Human Resources
Wie ist zurzeit das Betriebsklima in den Unternehmen? Von familiärer Managementkultur und wirtschaftlichem Druck

Wie ist zurzeit das Betriebsklima in den Unternehmen? Von familiärer Managementkultur und wirtschaftlichem Druck

Selina Beck | 05.11.26

Wie ist zurzeit die Lage in den Betrieben? Die aktuelle Analyse des ifo Instituts zeigt: besser als viele denken. In mehr als zwei Dritteln der Firmen gibt es eine familiäre und kooperative Managementkultur. Dennoch werden auch Problemfelder genannt.

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, die Tage werden kürzer und dunkler, was auch auf die Stimmung vieler Menschen drückt. Doch wie sieht es mit der Stimmung in den Unternehmen zurzeit aus? Das ifo Institut hat in seiner Randstad-ifo-HR-Umfrage des dritten Quartals 2026 herausgefunden, dass die Mehrheit der Beschäftigten (68 Prozent) die Führung in ihrer Firma als familiäre, teamorientierte und kooperative Managementkultur beschreibt.

Weniger verbreitet sind mit 18 Prozent eine ergebnis- und leistungsorientierte sowie wettbewerbsbetonte Ausrichtung. Eine prozessorientierte, strukturierte und formelle Managementkultur wird nur in acht Prozent der Unternehmen beschrieben.

Vor allem im Handel gibt es familiäre Arbeitsatmosphäre

81 Prozent der Unternehmen aus dem Handel sprechen von einer kooperativen und familiären Ausrichtung. In der Industrie wird diese Managementkultur von 65 Prozent erwähnt. Bei den Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor ist im Vergleich zu anderen Branchen am häufigsten von einer strukturierten und formellen Ausrichtung die Rede (zwölf Prozent). Doch auch hier überwiegt der kooperative Führungsstil mit 64 Prozent.

In den Branchen Handel, Industrie und Dienstleistungen dominiert die familiäre Managementkultur, © ifo-Institut, 81 Prozent der Unternehmen aus dem Handel sprechen von einer kooperativen und familiären Ausrichtung. In der Industrie wird diese Managementkultur von 65 Prozent erwähnt. Bei den Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor ist im Vergleich zu anderen Branchen am häufigsten von einer strukturierten und formellen Ausrichtung die Rede (12 Prozent). Doch auch hier überwiegt der kooperative Führungsstil mit 64 Prozent.
In den Branchen Handel, Industrie und Dienstleistungen dominiert die familiäre Managementkultur, © ifo Institut

Neue Arbeitsmodelle und Stellenabbau werden thematisiert

Bei der Analyse des Verhältnisses zwischen Führungsebene und Mitarbeitenden zeigt sich, dass der aktuelle wirtschaftliche Druck in den Unternehmen mit deutlichem Abstand das Verhältnis der Angestellten zu ihren Führungskräften prägt. Dies erklären 44 Prozent der befragten Betriebe.

Zwölf Prozent hingegen nennen als relevante Themen die Einführung neuer Arbeitsmodelle, Wechsel in der Führungsebene sowie Innovationen. Im Zuge dessen werden auch Restrukturierungen beziehungsweise Stellenabbau zum Thema (ebenso zwölf Prozent).

So ist das Verhältnis zwischen Vorgesetzten und Angestellten

Generell sprechen die Unternehmen von guten Beziehungen. So sagen 43 Prozent der befragten Unternehmen, dass es ein offenes und vertrauensvolles Verhältnis zwischen Mitarbeiter:innen und Führungsetage gibt. 37 Prozent beschreiben das Verhältnis als freundlich. Weitere 16 Prozent sprechen eher von einem sachlichen Austausch. Nur bei vier Prozent war von hierarchischen und distanzierten Interaktionen die Rede.

Hierbei bestehen jedoch auch Unterschiede bezüglich der Unternehmensgröße. Bei Großunternehmen ist die Beziehung deutlich häufiger sachlich (29 Prozent) oder freundlich (44 Prozent). Nur jedes fünfte Großunternehmen spricht von einer offenen und vertrauensvollen Zusammenarbeit. Sinkt die Unternehmensgröße, steigt auch der Anteil der Betriebe, die von einem offenen und vertrauensvollen Verhältnis sprechen. Ferner ist der Umgang umso weniger sachlich, je kleiner der Betrieb ist.

Überwiegend positive Fehlerkultur

Das Verhältnis zwischen Belegschaft und Führungsetage bestimmt auch die Fehlerkultur. 52 Prozent der Unternehmen berichten, dass Fehler offen angesprochen werden. Bei weiteren 31 Prozent werden sie meistens angesprochen. Zehn Prozent der Firmen bewerten Fehler sogar positiv als Lernchance, bei sieben Prozent werden sie eher zurückgehalten.

Je kleiner die Unternehmen sind, desto offener werden Fehler angesprochen. 62 Prozent der Kleinunternehmen sagen, dass Fehler bei ihnen offen angesprochen werden, während es bei Großunternehmen nur 28 Prozent sind. Aber: Fehler werden in Großunternehmen häufiger als Lernchance als in Kleinunternehmen gesehen (19 gegen fünf Prozent).

Der Umgang mit Fehlern unterscheidet sich nach Unternehmensgröße, © ifo-Institut. Je kleiner die Unternehmen sind, desto offener werden Fehler angesprochen. 62 Prozent der Kleinunternehmen sagen, dass Fehler bei ihnen offen angesprochen werden, während es bei Großunternehmen nur 28 Prozent sind. Aber: Fehler werden in Großunternehmen häufiger als Lernchance als in Kleinunternehmen gesehen (19 gegen fünf Prozent).
Der Umgang mit Fehlern unterscheidet sich nach Unternehmensgröße, © ifo Institut

Fehler werden meist von Kolleg:innen oder Vorgesetzten entdeckt

Fehler werden intern vor allem durch Kontrollen, Auswertungen und Qualitätsprüfungen sichtbar. Das sagen 32 Prozent der Unternehmen. 28 Prozent hingegen geben an, dass Fehler durch Kolleg:innen oder Führungskräfte aufgedeckt werden. Deutlich seltener werden Fehler extern durch Kund:innen, Dienstleister:innen oder andere Hinweise aufgedeckt (19 Prozent). Leider fallen Fehler am seltensten durch betroffene Angestellte selbst auf (18 Prozent).

Doch wie gehen Unternehmen mit den Fehlern um? Die meisten Firmen (67 Prozent) sagen, dass sie einen entdeckten Fehler zunächst im Team besprechen. Dabei analysieren 59 Prozent die Ursachen und ergreifen Maßnahmen zur Fehlervermeidung. 54 Prozent passen zudem Abläufe, Zuständigkeiten und Informationen an. Das Klären von Verantwortlichkeiten spielt mit 31 Prozent eher eine unwichtigere Rolle.

Bei der ifo-HR-Umfrage wurden rund 1.000 HR-Verantwortliche in Personalabteilungen zu aktuellen personalpolitischen relevanten Themen befragt. Das Panel inkludiert Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe, dem Groß- und Einzelhandel sowie dem Dienstleistungssektor.


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© Quilia - Unsplash
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