Human Resources
Nicht KI: Diese Entwicklung kostet Berufseinsteiger:innen die meisten Jobs

Nicht KI: Diese Entwicklung kostet Berufseinsteiger:innen die meisten Jobs

Selina Beck | 09.06.26

Der Anstieg von Remote-Arbeit seit Beginn der Pandemie hat zu höheren Arbeitslosenquoten bei Hochschulabsolvent:innen in den USA geführt. Wie diese Entwicklung zustande kommt.

KI verändert den Arbeitsmarkt und viele bangen deshalb um ihre Jobs. Doch eine aktuelle Studie zeigt nun einen anderen Grund für eine höhere Arbeitslosenanzahl bei Berufsanfänger:innen. Eine Studie der Federal Reserve Bank of New York zeigt, dass der Anstieg von Remote-Arbeit seit der Pandemie dazu geführt hat, dass viele Firmen weniger dazu bereit sind, junges und noch nicht so erfahrenes Personal anzustellen.

Dies ist in der Studie der primäre Grund für die höhere Arbeitslosenquote bei Hochschulabsolvent:innen in den USA. Ob sich die Analyse auch auf Deutschland übertragen lässt, lässt sich kaum. Jedoch sollte der Trend weiterhin beobachtet werden, um zu verfolgen, ob er sich auch in Deutschland zukünftig zeigen wird.

Die Analyst:innen schätzen, dass Remote-Arbeit 64 Prozent des Anstiegs der Arbeitslosigkeit unter Absolvent:innen erklärt. Das Problem seien demnach nicht zuvorderst KI-Tools, sondern die Verbreitung von Remote Work.

In der Studie wurden Berufe in den USA verglichen, die Home Office anbieten (beispielsweise Software-Entwickler:innen), mit Berufen, die durchgängig Präsenz erfordern (zum Beispiel Krankenpflegefachkräfte). Dabei ergab die Analyse, dass die Arbeitslosenquote bei Hochschulabsolvent:innen in Remote-Berufen zwischen 2017 bis 2019 sowie 2022 bis 2024 um etwa einen Prozentpunkt gestiegen ist. 

Die Arbeitslosigkeit zwischen jungen Absolvent:innen steigt sprunghaft über das Niveau erfahrener Beschäftigter, © Federal Reserve Bank of New York , Grafik
Die Arbeitslosigkeit zwischen jungen Absolvent:innen steigt deutlich über das Niveau erfahrener Beschäftigter, © Federal Reserve Bank of New York

Remote-Arbeit benachteiligt Berufsanfänger:innen

Während die Arbeitslosenquote der unter 29-Jährigen im untersuchten Zeitraum leicht gestiegen ist, ist sie in der gleichen Zeit bei erfahreneren Akademiker:innen gesunken. Die Alterslücke vergrößerte sich infolgedessen in Remote-Berufen. Die Analyst:innen warnen:

The high unemployment rates of young college graduates are particularly concerning because early-career experiences can have lasting consequences. For example, entering the labor market in a recession can scar a person’s career. Research finds that individuals who began looking for jobs in slacker labor markets tend to have lower earnings and slower career progression relative to comparable peers who began their job search in better market conditions.

Der relative Anstieg der Arbeitslosigkeit junger Absolvent:innen fiel mit dem Beginn der Pandemie zusammen und ist seit dieser Zeit – genau wie die Remote-Work-Quote – hoch. Die Arbeitslosenquote von Hochschulabsolvent:innen in Berufen, die durchgängig Präsenz erfordern, stieg nur leicht im Jahr 2020 und ist wieder auf ihren Anfangswert zurückgekehrt (siehe Grafik).

Altersbedingte Arbeitslosigkeit bei Hochschulabsolvent:innen, © Federal Reserve Bank of New York, Grafik
Altersbedingte Arbeitslosigkeit bei Hochschulabsolvent:innen, © Federal Reserve Bank of New York

Monitoring und Feedback fehlen

Den Expert:innen zufolge erhalten Mitarbeiter:innen im Home Office weniger Feedback und Monitorung, sodass wichtige Faktoren zur beruflichen Entwicklung fehlen würden.

The negative effects of operating remotely from one’s colleagues show up in work quality as well. When all employees functioned in isolation, those who had previously worked side-by-side with teammates, and consequently received more mentorship from their colleagues, produced better-quality output than those who had spent more time working at a distance from their teammates. 

Auch aus diesem Grund hätten Unternehmen erfahrenere Beschäftigte eingestellt, die weniger Einarbeitung und Hilfe benötigen. Nach der zurückgekehrten Präsenzpflicht hätten viele Unternehmen wieder jüngere Arbeitnehmer:innen eingestellt – jedoch nicht bei Positionen in verteilten Teams. Insgesamt würden die Analysen zeigen, dass Firmen eher bei Präsenzpflicht bereit sind, Absolvent:innen einzustellen. Hier sei es leichter, die benötigten Skills zu vermitteln.


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© Tima Miroshnichenko – Pexels


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