Human Resources
So plant die junge Generation ihre Karriere – große Unterschiede zwischen Frauen und Männern

So plant die junge Generation ihre Karriere – große Unterschiede zwischen Frauen und Männern

Selina Beck | 18.09.26

Die Berufswahl ist keine Entscheidung mehr fürs ganze Leben bei den jüngeren Generationen. Zudem gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern – vor allem bei angestrebten Führungsrollen.

Wie wird mein Berufsweg einmal aussehen? Diese Frage stellen sich die meisten spätestens mit 18 Jahren. Eine repräsentative YouGov-Studie unter 18- bis 35-Jährigen im Auftrag des Finanzberatungsunternehmens Swiss Life Select zeigt, dass für viele jüngere Menschen die Berufswahl nicht mehr einmalig für das ganze Leben getroffen wird. So sagen 68 Prozent der Befragten, dass sie bereits überlegt haben, den Beruf oder sogar die ganze Branche zu wechseln.

Unterschiede bei den Geschlechtern – vor allem bezüglich der Karriereplanung – fallen bei der Befragung ebenfalls auf: Gefragt nach den Karrierezielen in den nächsten fünf Jahren sagen 34 Prozent der Männer, dass sie eine Führungskarriere anstreben, während dies nur 21 Prozent der Frauen angeben. Frauen legen stattdessen eher ihren Fokus auf das Thema Weiterbildung mit 72 Prozent (bei Männern 63 Prozent).

Beim Thema Führungskraft gibt es ebenfalls Differenzen, denn 70 Prozent der Frauen legen Wert darauf, dass eine Führung Vertrauen schafft, während dies hingegen 61 Prozent der Männer angeben. Zudem ist Frauen die Förderung und Entwicklung von Mitarbeiter:innen wichtig (65 Prozent), für die Mehrheit der Probanden jedoch nur zu 55 Prozent. Einig sind sich beide beim Thema Geld: Ein hohes Einkommen nennen 53 Prozent der Frauen und 56 Prozent der Männer als berufliches Ziel.

Ist der Leistungsgedanke noch zentral?

Eine aktuelle repräsentative Umfrage von Statista+, für die im Juni und Juli 2026 insgesamt 1.000 Beschäftigte im Alter von 18 bis 65 Jahren befragt wurden, ergab, dass 39 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland der Ansicht waren, Leistung im Job lohne sich nicht. Gemeint ist in diesem Kontext, dass Mehrarbeit oder besondere Anstrengungen nicht zu Gehaltserhöhungen, Entwicklungschancen oder anderen Vorteilen führen. Ein anderes Ergebnis zeigt sich bei dieser Befragung: So wollen 71 Prozent der Befragten ihr Einkommen durch eigene Leistung steigern können, auch Bonuszahlungen oder Provisionen sind wichtig für sie. Das erste bildet eine Wahrnehmung des Status quo des Leistungsprinzips ab, während zweiteres in dieser Erhebung eine Hoffnung ist, hinter der nicht unbedingt konkrete Entwicklungen stehen müssen.

Generell sind berufliche Entwicklungsmöglichkeiten für 84 Prozent der Teilnehmer:innen (sehr) wichtig. 67 Prozent legen Wert auf konkrete Weiterbildungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten. Transparenz ist für die jüngeren Generationen ebenfalls von Bedeutung: 59 Prozent wünschen sich transparente und faire Entwicklungsstufen.

Großes Autonomiebedürfnis

Ein weiteres Ergebnis der Befragung: Für junge Menschen ist die Unabhängigkeit bei der Arbeit wichtig. 83 Prozent der Befragten wollen ihren Arbeitsalltag möglichst selbst gestalten und dabei auch eigenverantwortlich Entscheidungen treffen können. Flexible Arbeitszeiten sind für 82 Prozent (sehr) wichtig. Der Geschäftsführer von Swiss Life Select, Christian Linnewedel, rät den Unternehmen:

Für Arbeitgeber ist das ein wichtiges Signal: Wer junge Talente gewinnen und halten will, muss ihnen Vertrauen und Freiräume geben. Wir gestalten deshalb Karrierewege bewusst so, dass wir jungen Menschen während ihrer Laufbahn ein Maximum an Gestaltungsspielräumen, Spezialisierungsoptionen und Möglichkeiten der fachlichen, wie persönlichen Entwicklung offenhalten.


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Ein Mann sitzt zu Hause und arbeitet
© Tima Miroshnichenko – Pexels


Neue Führungsrollen

Wie stellen sich die jüngeren Generationen ihre eigene Führungsrolle vor? Danach gefragt sagen fast alle (91 Prozent), dass sie Wissen und Praxiserfahrung vermitteln und Orientierung geben möchten. Die Entwicklung und Förderung der Angestellten ist für sie ebenfalls zentral (90 Prozent). Ein rascher Karriereaufstieg ist für viele hingegen unwichtig, das Ziel wird von 63 Prozent angegeben. Linnewedel sieht einen neuen Führungsstil bei Gen Y und Gen Z:

Die oft gehörte These, junge Menschen wollten keine Verantwortung mehr übernehmen, greift zu kurz. Vielmehr beobachten wir, dass junge Menschen Führung neu definieren: Weg vom hierarchischen Delegieren, hin zum aktiven Coaching durch die Vermittlung von Erfahrung und Wissen – und dadurch die Schaffung von Orientierung.

Bei der repräsentativen Befragung wurden Mitte August über 1.000 Personen zwischen 18 und 35 Jahren befragt. Die Umfrage basiert auf Online-Interview mit Mitgliedern des Panels von YouGov.


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