Human Resources
Kommt bald die Büropflicht? Home-Office-Angebot auf Tiefstand seit 2022

Kommt bald die Büropflicht? Home-Office-Angebot auf Tiefstand seit 2022

Selina Beck | 06.11.26

Immer mehr Unternehmen – wie die Deutsche Bahn oder SAP – kehren zur Büropflicht zurück und auch der Stellenmarkt zeigt einen Rückgang an Home-Office-Jobs. Gehört Home Office bald vielerorts der Vergangenheit an?

Home Office ist seit der Coronapandemie für viele Arbeitnehmer:innen normaler Berufsalltag. Doch nun zeigt die aktuelle Arbeitsmarktanalyse von Indeed, dass die Stellenangebote mit allgemeiner Remote-Option ihren tiefsten Wert seit Januar 2022 erreicht haben. Der Anteil dieser sinkt auf 13,9 Prozent. Zudem machen Unternehmen wie die Deutsche Bahn, Telekom oder SAP Schlagzeilen damit, dass sie wieder eine Rückkehr ins Office einfordern.


Der Trend im Home Office, über den niemand spricht

Eine Frau sitzt am Laptop und telefoniert
© Antoni Shkraba – Pexels


Für Arbeitsmarktexpertin Dr. Virginia Sondergeld ist die aktuelle Entwicklung zu mehr Forderungen nach Rückkehr ins Büro keine Überraschung:

Die Wirtschaft steht nach Jahren der Stagnation unter großem Transformationsdruck. Viele Unternehmen bewerten Homeoffice hierfür zunehmend als Hindernis. Zugleich müssen Arbeitgeber auf einem abgekühlten Arbeitsmarkt weniger um Bewerber buhlen. Beides zusammen sorgt dafür, dass die Präsenzdebatte jetzt auch im Stellenmarkt sichtbar wird.

Starker Rückgang seit Jahresanfang

Den Höchststand an Home-Office-Jobs und Jobs mit Remote- (oder Hybrid-)Option hat der Indeed Remote Tracker im April 2023 mit 16,8 Prozent erreicht, also bereits nach der Pandemie. Nach diesem Hoch bewegte sich der Anzahl der Stellenanzeigen mit Remote-Option relativ konstant zwischen 15 und 16 Prozent. Gestiegen ist der Wert seitdem nicht mehr. Mit 13,9 Prozent liegt er nun knapp neun Prozent unter dem Wert von Januar und ganze 17 Prozent entfernt vom All Time High.

Ein Teil des Rückgangs hat auch mit strukturellen Veränderungen zu tun, denn Jobs, die für Home Office geeignet sind, haben sich schlechter als Jobs mit Anwesenheitspflicht entwickelt. Das Stellenangebot von Branchen mit Präsenzanforderung, etwa im Einzelhandel oder Handwerk, liegt etwa 22 Prozent über dem Niveau von Anfang 2020. In Bürojobs, wo Home Office gut realisierbar ist, wie der Verwaltung, Marketing oder der HR-Branche, ist der Wert hingegen etwa 22 Prozent unter dem Vergleichswert.

Gründe liegen teilweise im erhofften Produktivitätszuwachs

Doch das erklärt den Rückgang nicht vollkommen, denn auch innerhalb der remote-fähigen Bürojobs sank der Home-Office-Anteil im dritten Quartal auf 34,2 Prozent – und zwar in fast allen Berufsgruppen. Sondergeld ist allerdings von den erhofften Produktivitätsgewinnen durch Präsenzpflicht nicht überzeugt:

Ob mehr Präsenz den Unternehmen die erhofften Effizienzgewinne bringt und sie auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zurückführt, muss sich erst zeigen. Vieles spricht dafür, dass gemeinsame Arbeit im Büro den Zusammenhalt stärkt und Raum für kreative Diskussionen schafft. Neue Produkte und Geschäftsmodelle entstehen aber nicht alleine durch Anwesenheit.

Rückgang auf dem Arbeitsmarkt, doch Investitionen in Infrastruktur schaffen neue Jobs

Insgesamt gibt es einen Rückgang auf dem Stellenmarkt von 1,1 Prozent. Bereits im Vorquartal wurde ein Minus von 4,3 Prozent diagnostiziert. Das Stellenangebot liegt mit 104 Punkten damit lediglich noch vier Prozent über dem Niveau der Vergleichswerte im Jahr 2020.

Allerdings gibt es in diesem Quartal erstmals mehr Jobs in 23 von 39 Berufsgruppen. Zuwächse gibt es vor allem in den Branchen, in denen die Investitionen des Bundes für Infrastruktur ankommen, also Maschinenbau (plus zehn Prozent), Bauwesen (plus 6,5 Prozent) und das Handwerk (plus sechs Prozent).

Dahingegen verwundert es, dass in der Pflege das Stellenangebot trotz Fachkräftemangel um 5,6 Prozent zurückgegangen ist, seit März sogar um 16,3 Prozent. Generell verlor der Gesundheitssektor an sich deutlich. Dennoch wird in der Entwicklung sichtbar, dass in der Pflege seit sechs Jahren rund 40 Prozent mehr Stellen ausgeschrieben werden. Die Berufsgruppe liegt damit deutlich über dem Gesamtmarktdurchschnitt.

Die Ökonomin sieht vor allem die Deckelung des Pflegebudgets ab 2027 als Grund für den Rückgang der Pflegestellen. Dennoch „stellt der aktuelle Rückgang aber zu einem guten Teil auch eine Normalisierung auf hohem Niveau dar, und keinen Einbruch“, so Sondergeld.


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