Social Media Marketing
Angriff auf YouTube: Instagram startet 90-Minuten-Videos

Angriff auf YouTube: Instagram startet 90-Minuten-Videos

Niklas Lewanczik | 27.10.26

Erste Creator können auf Instagram dank der neuen Funktion Features horizontale Videos mit bis zu 90 Minuten Länge posten – und via Reel darauf verweisen. Doch die Monetarisierung lässt noch Fragen offen. Außerdem wird das Series Feature für Mikrodramen erweitert, während Live-Inhalte prominenter platziert werden.

Lange Zeit war der Instagram-Chef Adam Mosseri gegen die Integration von Longform-Videos auf Instagram. Das sagt er selbst in einem langen Video, das er zusammen mit Tessa Lyons, VP of Product bei Instagram, aufgenommen hat. Die beiden stellen darin einige Updates vor, die die Plattform und ihre Rezeptionsmechanismen grundlegend verändern könnten. Im Fokus steht das neue Format Features, in dessen Rahmen Creator jetzt Videos im Querformat mit bis zu 90 Minuten Länge posten können.

Das erinnert ein wenig an das einst gescheiterte IGTV und an die TV-Rezeption. Es ist kein Zufall, dass Instagram gerade erst eigens eine Apple TV App gestartet hat, die Optionen wie für Amazon Fire TV, Google TV und auf Samsungs TV-Geräten zur Rezeption von Reels auf großen Bildschirmen ergänzt.

Features ist aber ebenso ein Angriff auf Streaming-Dienste wie YouTube, Netflix und Co., wenn auch bei der Monetarisierung für Creator noch Fragen zu klären sind. Diese können sich allerdings auf noch mehr hilfreiche Video- und Live-Neuerungen freuen, die Instagram massiv verändern. Das gilt zunächst aber nur für einige User.



Reels auf dem Big Screen:

Instagram startet eigene App für Apple TV

Instagram TV App auf Apple TV mit Stories, Reels und personalisierten Videoempfehlungen auf dem Fernsehbildschirm.
© Instagram/Apple


90 Minuten für Storytelling und Verbindung mit Reels: Kann Instagram Features Creator überzeugen?

Die ersten User können 90-minütige Videos von Creatorn auf Instagram schon sehen und werden darüber auf der Plattform informiert.

Auf Threads ansehen

Dabei hat Instagram Features zunächst nur in Brasilien getestet, jetzt kommen die USA hinzu. Dort können ausgewählte Creator seit dieser Woche ihre bis zu eineinhalbstündigen Videos hochladen, um Fans und Usern noch mehr Inhalt zu liefern und an eine altbekannte Medienrezeption anzuschließen: Longform-Inhalte im Querformat erfreuen sich schließlich nicht nur im TV, sondern auch auf YouTube, Netflix, Apple TV, Disney+, Amazon Prime Video und anderen Diensten großer Beliebtheit. Auf Instagram sollen die neuen Longform-Videos aber mit den Reels verknüpft werden, damit Creator über das populäre Kurzvideoformat – mit über 4,5 Milliarden Shares pro Tag – direkt auf Longform Content verweisen können. Clips as Reels nennt sich diese Funktion. Tessa Lyons liefert ein Beispiel:

What you’re now going to be able to do is, you see a clip of a podcast that you love, you can just click and continue watching or watch the full video, and you’ll be able to dive in and see the whole thing because creators are going to be able to link these Reels to their overall feature.

Adam Mosseri wiederum zeigt in einem Videogespräch mit dem bekannten Creator-Duo Colin and Samir, wie sie mit Kurzvideos auf ein langes Video zu ihrem Podcast hinweisen könnten. Darin demonstriert Mosseri ebenfalls, dass die Longform-Videos im Grid als „2-by-1“ bezeichnet werden, weil sie zwei Plätze einnehmen, also als horizontale Clips doppelt so breit angezeigt werden wie die vertikalen Reels.

Die Videos werden auf der Explore Page ausgespielt, sollen aber auch in anderen Bereichen platziert werden. Zunächst ist das Feature nur mobil verfügbar, es soll künftig jedoch auf TV-Geräte ausgeweitet werden. Tessa Lyons sagt:

We think the best viewing experience for longform horizontal content is on a big, horizontal screen, and so I think that is where we will expect a lot of the deep consumption to happen over time.

Der Roll-out für eine breitere Creator-Gemeinschaft könnte in den USA in den kommenden Wochen und Monaten erfolgen. Ein Datum für einen Europastart gibt es noch nicht.

