Human Resources
KI-Jobs boomen – Frauen mehrfach benachteiligt

KI-Jobs boomen – Frauen mehrfach benachteiligt

Selina Beck | 28.08.26

Leider sind auch in der KI-Arbeitswelt Frauen von systematischen Ungleichheiten betroffen. Die Analyse von LinkedIn zeigt dabei eine dreifache Benachteiligung auf.

KI schafft neue, schnell wachsende und vor allem gut bezahlte Arbeitsplätze. So verdienen Beschäftigte in KI-Berufen in den USA im Durchschnitt mehr als das Doppelte im Vergleich zu Nicht-KI-Berufen. KI-Jobs werden in Stellenanzeigen mit einem Gehalt von rund 177.000 US-Dollar angegeben, eine Stelle außerhalb des KI-Bereichs hingegen nur mit 80.000 US-Dollar.

Doch leider sind auch in KI-Unternehmen Frauen von der Führungsebene bis zu anderen Positionen hin unterrepräsentiert. Das zeigt eine Analyse von LinkedIn. Frauen besetzten im vergangenen Jahr nur 26 Prozent der in den USA neu besetzten Stellen im KI-Sektor – verglichen mit 50 Prozent in anderen Berufsfeldern. Drastischer wird dies noch bei höheren Positionen: So kamen Frauen mit KI-Skills bei rund 15.000 Unternehmen in 27 Ländern nur zu 13 Prozent in Führungspositionen. Außerhalb von KI-Firmen liegt der Wert hingegen bei 19 Prozent.

Vor allem bei Jobs mit Top-Gehältern zeigen sich Ungerechtigkeiten

Der Zugang zum KI-Arbeitsmarkt ist damit offensichtlich ungleich verteilt, insbesondere bei einigen der bestbezahlten Positionen im KI-Sektor. Beim Job Head of AI gibt es nur zu 20 Prozent Frauen, bei Member of Technical Staff sogar nur 18 Prozent. Director of AI hat einen Frauenanteil von 26 Prozent.

Zudem gibt es auch Differenzierungen aufgrund von Qualifikationen, denn KI-Jobs sind immer noch stark auf Hochschulabsolvent:innen fokussiert. 91 Prozent der KI-Talente haben mindestens einen Bachelor-Abschluss, bei den bestbezahlten KI-Positionen liegt dieser Anteil sogar bei über 95 Prozent.

Die Expert:innen sprechen in ihrer Studie von einer „Triple Penalty“ für Frauen, einer Dreifachstrafe, denn Frauen sind auf mehreren Ebenen unterrepräsentiert. So ist der weibliche Anteil bei KI-Jobs um etwa zehn Prozentpunkte niedriger als der Anteil in Positionen außerhalb des Sektors Künstliche Intelligenz. Zudem ist der Frauenanteil beim Personal in KI-Unternehmen um etwa fünf Prozentpunkte niedriger als in vergleichbaren Unternehmen ohne KI-Schwerpunkt. Und auch ganz oben sieht es problematisch aus, wenn es Diversität geht: Die Geschlechterunterschiede sind bei Positionen der C-Ebene um etwa 15 Prozentpunkte größer als bei Positionen unterhalb der Führungsebene.

Frauen erleben in der KI-Arbeitswelt leider eine dreifache Un­ter­re­prä­sen­ta­ti­on, © LinkedIn. Grafik, Triple Penalty, AI Firm Penalty, AI Role Penalty, Leadership Penalty
Frauen erleben in der KI-Arbeitswelt eine dreifache Un­ter­re­prä­sen­ta­ti­on, © LinkedIn

Laut LinkedIn-Daten hat sich die Anzahl der Stellenanzeigen im Bereich KI seit 2023 etwa verdoppelt. KI-Ingenieur:innen haben den Machine Learning Engineer als häufigste KI-Rolle auf LinkedIn abgelöst. Die Expert:innen sehen in der Erweiterung des Zugangs in den nächsten Jahren eine wichtige Herausforderung für Arbeitgeber:innen, Bildungseinrichtungen und politische Akteur:innen. Diese Analyse basiert auf Daten der LinkedIn-Plattform, welche die Beschäftigungsverläufe von Mitgliedern in 24 Ländern sowie US-Stellenanzeigen aus dem Zeitraum 2023 bis 2026 umfassen.

Auch in Deutschland systematische Ungleichheiten bei KI-Jobs

Die Daten der Analyse sind nicht auf Deutschland übertragbar, jedoch wird auch hierzulande eine Benachteiligung von Frauen bei KI-Jobs diagnostiziert. So ergab eine Studie des Branchenverbands Bitkom anlässlich des Weltfrauentags, dass 43 Prozent der Unternehmen Männer bei IT- und Digitalberufen für die bessere Wahl halten. Der Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst sagte dazu:

Stereotype Rollenbilder sind noch in zu vielen Unternehmen verankert. Wenn IT-Berufe Frauen abschrecken oder ihnen zu wenig bekannt sind, ist das kein Naturgesetz. Es ist ein klarer Auftrag an Unternehmen, Bildung und Politik, Barrieren abzubauen und IT-Berufe für Frauen sichtbar und attraktiv zu machen […].

Ein wichtiger Grund für die fehlende Gleichstellung in den Tech-Abteilungen sind laut Haufe-Bericht Hürden für den Wiedereinstieg, beispielsweise fehlende Weiterbildungen nach der Elternzeit. Zudem zeigen Analysen, dass Frauen vom KI-Wandel häufiger und stärker betroffen sind, da sie öfter in Jobs arbeiten, die durch KI automatisierbar sind und damit wegfallen (können). Die Organisation New Work Women warnt in ihrem LinkedIn-Beitrag:

Es ist ein Gehaltsproblem in Echtzeit. Während KI-Rollen zu den bestbezahlten Positionen des Arbeitsmarkts aufsteigen, entsteht parallel eine neue Lohnlücke, an einer Stelle, an der Vergütungsstrukturen gerade erst entstehen und deshalb noch gestaltbar wären. Die Lücke wächst mit jeder Stufe der Pipeline. Das spricht weniger für zu wenig mutige Bewerberinnen als für Auswahlkriterien, die informelle Netzwerke und bereits vorhandene KI-Erfahrung überbewerten, beides Ressourcen, die ungleich verteilt sind.

Frauen werden dringend in Tech-Branche benötigt

Analysen von McKinsey & Company zeigen, dass der Anteil von Frauen in europäischen Tech-Rollen bei rund 22 Prozent liegt. Und so liegt der Anteil von Frauen in KI-Jobs noch deutlich unter diesem Wert. Dabei betonen die Expert:innen, dass ein höherer Anteil von Frauen in Tech-Jobs eine Lösung zur Stärkung der Innovationsfähigkeit in Europa sein kann. Denn in Europa fehlen bis 2027 zwischen 1,4 bis 3,9 Millionen Arbeitskräfte in dieser Branche.


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Das Bild zeigt Nick Turley, Head of ChatGPT bei OpenAI, während eines Bühnen-Talks auf der OMR 2026 in Hamburg. Im Fokus stehen die Entwicklung von ChatGPT zu proaktiven Assistenzsystemen, AI Agents und die wachsende Bedeutung Deutschlands für OpenAI.
Gutes Beispiel für einen KI-Job: Head of ChatGPT Nick Turley auf der OMR-Bühne, © Nicolas Neumüller/OMR


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