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Internetnutzung in Deutschland gesunken – und eine neue Art des Zugriffs lauert

Internetnutzung in Deutschland gesunken – und eine neue Art des Zugriffs lauert

Niklas Lewanczik | 04.06.26

User in Deutschland sind laut der Postbank Digitalstudie einige Stunden weniger im Netz als noch im Vorjahr. Dafür gibt es gute Gründe, doch gerade neue KI-Möglichkeiten reizen die Befragten. Dabei könnte die Internetnutzung im KI-Zeitalter bald grundlegend verändern.

Die Menschen in Deutschland verbringen enorm viel Zeit im Internet – gerade im Arbeitskontext (im Durchschnitt 2,8 Stunden täglich). Und doch ist die Nutzungszeit pro Woche deutlich zurückgegangen. Das zeigt die neue Postbank Digitalstudie für 2026, über die unter anderem Die Zeit berichtet und deren Daten uns ebenfalls vorliegen. Während gerade die unter 40-Jährigen und Personen in Berlin deutlich über dem neuen Schnitt liegen, zeigt sich ein Trend zur Reduzierung der Zeit im Internet, der von den Teilnehmer:innen der Befragung auch begründet wird. Allerdings nennen sie ebenso Aspekte, die eine erhöhte Nutzung wieder hervorrufen könnten. Dabei spielen KI-Dienste eine große Rolle. Überhaupt könnte sich die Internetnutzung, wie wir sie bis heute kennen, im KI-Zeitalter und besonders in der Agentic Era deutlich verändern. Darauf deuten bereits erste zentrale Entwicklungen hin.


5,66 Milliarden User:

Social Media wird zur „Supermehrheit“ des Internets

Titelgrafik des Digital 2026 Global Overview Report mit Weltkarte in Weiß auf schwarzem Hintergrund und Schriftzug „Digital 2026 – Global Overview Report“.
© Meltwater/We Are Social via Canva


5 Stunden weniger online pro Woche: So viel surft Deutschland

Die zentrale Erkenntnis der neuen Postbank-Studie ist, dass die 3.050 befragten Deutschen, „mit einer annähernden Gleichverteilung über die Bundesländer“ und einer Gewichtung der Stichprobe nach Bundesland (Proportionalisierung), Alter und Geschlecht, weniger Stunden im Internet sind als im Vorjahr. Die durchschnittliche Nutzungsdauer liegt jetzt bei 67 Stunden pro Woche. Noch 2025 war mit 72 Stunden pro Woche ein Höchstwert erreicht worden.

Diesen Wert übersteigen zum Beispiel die unter 40-Jährigen, die im Schnitt 80 Stunden pro Woche online sind; bei der Gruppe ab 40 Jahren sind es nur rund 62 Prozent. Das gilt ebenso für die Menschen in Berlin, die auf knapp 82 Stunden pro Woche kommen und damit im bundesweiten Vergleich das Ranking anführen. Die geringste Nutzungszeit gab es im Saarland, den größten Rückgang aber (um 17,1 Prozentpunkte) in Bayern.

Das wichtigste Gerät für den Zugang zum Internet ist kaum überraschend das Smartphone. 86 Prozent nutzen es für den Internetzugang, gegenüber 88 Prozent noch 2025. Knapp 24 Stunden pro Woche surfen die Befragten per Smartphone – aber auch das ist weniger als 2025. Da waren es noch knapp 26 Stunden. Der Laptop folgt als zweitwichtigstes Gerät mit 66 Prozent. Wearables werden nur von 13 Prozent dafür eingesetzt, Konsolen wie die Playstation immerhin von 15 Prozent. David Dommel, der das digitale Performance-Marketing der Postbank leitet, verweist mit seiner Aussage zur Studie bereits auf die Dualität von Online-Bedürfnissen und dem Wunsch nach mehr Offline-Zeit:

Mobil ins Internet zu gehen, gehört fest zum Tagesablauf der Deutschen. Über das Smartphone einkaufen, chatten oder Bankgeschäfte erledigen erleichtert den Alltag. Das nehmen wir an der stetig steigenden mobilen Nutzung unserer Apps wahr. Doch vor allem junge Menschen wollen auch mal offline sein. Das gilt besonders fürs Handy, weil es überall verfügbar ist.