Die Frage nach dem Geld

90 Minuten lange Videos bieten vor allem Potential für eine höhere Verweildauer. Sie könnten ebenso als Anschlusspunkt fungieren, um andere Longform-Inhalte auf die Plattform zu holen. Netflix beispielsweise hat einen Deal mit Spotify abgeschlossen, um Video-Podcasts auf dem Streaming-Dienst auszuspielen. Davon können Creator und die Plattform zugleich profitieren. An ähnlichen Deals arbeitet Instagram nach Informationen von Lyons noch, die sie The Hollywood Reporter preisgab. Noch gebe es keine Vereinbarungen. Lyons betont jedoch die Möglichkeit für Creator, gebrandete Inhalte mit Werbe-Deals als Longform Content auf Instagram auszuspielen. Das könnten beispielsweise Podcasts im Videoformat mit Host Read Ads sein. Außerdem könne Instagram einigen Creatorn dabei helfen, Werbe-Deals für die Inhalte zu erlangen.

Dabei ist noch nicht ganz klar, wie ein Instagram-eigenes Monetarisierungsmodell für eine Integration von Ads aussehen kann. Ein Mitglied des Meta-Presse-Teams gab gegenüber TechCrunch an:

It’s too early to share a long-term monetization model, but we’re exploring ways for creators to earn from brands, fans, and Instagram, including performance-based incentives. Over time, we think there will be compounding benefits for creators to tell new stories, reach new audiences, and find new partners, which should lead to many monetization opportunities.

Doch genau dieser Aspekt dürfte für viele Creator besonders wichtig sein. Immerhin können qualifizierte Creator auf YouTube 55 Prozent der Werbeeinkünfte bei ihren Videos einstreichen. Über 100 Milliarden US-Dollar hat das Unternehmen nach eigenen Angaben in den Jahren von 2022 bis 2025 an die Creator Economy ausgeschüttet. Solch einen finanziellen Anreiz könnte Instagram benötigen, um etablierte Longform Content Creator davon zu überzeugen, viel auf Instagram zu posten.

Alternativen zum Longform Content: Instagram erweitert Series, Clips als Reels und Live-Integration

Die neue Features-Option mit ihrem Zusatz Clips as Reels verweist auf Instagrams Ziel, langen und kurzen Videos von Creatorn eine für User möglichst attraktive Symbiose zu ermöglichen. Clips as Reels erlaubt bis zu acht Reels, die auf ein Longform-Video verweisen. Dieses Feature wurde zunächst in Brasilien getestet und kommt nun für die ersten ausgewählten US Creator.

Neben dieser Verbindung bietet Instagram quasi als Alternative ein Serienformat, das zwar Kurzvideos fokussiert, aber User dabei langfristig binden soll. Das Series Feature zur seriellen Aneinanderreihung inhaltlich verbundener Reels ist schon seit einigen Monaten im Test, soll bald jedoch global ausgerollt werden. Auch mit der Darstellung in der TV-App experimentiert die Plattform derzeit.

Drei Screenshots des neuen Meta-Features Series für Instagram und Facebook
Meta testet mit Series ein neues Feature für Instagram und Facebook, das Reels als fortlaufende Episoden in einem eigenen Bereich bündelt, © Meta

Zu guter Letzt arbeitet Instagram noch daran, Live-Inhalte sowohl im Reels Tab auszuspielen als auch für User anzuzeigen, die Creatorn noch gar nicht folgen. So soll Live Content auf der Plattform ebenfalls prominenter platziert werden, um den Usern noch mehr Rezeptionsmöglichkeiten zu bieten; womöglich auch im Hinblick auf die Rezeption am TV-Gerät. Klar ist indes: Instagram möchte sich als große Videoplattform im Wettbewerb verorten und ist heute von der einstigen Foto-First-Plattform weiter entfernt denn je. Creator, User und auch Advertiser könnten es dem Medium danken, denn die Rezeptionsvorzeichen haben sich geändert. Entsprechend fasst Adam Mosseri die Mission zusammen:

The thing that the team has been working on that we’re excited to share with you is trying to make it so that the short-form and the long-form video can be symbiotic. We’re going to try to support these different types of formats, both in the mobile app, but also on the TV app, which I think is … going to take some time to get right. But I’m actually very excited about it, and we’re very committed to it long term.

Auf Threads ansehen



Von der Aufnahme bis zum Posting:
Instagrams großer Reels Guide 2026

Titelbild zum Artikel über den neuen Instagram Reels Guide 2026 mit zwei Reels auf Smartphone Mockups vor einem
© Instagram via Canva


Stelle OnlineMarketing.de als bevorzugte Quelle auf Google ein

Wenn du OnlineMarketing.de auf Google als bevorzugte Quelle einstellen möchtest, um auch in den Schlagzeilen auf Google immer aktuelle News und Tipps aus der Welt des Marketing und der Tech-Entwicklungen zu finden, kannst du einfach die Google-Quelleneinstellungen aufrufen und die Seite anwählen. Über das Stern-Icon neben den Top Stories kannst du ebenfalls bevorzugte Quellen für die spätere Suche speichern.

Kommentare aus der Community

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*
*