Social Media Marketing
Anders als Big Tech: Germ auf Bluesky zeigt moderne Messaging-Lösung

Anders als Big Tech: Germ auf Bluesky zeigt moderne Messaging-Lösung

Niklas Lewanczik | 19.02.26

Auf Bluesky können User jetzt nativ über die App in den geschützten und unabhängigen Messenger Germ DM wechseln. Das Besondere: Die verschlüsselten Nachrichten bieten eine Alternative zu WhatsApp und Co., während die Integration eine Dienstkombination widerspiegelt, die Big Tech nicht ermöglicht.

So kann Messaging auch funktionieren. Auf der X- und Threads-Alternative Bluesky können User jetzt nicht nur den plattformeninternen Chat nutzen, sondern bei Interesse auch auf die innovative Lösung Germ DM zugreifen. Diese bietet Ende-zu-Ende-verschlüsselte Chats und baut wie Bluesky auf das offene Ökosystem des AT Protocols. Auch andere Dienste können sich mit Germ verbinden, das von Tech-Expert:innen im Silicon Valley erdacht wurde. So entsteht eine ganz neue Art, Dienste unabhängig voneinander zu nutzen. Das könnte die Abhängigkeit von einzelnen Plattformen minimieren.

Was Germ DM bietet und wie es funktioniert

Das Germ Network bietet private Chats an und setzt dabei auf eine Invite-only-Basis. Das soll ebenso für Sicherheit bei der Kommunikation sorgen wie die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Gegründet von Tessa Brown, die zuvor an der Stanford University unterrichtete, und Mark Xue, der für Apple unter anderem an iMessage arbeitete, soll Germ mit dem Messaging-Dienst Germ DM eine moderne Lösung für den Nachrichtenaustausch bieten. Das Besondere ist dabei, dass die User über einen QR Code auf die Instant App zugreifen oder über mehrere editierbare Profile ihre Kommunikation mit unterschiedlichen Menschen verwalten können.

Mehrere Profile für Germ DM, © Germ Network
Mehrere Profile für Germ DM, © Germ Network

User können selbst entscheiden, wer sie findet, alle Verbindungen sind mit einem Opt-in gesichert und nicht einmal die Kontaktinformation kann von Dritten ohne eigene Einwilligung weitergegeben werden.

Während Germ DM auf diese Sicherheits-Layer setzt, ist der Gedanke hinter dem Dienst einer der Offenheit. Zwar gibt es bisher nur eine Betaversion der iOS App – eine Variante für Android soll bald folgen, „because Germ is for everyone.“ Doch die Messaging-Option ist jetzt schon in die ebenfalls offene Social-Media-Plattform Bluesky integriert. Diese basiert auf dem AT Protocol, das als offenes Netzwerkprotokoll die Verbindung verschiedener sozialer Dienste ermöglichen soll. Germ DM greift auf dieses Protokoll zu und auch die Blacksky Community unterstützt inzwischen Germ DM als Integration. Blacksky bietet ebenfalls eine Möglichkeit zur dezentralisierten Verbreitung von Feeds und Inhalten.

Neben Bluesky und Blacksky können daher auch andere über das AT Protocol ihre Dienste mit Germ DM verknüpfen. Entsprechende Richtlinien und Hinweise dafür hat das Unternehmen bereitgestellt.

The Germ DM button is supported in the blacksky.community client. Note: Germ is available on iOS but you will see this button on any device if the user has it enabled.

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— Blacksky Algorithms (@blackskyweb.xyz) 12. Februar 2026 um 22:40

Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigt Bluesky. Dort können Germ DM User einen Button im Profil ergänzen, der direkt zum integrierten Chat führt. Das hat Blueskys Head of Product Alex Benzer in einem Post erklärt. Genauso wie Germ DM mit anderen Diensten verknüpft werden kann möchte Bluesky die Verbindung zu weiteren Apps fördern, so Benzer weiter.

we just rolled out an experimental integration with @germnetwork.com, an E2E encrypted chat app that integrates with atproto. Germ users can add a button to their profile so others can message them from Bluesky. we're exploring ways to connect your profile with other apps in the Atmosphere.

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— alex benzer (@alexbenzer.com) 12. Februar 2026 um 20:23

Eine alternative Art der Social- und Chat-Nutzung, aber mit weniger Usern

Spannend ist diese Tech-Integration unter dem Gesichtspunkt, dass einzelne, auch kleinere Dienste ihre Funktionen kombinieren und offen bereitstellen, um ein Gegengewicht zu den geballten Ökosystemen riesiger Tech Player wie Meta zu schaffen. Die Verknüpfung von Diensten über das AT Protocol könnte sich als gangbare Alternative zur Nutzung von etablierten Plattformen und Diensten etablieren, die von Big Tech kontrolliert werden. Allerdings weisen Alternativen wie Bluesky und Germ DM im Vergleich deutlich weniger User auf – und bieten damit oft weniger Kommunikationspotential für Nutzer:innen und Creator. Bluesky, das immer wieder neue Features integriert, kommt auf knapp über 40 Millionen User – bei Metas Threads sind es schon über 400 Millionen. Germ DM hatte zunächst nur einige Tausend Downloads vorzuweisen, konnte nach der Ankündigung der Integration bei Bluesky und im AT Protocol aber laut eigenen Angaben auf TechCrunch die Zahl der User um das Fünffache steigern.

Noch ist Germ DM indes auf die Optimierung der eigenen Chat-Erfahrung bedacht. Künftig könnten aber bezahlte Features hinzukommen, die Power Usern mehr Möglichkeiten geben sollten. Wer Interesse an der Messaging-Erfahrung hat, kann sie via iOS App und Bluesky jetzt testen.


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Bluesky Post auf Smartphone Mockup, Wolken im Hintergrund
© Bluesky via Canva

Kommentare aus der Community

Peter am 19.02.2026 um 15:53 Uhr

Aber auch das ist wieder ein US-Unternehmen. Warum geben wir nicht dem Mastodon und Co. aus dem Fediverse eine echte Chance. Dort wird es immer unattraktiver, weil immer weniger los ist. Am Ende gewinnt ohnehin wieder WA. Interessiert es uns nicht, was mit unseren Daten geschieht? Haben wir bereits verloren? Und ich schreibe bewusst „wir“, weil ich mich keineswegs davon ausnehme.

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Niklas Lewanczik am 19.02.2026 um 16:10 Uhr

Hallo Peter,

da hast du recht, hier handelt es sich wieder um US-Unternehmen, immerhin mit einem anderen Anspruch an offene Systeme. Wir schreiben ebenso über europäische Unternehmen wie W Social, haben kürzlich etwa auch über die Coding-Agent-Alternative Mistral Vibe 2.0 geschrieben. Es gibt schon lange eine Art Say-do-Diskrepanz, nach der viele User zwar ungern ihre Daten teilen, es für die Convenience aber trotzdem tun. Und solange Megakonzerne wie Meta und Co. Milliarden User versammeln, wird es für die Konkurrenz sicher schwierig. Deswegen kann ein Blick auf viele Alternativen helfen; aus Europa gibt es indes einige spannende Projekte, aber noch wenige echte Alternativen zu populären Social-Media-Plattformen. Mastodon ist sicher eine Art Sonderfall mit der dezentralen Ausrichtung, die eben nicht allen zupasskommt.

Du triffst den Nagel mit den Fragen auf den Kopf. Die Frage nach der Datentransparenz ist aber oft nicht für die Masse der User relevant, was langfristig zum Problem werden kann.

Liebe Grüße

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