Warum wollen die Menschen weniger im Internet sein?

Drei Viertel der Befragten sind mit ihrer privaten Internetnutzungszeit zufrieden. Nur acht Prozent möchten künftig mehr Möglichkeiten nutzen und öfter ins Netz. Für 17 Prozent gilt, dass sie ihre private Nutzung weiter einschränken möchten. Dieser Wunsch ist seit 2023 in der Postbank-Studie deutlicher als zuvor. 2025 lag er sogar bei 19 Prozent; womöglich haben einige Befragte von 2025 ihren Worten Taten folgen lassen, wenn man auf die Entwicklung blickt. Die Gründe für die Einschränkung der Zeit im Internet sind vielfältig. Besonders der Wunsch, die Zeit für etwas anderes nutzen zu wollen, verfängt bei 47 Prozent der Menschen ab 40 und bei 37 Prozent der unter 40-Jährigen. Der Top-Grund für die jüngere Zielgruppe: sich weniger ablenken lassen (38 Prozent gaben das an, neben 39 Prozent bei den Menschen ab 40). Auch Angaben wie die Vermeidung von gesundheitlichen Problemen und die Förderung der Konzentrationsfähigkeit fanden Eingang.

Während die zentralen Aktivitäten während der Internetnutzung kaum überraschen – vom Messaging über die Internetsuche bis hin zu Social Media Checks und Streaming –, zeigt, dass gerade Streaming von Videos, Musik und Podcasts sowie die KI-Nutzung für die Informationssuche von den Menschen bis 40 Jahre deutlich mehr eingesetzt werden. Bei der Informationssuche via KI (wie ChatGPT, Gemini und Co.) gibt es sogar eine Diskrepanz von 30 Prozentpunkten (58 Prozent der unter 40-Jährigen gegenüber 28 Prozent der Menschen ab 40).

Für beide Gruppen wäre aber die vermehrte Nutzung von KI ein Hauptgrund, um die Online-Möglichkeiten künftig noch mehr einzusetzen (56 Prozent der unter 40-Jährigen gaben das an, 47 Prozent der Menschen ab 40).

Das Team der Postbank betont, dass trotz des Bedürfnisses vieler User, die Zeit im Internet bewusster zu gestalten und teilweise zu reduzieren, ein Interesse an zahlreichen Angeboten besteht; und so bleibe die Offenheit gegenüber Technologien groß, gerade im Kontext Künstlicher Intelligenz.

Die Infografik der Postbank zeigt, dass weniger Internet im Trend liegt, © Postbank
Die Infografik der Postbank zeigt, dass weniger Internet im Trend liegt, © Postbank

KI verändert Internetnutzung deutlich – mehr Bot Traffic als menschlicher

Die konkrete Angabe von Stunden, die User im Internet verbringen, könnte künftig deutlich schwieriger werden. Denn im Zeitalter agentischer Web-Nutzung können User beispielsweise mit agentischem Browsing bei Google Chrome oder mithilfe von dedizierten Web Agents einige Aufgaben und Handlungen im Internet maschinell ausführen. Dabei wären sie im Grunde online, aber müssten nicht selbst vor dem Bildschirm sitzen; das gilt zum Beispiel auch bei der Nutzung von Tools wie Claude Code oder OpenAIs Codex, die sogar aus der Ferne möglich ist. Laut Matthew Prince, Mitgründer und CEO von Cloudflare, hat der Bot Traffic den menschlichen Traffic im Internet in diesem Jahr schon deutlich überholt. Er hatte erst Ende 2027 damit gerechnet. Prince bezieht sich auf Daten aus dem Cloudflare Radar, bei denen die Distribution zu HTML Content im Fokus steht.

Eine solche Entwicklung könnte durch zusehends mehr AI Agents nur verstärkt werden. Dann wären User künftig möglicherweise weniger oft oder lange online – ihre Agents dafür aber umso mehr.


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© Google


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