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Digitalpolitik
Schufa will Facebook-Daten nutzen

Schufa will Facebook-Daten nutzen

Aida Golghazi | 07.06.12

Mietinserate, Autos verkaufen, aus dem Urlaub posten: All diese Informationen könnten wir zukünftig mit der Schufa teilen

Ob man 2013 noch alles posten kann und Facebook-Freunde so behandeln kann wie man es jetzt tut ist unklar, denn die Schufa Holding AG will sich zukünftig der Informationen des Internets bemächtigen.

„I’m a hustler“ – Will ich 2013 einen saftigen Kredit erhalten, sollte ich wahrscheinlich bereits jetzt anfangen mir entsprechendes Image auf verschiedenen Netzwerken aufzubauen oder ein bodenständiges Portfolio aus einer Kombination von sozialen Netzwerken basteln. Schon die Bescheidenheit jedenfalls könnte in der Zukunft dazu führen, dass man nicht mal mehr einen Handy-Vertrag in Ruhe abschließen kann.

Zusammen mit dem Hasso-Plattner-Institut der Universität Potsdam will die Auskunftei Schufa die besten Wege der Datenbeschaffung herausfinden. Vorerst ginge es allerdings nur darum Projektideen zu ermitteln, im Fordergrund stehen Forschungszwecke für die das Institut jährlich 200,000€ erhält.

Mitarbeiterverzeichnisse von Unternehmen sollen Verhältnisse zwischen Personen zeigen, nebenbei will man den Stundenlohn ermitteln. Auch Geodatendienste wie Google Street View sollen genutzt werden.

Nutzer von Marktplätzen wie Immoscout24 oder mobile.de sollen auch nicht verschont bleiben, es sollen auch Mietspiegel berücksichtigt werden, wer welchen Wagen (ver-)kauft.

Bei nicht-öffentlichen Datenbanken, Internetseiten und Inhalten sollen stark fragwürdige Geschütze aufgefahren werden: So will man Fake-Profile erstehen, mit denen man andere User zur Teilnahme auffordert. Angesagt ist dann die verdeckte Beschaffung von Adressen, was ein bisschen an Spione erinnert.

„In der Zusammenarbeit mit dem HPI wollen wir durch wissenschaftlich fundierte Ergebnisse langfristig die Qualitätsführerschaft unter den Auskunfteien in Deutschland sichern“, so Schufa-Vortsand Peter Villa. Klingt nachvollziehbar für ein Unternehmen das die Marktführerschaft übernehmen will, Datenschützer sehen das anders.

„Das ist eine Grenzüberschreitung.“ – Verbraucherschützerin Costello fragt entsetzt, ob beiläufig gepostete Beiträge zur Bonitätsermittlung dienen sollten. „Leute, die bei Facebook unterwegs sind, denken nicht daran, dass das, was sie dort sagen, vielleicht einmal für ihre Kreditwürdigkeit von Belang ist“.

In der Tat sollte man dann doch konsequenterweise auch unsere Wohnungen, Häuser und Telefone wieder abhören, ach was solls, unsere Devices mit einem Virus versehen der alles trackt was er tracken kann.

Dabei bleibt äußerst fraglich: Wie aussagekräftig sind denn die Daten aus dem Internet für unsere Bonität? Ist unser Bild im Internet wirklich authentischer als unser bisheriger Schufa-Spiegel?

Ein Auszug aus dem Vorhaben der Schufa und dem HPI:

Welche Ziele hat die Zusammenarbeit mit dem IT-Institut?

„In dem Schufa-Lab soll die Innovationskraft und Kreativität sowie die technische Expertise des HPI mit der Business-Expertise und den fachlich kreativen Anforderungen von Schufa partnerschaftlich verbunden werden. Aus dem Web generierte Informationen werden durch Schufa mit anderen Informationen verknüpft und aus Business-Sicht bewertet. Auf diesem Weg soll ein Pool von aus dem Internet generierten und regelmäßig aktualisierten Informationen entstehen, der von Schufa für existierende und künftige Produkte und Services eingesetzt werden soll.“

Wonach wollen Schufa und Hasso-Plattner-Institut bei Facebook suchen?

  • Explizite Datensammlung in Sozialen Netzwerken
  • Bildung von Facebook/Xing/Twitter-Profilen
  • Aufforderung zum „joinen“ mit danach impliziter Auslesung von Adressen und insbesondere Adressänderungen
  • Suche und Bewertung von Personen- bzw. Kontaktverknüpfungen (z.B. Xing, Facebook …)
  • Experimente am HPI nur beschränkt möglich; evtl. unter anderem account-Namen
  • Es werden Chancen und Bedrohungen der Schufa identifiziert und gemeinsam mit der Schufa bewertet

Weitere „Projektideen“ von Schufa und Hasso-Plattner-Institut

  • Welche Informationen können aus „nicht-öffentlichen Quellen“ (dark web) gezogen werden?
  • Generierung von elektronischen Identifizierungsdaten (e-mail-Adressen, e-Postbriefadresse, facebook-ID …)
  • Relationship Extraction, um Beziehungen zwischen Entitäten zu gewinnen (Person/Person; Person/Unternehmen; Unternehmen/Unternehmen). Mögliche Quellen: Nachrichten, Blogs, Wikipedia, soziale Netzwerke …
  • VIP-Identifikation: Automatisierte Identifikation von Personen öffentlichen Interesses, Verbraucherschützern und Journalisten
  • Ad-hoc-Sentiment Analyse für Personen: Spezialisierte Personensuche, die neben strukturierten Informationen auch zuvor gesammelten Textdaten sowie ad-hoc-angefragte Textdaten nutz, um ein aktuelles Meinungsbild zu der Person zu ermitteln. Mögliche Quellen: Blogs, Twitter, Nachrichtenseiten, Unternehmenshomepage, Aktienkurs …
  • Jeweils Korrelationen zur Bonität untersuchen

Dass die Schufa zukünftig auf fragwürdige Methoden zurückgreifen wird mag ziemlich wahrscheinlich sein, es wird sich allerdings zeigen wie effektiv das Vorgehen ist. Und dennoch, die Idee mag zielführend sein und auch dem Nutzer zugute kommen, jedoch besteht hier großes Potenzial mit Vorgehen wie sie aus Diktaturen bekannt sind gegen natürliche Rechte des Menschen zu verstoßen.

Kommentare aus der Community

fschuetz am 08.06.2012 um 14:39 Uhr

Für uns selbst war das keine große Überraschung, da über Yasni ohnehin nur frei verfügbare Informationen angezeigt werden. Und dass Yasni schon immer stark von Behörden genutzt wird, war spätestens seit dem Heise-Artikel klar, zu finden bei uns im Blog:

http://blog.yasni.de/business/der-schufa-forschungsplan-schlaegt-wellen/

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