Human Resources
Warum der Bewerbungsprozess ein Vertrauensproblem hat

Warum der Bewerbungsprozess ein Vertrauensproblem hat

Selina Beck | 01.10.26

Bewerbungsprozesse sind eine emotionale Angelegenheit – vor allem Absagen belasten viele. Nun zeigt eine aktuelle Analyse, dass viele Bewerber:innen dem Prozess an sich misstrauen und mit Vorurteilen und Intransparenz rechnen.

Intransparenz, Glückssache, Blackbox und Vorurteile – mit diesen Schlagwörtern verbindet eine Mehrheit den Recruiting-Prozess. Eine repräsentative Umfrage des HR-Technologieunternehmens Paul’s Job unter 1.044 Berufstätigen, die sich in den vergangenen zwölf Monaten beworben haben, zeigt, dass viele Bewerber:innen das Bewerbungsverfahren äußerst kritisch sehen. 57 Prozent der Jobsuchenden gehen davon aus, dass Vorurteile in Bezug auf Alter, Geschlecht oder Herkunft die Auswahlentscheidungen beim Recruiting beeinflussen.

Bewerbung als „Glücksspiel“

46 Prozent nennen den Bewerbungsprozess sogar ein „Glücksspiel“, da er oft willkürlich und schwer nachvollziehbar sei. Über den (Miss-)Erfolg entscheiden nach Ansicht von 61 Prozent der Befragten eher persönliche Sympathien von Recruitern als objektive Kriterien. Die meisten Bewerber:innen vermuten, dass eher das Bauchgefühl der Arbeitgeber:innen zählt. Hingegen beschreiben viele HR-Abteilungen ihre Auswahlprozesse als strukturiert, objektiv und kriteriengeleitet.

Die Mehrheit der Jobsuchenden misstraut dem Bewerbungsprozess, © Paul's Job, Dabei sagen 65 Prozent, dass bei Bewerbungen nie vorhergesagt werden kann, was man erwarten kann. 57 Prozent rechnen mit Vorurteilen von Arbeitgeber:innenvertreter:innen.
Die Mehrheit der Jobsuchenden misstraut dem Bewerbungsprozess, © Paul’s Job

Der Eindruck von Subjektivität geht zudem mit dem Gefühl der Intransparenz einher, denn nur 35 Prozent der Teilnehmer:innen sehen Bewerbungsverfahren als transparent, während sie 65 Prozent als unvorhersehbar einstufen. Dabei trägt auch das Gefühl der Machtlosigkeit zur Unzufriedenheit bei, da sich 56 Prozent als „Bittsteller:innen“ bei der Bewerbung sehen. Nur 44 Prozent empfinden den Prozess auf Augenhöhe.

Wunsch nach Erreichbarkeit und Transparenz

Zudem kritisieren 59 Prozent der Befragten die schwierige Erreichbarkeit während des Bewerbungsverfahrens. Viele Fragen würden dadurch offen bleiben. Gefragt nach den Wünschen von Bewerbenden werden an erster Stelle Transparenz über die Kriterien bei einer Absage (43 Prozent) genannt, dicht gefolgt vom Wunsch nach sympathischen Ansprechpartner:innen bei Recruitern und potenziellen Vorgesetzten (42 Prozent). Auf dem dritten Platz landet der Wunsch nach Vorurteilsfreiheit (32 Prozent). Das Marktforschungsinstitut Bilendi hat die Erhebung im Auftrag von Paul’s Job im Juli 2026 durchgeführt.


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