieren, wodurch ein Gefühl der Zugehörigkeit geschaffen wird. Gerade für Menschen, die manchmal das Gefühl haben, sie spielen eine Außenseiterrolle, kann das ein Boost fürs Selbstbewusstsein sein. Denn: Man ist nicht länger der Einzige, der diese Denkweise hat.

Wie sich unser Hirn durchs Lesen verändert

1) Mehr als nur das Sprachzentrum wird aktiviert

Wenn wir lesen, geht es nicht nur um die Sprache selbst. Worte zusammengefügt zu detaillierten Beschreibungen regen verschiedenste Regionen in unserem Gehirn an. So wurde schon im 18. Jahrhundert festgestellt, dass das Lesen von Erzählliteratur unsere Gefühle und Motorik beeinflusst. Fliegt Harry Potter zum Beispiel auf seinem Besen über das Quidditchfeld, spüren wir genau wie er den Wind in unseren Haaren und hören die Fangesänge der Zuschauer. Erfahren wir hingegen, dass Daenerys Targaryen im Kampf um den Eisernen Thron wieder einen geliebten Begleiter verliert, spüren wir ihre Trauer in uns selbst.

2) Besserer Umgang mit Konflikten

Mit der steigenden Empathie, die wir durchs Lesen gewinnen, gelingt es uns auch besser Probleme zu lösen. So fällt es Leseratten leichter, die Sicht eines Anderen zu verstehen und auf dessen Wünsche und Bedürfnisse einzugehen. Kompromisse können schneller gefunden werden. Dies bringt nicht nur Vorteile im Privatleben mit sich, sondern ist auch am Arbeitsplatz Gold wert.

3) Stress wird auf einfache Art abgebaut

Eine Studie der University of Sussex zeigt, dass das Lesen fiktionaler Werke effektiver zum Stressabbau ist, als Musik hören oder spazieren gehen. Konzentrieren wir uns auf die Welt zwischen den Seiten, gerät unser Hirn in eine Art Stand-By Modus, ähnlich wie beim Meditieren. Doch nicht nur psychischer Stress wird bekämpft, sondern auch körperlicher. Nach nur sechs Minuten des stillen Lesens, beruhigte sich der Herzschlag der Testpersonen und ihre Muskeln entspannten sich. Zudem kann die Entspannung durch Lesen auch Schlafproblemen vorbeugen.

4) Zur Persönlichkeitsentwicklung wird beigetragen

Gemeint ist hierbei nicht, dass ein Leser den Protagonisten seines Lieblingsbuchs nachmachen soll. Jedoch kann man sich das ein oder andere abschauen. Gerade die Art, wie ein Charakter mit Problemen umgeht oder sich selber Mut zuspricht, kann besonders den Introvertierten helfen, Selbstbewusstsein zu entwickeln. Das geht soweit, dass sogar Führungsqualitäten gefördert werden können.

5) Im Alter wird weniger vergessen

Diverse Studien sind sich einig: Das Lesen von Büchern hat im Alter einen positiven Effekt auf das Erinnerungsvermögen. Insgesamt schreitet der Vergessensprozess von Lesern um 32 Prozent langsamer voran als der von Nichtlesern. Eine Studie des Magazins Proceedings of the National Academy of Sciences besagt zudem, dass Menschen die regelmäßig lesen, weniger Anzeichen von Alzheimer aufweisen.

6) Die Weltoffenheit steigt

Wer regelmäßig liest, ist toleranter und weltoffener. Untersucht wurde dies zum Beispiel an der Harry Potter Reihe. Thematiken wie Diskriminierung von Halbwesen oder Hexen und Zauberern mit nicht-magischen Eltern, Mobbing von Schülern durch Mitschüler und Lehrer, oder Parallelen zwischen dem Dritten Reich und Lord Voldemorts Schreckensherrschaft, hatten bei Kindern und Erwachsenen positive Effekte. Die Problematiken lassen sich auf aktuelle Konflikte unserer Gesellschaft anwenden und beeinflussen Leser dementsprechend. So zeigten im Experiment Testpersonen nach dem Lesen solcher Textstellen eine offenere Haltung gegenüber Migranten oder Homosexuellen.

7) Kreativität und Vokabular werden verbessert

Linguistische Studien untersuchten den Wortschatz von Lesern und Nicht-Lesern im englischsprachigen Raum und Überraschung: Wer viel liest, kennt fast 10.000 Worte mehr und kann sich dementsprechend variierter Ausdrücken. Kombiniert mit der gesteigerten Kreativität, für welche das Lesen sorgt, sind viele Leser auch bessere Schreiber. Doch nicht nur Schriftstellern und Journalisten kommt die Kreativität zu Gute. Jeder kann davon profitieren, indem man sowohl im Privat- als auch Arbeitsleben kreativere, individuellere Ideen hat.

Zuletzt der Wichtigste Punkt: Lesen macht glücklich 

Natürlich sind die sieben oben genannten Einflüsse des Lesens auf unser Gehirn schon bemerkenswert, doch vor allem das Glück, welches Bücher in Millionen von Menschen auslösen, ist der größte Vorteil. Leser sind meist ausgeglichener und zufriedener im Leben und lieben es schlichtweg, sich eine Auszeit in einer anderen Welt zwischen den Seiten zu gönnen. Natürlich sollte man niemals Fiktion und Realität zu stark vermischen – auch Bücher haben ihre Schwächen und unlogischen Aspekte (wieso muss zum Beispiel nie jemand auf die Toilette?). Doch zweifelsfrei bereichern sie das Leben. Worauf wartet ihr also? Auf zur Buchhandlung oder zur Bücherei und gönnt euch ein schönes Stück Erzählliteratur. Die Zeit zum Lesen, kann man nämlich immer finden – selbst wenn es nur ein paar Minuten am Tag sind.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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