Technik

Zeit für Phygitales – Beacons weisen den Weg

Datenschützer sind nicht erfreut. Aber die Möglichkeiten, die Beacons Retailern bieten, sind zu vielfältig, als dass man sie ignorieren könnte.

© trebro | fotolia.com

© trebro | fotolia.com

Mobile wird dieses Jahr für E-Commerce ein Thema, dem man nur schwer aus dem Weg gehen können wird. Anfragen, Aufrufe und Einkäufe finden vermehrt über Mobile Devices statt, doch jeder Zweite zieht dem Internet ein reales Shoppingerlebnis vor. Mit Beacons lassen sich analoges und digitales Leben in Zukunft verschmelzen. Schon heute zeigt die Technologie, wie sie Freizeitaktivitäten und Erlebnisse revolutionieren könnte.

„Phygitale“ Shopping-Zukunft

SapientNitro untersuchte die Präferenzen von Konsumenten und fand dabei heraus, dass 53 Prozent lieber lokal shoppen gehen als Online. 81 Prozent dieser Kunden wollen im Geschäft mit ihrem Mobiltelefon interagieren und 61 Prozent würden beim Shoppen ungern auf die Nutzung eines Geräts (PC, Tablet, Handy) verzichten.

Anzeige:

Das sind vorerst gute Aussichten für den zukünftigen Einsatz von Beacons. Dieser ermöglicht aufgrund von energiesparendem Bluetooth (BLE) die direkte Kommunikation mit potentieller Kundschaft – auch wenn diese sich noch nicht im Geschäft aufhält, oder dies auch gar nicht beabsichtigt. Der Shopinhaber benötigt für diese „phygitale“ Technologie einen Beacon, der im Umkreis des Geschäftes Funksignale aussendet, während der potentielle Kunde nur ein Smartphone mit sich zu führen braucht, um via Push-Nachricht auf die neuesten Rabattaktionen, Produkte oder Events aufmerksam gemacht zu werden. Es besteht weiterhin die Möglichkeit, Kunden im Laden etwa direkt zu Sonderangeboten zu navigieren, während Stammkunden personalisierte Rabatte angezeigt bekommen und auch beacongesteuerte Führungen in Museen sind durchaus schon im Bereich des Denkbaren.

Während die meisten Beacons im Einzelhandel eine Interaktion zwischen Kunde und App erfordern, indem Informationen und Angebote gesendet werden, wenn der Kunde einen bestimmten Bereich im Geschäft betritt oder sich in der Nähe eines Angebotes aufhält, ist dies bei passiven Beacons nicht der Fall. MobileShopTalk skizziert inzwischen drei unterschiedliche Arten von Beacons:

  • active
    Opt-in: Der Nutzer hat auf seinem Smartphone eine App installiert, die das Empfangen von Push-Nachrichten ermöglicht.
  • passive
    Interaktion mit dem Smartphone, das ohne das Senden von Push-Mitteilungen auskommt. Relevante Informationen, über früheres Einkaufsverhalten etwa, werden ausgewertet, so dass von Monitoren im Geschäft für den jeweiligen Kunden relevante Videos ausgespielt werden können.
  • requested 
    Der Beacon-Sender interagiert hier nur auf explizite Nachfrage mit einem mobilen Endgerät.

Requested Beacons – gewollte Informationsabfrage

Letztere Technologie findet seit August 2014 in 36 GameStop-Filialen in den Vereinigten Staaten Anwendung. Die Beacons sind dort direkt in den Regalen für jeden Kunden sichtbar vorzufinden. Sind weiterführende Informationen zu einem Produkt gewünscht, so hat der Kunde die Möglichkeit, diese nach dem Einschalten der GameStop-App auf seinem Smartphone abzurufen, indem er es in die Nähe eines aktiven Beacons hält. Eine Ähnlichkeit zur Nutzung von QR Codes ist hier zwar vorhanden, doch ist die Anwendung von Beacons weit weniger störungsanfällig. Requested Beacons sind in der Lage relevante Nutzerdaten zu sammeln, um daraufhin personalisierten Content und Empfehlungen ausspielen zu können.

© GetElastic.com

© GetElastic

Retailer könnten durch den Einsatz von Beacons ihre Umsätze steigern, denn die Kunden ließen sich via App problemlos zu den gewünschten Produkten führen oder auf sonstige Sonderrabatte aufmerksam machen. Laut Umfrage von DisplayData sind 26 Prozent der befragten US-amerikanischen Personen der Ansicht, die Beratung im Shop wäre nicht ausreichend, weil die Verkäufer häufig schlecht über ihre Produkte informiert sind. Das könnte ein Ende haben, wenn Beacons standardmäßigen Einsatz finden.

Beacons für zukünftige Nutzung

Mit dem Beigeschmack einer Vorreiterposition integriert die US-amerikanische Supermarktkette Marsh bereits heute iWatch-ready Beacons in allen 75 Filialen – und das, obwohl Apple die iWatch erst für den Frühling angekündigt hat. Die dazugehörige App hat längst 33 Millionen aktive User. Zukünftige Besitzer einer iWatch erhalten so etwa Angebote und Rezepte und können in der App auch eine Einkaufsliste erstellen.

Apple ließ bereits alle seine Stores in den USA mit Beacons ausstatten, während das Hamburger Start-Up Yoints hierzulande eine Art Bonussystem für Nutzer seiner App einführen will, die beim Betreten eines Geschäftes Punkte sammeln, und diese später gegen Prämien eintauschen können. Dafür will das Unternehmen mit Einzelhandelsketten zusammenarbeiten und hat bereits den Hamburg Airport mit der Technologie ausgestattet.

Es wird jedenfalls spannend bleiben, die Entwicklungen hinsichtlich des Einsatzes von Beacons weiterhin zu beobachten. Denn das Potential ist groß – ob es ausreicht für einen Durchbruch zur Phygitalisierung, wird die nahe Zukunft zeigen.

Quelle: GetElastic

Über Tina Bauer

Tina Bauer

Studierte Sozialwissenschaftlerin mit Hang zu Online und Marketing. Seit Ende 2014 als Redakteurin & Content Managerin bei OnlineMarketing.de.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *