Human Resources
Ein Job im Ausland? Zwei Drittel denken darüber nach

Ein Job im Ausland? Zwei Drittel denken darüber nach

Selina Beck | 29.06.26

Besonders Besserverdienende denken über eine Abwanderung aus Deutschland und einen Job im Ausland nach. Das liegt vor allem an zwei Gründen. Und auch die Steuern spielen eine Rolle.

Auswandern und alles hinter sich lassen: Freundeskreis, Familie und die bekannte Umgebung? 67,2 Prozent der befragten Angestellten in Deutschland können sich das für einen Job im Ausland vorstellen. 30 Prozent planen bereits ihre Auswanderung, jede:r Zehnte hat sogar schon eine Bewerbung abgeschickt. Das zeigt die aktuelle Indeed-Umfrage, bei der das Marktforschungsinstitut Appinio im Zeitraum von Anfang bis Mitte Mai dieses Jahres insgesamt 1.000 Beschäftigte im Alter zwischen 16 und 66 Jahren befragt hat.

Vor allem die Gruppe der Spitzenverdiener:innen (monatliches Haushaltsnetto von mindestens 6.000 Euro) sucht bereits aktiv nach Jobs im Ausland. 54 Prozent haben sich hierbei vor Kurzem beworben oder schauen aktiv auf dem internationalen Stellenmarkt nach Jobs. Als Gründe für die Auswanderungspläne werden zunächst die Aussicht auf bessere Gehälter mit 50,8 Prozent sowie eine Steigerung der Lebensqualität mit 50,7 Prozent angegeben. Für 41,7 Prozent sind ein angenehmeres Klima und für 41,5 Prozent die Hoffnung auf weniger Steuern interessant.


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© Andrea Piacquadio – Pexels


Kritik an zu hohen Steuern und fehlender Wertschätzung im Arbeitskontext

Mehr als 70 Prozent der Teilnehmer:innen kritisieren, dass die steuerliche Belastung in keinem angemessenen Verhältnis zum Verdienst steht und das persönliche Engagement nicht genug honoriert wird. Vor allem in der Generation der 25- bis 34-Jährigen ist die Unzufriedenheit über mangelnde Belohnung von Leistung sehr ausgeprägt. Hierbei befürchten 71,6 Prozent zudem, dass die Suche nach guten Stellen zunehmend schwerer wird. Ältere Angestellte bemängeln vor allem die hohen Steuern und Sozialabgaben.

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Überwiegend zeitlich begrenzte Auswanderungen geplant

43 Prozent der Befragten favorisieren eine Auswanderung für mehrere Jahre, während 22,5 Prozent lediglich wenige Monate anstreben. Jedoch planen 34,5 Prozent auch eine permanente Auswanderung. Die Anzahl an Jobsuchen ins Ausland hat sich auf Indeed seit 2020 mehr als verdoppelt.

Zu den Zielländern gehören die USA mit über 14 Prozent der Suchanfragen ins Ausland sowie die Schweiz und Großbritannien (jeweils über 13 Prozent). Die USA hat zuletzt jedoch deutlich an Attraktivität verloren, zeigen die Daten. Hier gab es einen Rückgang von 34 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Indien und die Vereinigten Arabischen Emirate werden beliebter

Über steigende Beliebtheit freuen sich hingegen die Zielländer Indien und die Vereinigten Arabischen Emirate (jeweils plus 24 Prozent). Auch Australien erlebt einen Aufschwung von plus zehn Prozent im Ranking. Innerhalb von Europa gewinnt das Vereinigte Königreich mit einen Zuwachs von 38 Prozent am meisten an Attraktivität für Fachkräfte.

Wunsch nach weniger Steuern und weniger Bürokratie

Als Standortvorteile in Deutschland werden dagegen das soziale Umfeld (60 Prozent), gefolgt vom arbeitsrechtlichen Schutz (47 Prozent) sowie dem Sozialsystem (34,8 Prozent) genannt.

Die Befragten würden sich für den deutschen Arbeitsmarkt vor allem weniger Steuern, mit 65,2 Prozent, und weniger bürokratische Hürden (51,5 Prozent) wünschen. Weitere 38,7 Prozent plädieren für eine verbesserte Aus- und Weiterbildung und 36,6 Prozent für eine Flexibilisierung des Arbeitsrechts. Virginia Sondergeld, Arbeitsmarktökonomin bei Indeed, sieht in den Studienergebnissen ein gesellschaftliches Warnsignal:

Zwar ist der Arbeitsmarkt in den vergangenen Jahren spürbar abgekühlt, doch diese Entwicklung sollte uns nicht vergessen lassen, dass der demografische Wandel den strukturellen Fachkräftemangel in den kommenden Jahren dramatisch verschärfen wird. Wir können es uns schlichtweg nicht leisten, dass Leistungsträger dem Standort Deutschland den Rücken kehren, weil die Rahmenbedingungen nicht mehr stimmen. Politik und Arbeitgeber sollten diese Signale ernst nehmen: Im Dialog mit den Beschäftigten gilt es, Anreize für die Arbeit in Deutschland neu zu setzen, Arbeitsbedingungen zu verbessern und Talenten so echte Gründe zum Bleiben zu bieten.


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