Digitalpolitik
UK beschließt Sperrstunde für bestimmte Social Media User

UK beschließt Sperrstunde für bestimmte Social Media User

Niklas Lewanczik | 15.07.26

Zapfenstreich um 0 Uhr. Teenager ab 16 dürfen im UK künftig in der Nacht keine Social-Media-Plattformen mehr nutzen. Auch suchtgefährdende Features werden deaktiviert. Unter 16-Jährige dürfen dort bald ohnehin gar nicht mehr auf Social Media zugreifen.

Für Teenager wird der Zugang zu sozialen Medien im Vereinigten Königreich immer stärker beschränkt. Nachdem der scheidende Premierminister Keir Starmer kürzlich ein besonders strenges Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre für 2027 angekündigt hatte, legte die Regierung jüngst mit der Vorstellung einer Social-Media-Sperrstunde für Teenager nach. Zwischen 0 Uhr und 6 Uhr morgens sollen sie per Default keinen Zugriff auf Plattformen wie Instagram oder TikTok haben. Außerdem kommen massive Feature-Beschränkungen auf die älteren Teenager zu. In Deutschland wird ebenfalls über ein Social-Media-Verbot für Jugendliche diskutiert, doch viel spricht derzeit dagegen. Allerdings könnte ein neuer EU-Plan für mehr Regulation in diesem Bereich sorgen.



Die krasse Konsequenz:

Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige im UK

Person vor Laptop mit Text zum Social-Media-Verbot und Person am Smartphone auf dem Screen
© UK Government via Canva


Sperrstunde in der Nacht und kein Infinite Scroll mit personalisiertem Content mehr

In der Ankündigung des Department for Science, Innovation and Technology verdeutlicht die Regierung des Vereinigten Königreichs einmal mehr, wie streng sie die Social-Media-Nutzung junger User regulieren möchte. Die konkreten Gesetzesentwürfe für das Social-Media-Verbot sowie die neuen Einschränkungen sollen schon Ende des Jahres dem Parlament vorgelegt werden und dann im Frühjahr 2027 in Kraft treten.

Für 16- und 17-Jährige, die im UK nicht vom neuen Verbot betroffen sind, gibt es dann auch konkrete Einschnitte bei der Nutzung. Dazu gehört die Sperrstunde in der Nacht, die von Mitternacht bis 6 Uhr morgens gilt. Sie soll automatisch für alle User im betreffenden Alter aktiviert werden. Die Ministerin für Wissenschaft, Technologie und Innovationen, Elizabeth Kendall, sagte dazu:

These measures will be crucial in helping young people get the sleep they need, focus on school and college, and spend more quality time with family and friends, all of which are fundamental to building a happy, healthy and fulfilling adult life. 

Ihre Einschätzung dazu teilte sie zudem in den sozialen Medien, via X.

Neben der Sperrstunde sollen potentiell suchtfördernde Features für User im Alter von 16 bis 17 Jahren deaktiviert werden. Dazu gehören laut der UK-Regierung Autoplay-Funktionen im Infinite Scroll sowie stetig neue personalisierte Inhalte im Feed.

Our consultation provided a clear message from parents and teenagers alike – even as young people gain greater independence at 16, they should still be protected from the most addictive online features that can have a harmful impact on their wellbeing,

ergänzt Kendall. Wie genau die Regierung dafür sorgen möchte, dass diese Features per Default für die Teenager deaktiviert werden, ist noch unklar. Für die Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben werden jedoch die Tech-Plattformen selbst verantwortlich sein – und bei einer Missachtung erhebliche Strafen fürchten müssen. Das dürfte genauso für Betreiber:innen von KI-Chatbots gelten; Meta zum Beispiel bietet beides, Social-Media-Plattformen wie Instagram und Facebook und die KI-Assistenz Meta AI. Denn das UK möchte für unter 18-Jährige regelmäßig Pausen bei der Interaktion mit AI Chatbots vorschreiben. Außerdem könnten Chatbots, die nachweislich gesundheitsgefährdende Hinweise geben, von der Nutzung ausgeschlossen werden. Auch in diesem Kontext mag sich die Durchsetzung der Regularien jedoch als komplex erweisen.

Deutschland und die EU mit anderem Lösungsansatz

In Deutschland wird ebenfalls über konkrete Social-Media-Verbote für Kinder und Jugendliche diskutiert – während Länder wie Spanien, Griechenland und Co. schon konkrete Pläne verkündet haben. Der Deutsche Ethikrat sprach sich zuletzt dagegen und eher für plattformspezifische und nutzungsbedingte Einschränkungen aus. Zu einem ähnlichen Schluss kommt die EU, die jedoch ein Verbot für Kinder bis 13 Jahre auf den Weg gebracht hat. Ein solches hat ebenso Bundesfamilienministerin Karin Prien vorgeschlagen. Die unabhängige Expert:innenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“, eingesetzt von Prien, hat kürzlich 56 Handlungsempfehlungen vorgelegt, die sich mit dem Kinder- und Jugendschutz im digitalen Zeitalter befassen. Darin wird aber eher auf eine EU-weite Lösung zur Altersbeschränkung hingewiesen, während ein grundsätzliches Verbot in Deutschland nur als Notlösung gilt. Eine gesetzliche Mindestaltersgrenze von 13 Jahren soll aber im Fokus stehen.

Der Balanceakt zwischen geschützter Teilhabe der jungen Menschen – die neben Entertainment auch News und Trends, Bildung und Aufklärung via Social Media erfahren können – und strengen Restriktionen wird in Deutschland und in der EU weiterhin ein heiß diskutiertes Thema bleiben; umso mehr, da der Digitalraum mit seinen sozialen Plattformen ein Kernelement zeitgemäßer Kommunikation ist. Klar ist schon jetzt, dass die Konzerne mehr in die Verantwortung gezogen werden sollen.



EU bereitet Social-Media-Verbot für unter 13-Jährige vor

Smartphone mit Warnhinweis zu den Auswirkungen von Social Media auf die psychische Gesundheit – Symbolbild zur geplanten EU-Altersgrenze für soziale Netzwerke.
© Christopher Ott – Unsplash


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