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Google+: Wie wahrscheinlich der prognostizierte Tod des sozialen Netzwerkes wirklich ist

Viele Seiten behaupten, das Netzwerk sei am Ende. Neue Studien haben die “Geisterstadt” untersucht und ihr trotz aller Unkenrufe mehr Vitalität zugesprochen.

© Flickr / Kevin Dooley, CC BY 2.0

© Flickr / Kevin Dooley, CC BY 2.0

Schon seit dem Launch im Juni 2011 hat Google+ einige Fans, aber doch deutlich mehr Kritiker. Unzählige Artikel sagten schon ab 2012 mit Titeln wie „So tot ist Google+ wirklich“ den Untergang des Social Media-Kanals längst voraus. Doch es ist wie so oft im Leben: Totgesagte leben länger!

Steiler Start von Google+

Anfänglich sah alles gut aus: Google legte mit seinem neuen Social Media-Dienst einen Raketenstart hin und schaffte es, binnen eines halben Jahres 90 Millionen User aufzubauen – für dieselbe Leistung brauchten Facebook und Twitter dreieinhalb beziehungsweise drei Jahre. Der Fairness halber muss allerdings eingestanden werden, dass dafür vor allem drei Faktoren verantwortlich waren:

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  • Facebook und Twitter hatten den Weg für Social Media bereits geebnet.
  • User, die YouTube, Drive, Photos oder andere Google-Dienste kostenfrei und einfach nutzen wollten, mussten im Gegenzug ein Google+-Profil anlegen.
  • Google zahlte jedem vierten Mitarbeiter im Jahr der Gründung einen attraktiven Erfolgsbonus – eine motivierte Belegschaft kann für ein schnelles Wachstum hilfreich sein.

Insbesondere der zweite Punkt macht auf dem Hintergrund der Ergebnisse aktueller Studien nachdenklich. Denn auch wenn der Dienst aktive Nutzer hat, scheint es ihm nur in geringem Umfang zu gelingen, seine User zu erwähnenswerten Aktivitäten zu motivieren.

Geisterstadt – oder doch nicht?

Sehen wir uns genauer an, ob es sich bei Google+ wirklich um eine „Geisterstadt“ handelt, wie so oft behauptet wird. Die Zahlen sprechen hier eine deutliche Sprache. Hierzu befragte GlobalWebIndex weltweit fast 84.000 Internetnutzer. 60 Prozent davon gaben an, ein Google+-Konto zu besitzen, doch gerade einmal 21 Prozent nutzen es tatsächlich aktiv. Und selbst jene bleiben deutlich hinter der Aktivität der User anderer Social Media-Kanäle zurück. Das Marketingunternehmen Stone Temple Consulting bereinigte im Rahmen einer Studie die Aktivitäten der User um automatisch generierte Einträge durch YouTube-Kommentare und -Shares sowie Änderungen am Google+-Profil. Zu Tage gefördert wurde:

  • 91 Prozent der Google+-Accounts sind komplett leer und ohne einen einzigen Eintrag.
  • Pro Monat gibt es auf Google+ rund 16 Millionen Posts.
  • Mehr als 50 Posts pro Monat gab es im Erhebungszeitraum nur bei 106.022 Usern, mehr als 100 sogar nur bei 53.267 Accounts (= 0,002 Prozent aller Nutzer).

Sieht man sich Facebook an, werden die Unterschiede schnell deutlich: Vier von fünf Internetnutzern haben einen Account bei Facebook und stolze 42 Prozent sind dort aktiv, also rund die Hälfte. Bei Facebook werden alleine pro Tag (!) 400 Millionen Fotos  und 4,75 Millionen weitere Inhalte geteilt. Der durchschnittliche Facebook-User postet 90 Mal pro Monat.

Google+ hat es offenbar trotz der hohen Nutzerzahlen nicht einmal annähernd geschafft, Facebook einzuholen. Dennoch kann der Dienst für einige Nutzer eine sinnvolle Ergänzung ihres Portfolios darstellen.

Andere Länder, andere Präferenzen?

Weder die USA noch Deutschland sind für den Erfolg von Google+ zwingend ausschlaggebend. Wichtiger ist der Dienst nämlich offenbar für schnell wachsende Märkte, in denen überwiegend junge, wohlhabende Städter leben, will man GlobalWebIndex Glauben schenken. 80 Prozent der indischen Internetnutzer haben einen Google+-Account, davon rund die Hälfte aktiv. Ähnliche Werte finden sich für Thailand, Mexiko, Südafrika, Malaysia und vergleichbare Länder. Zudem gibt es zahlreiche Nischenthemen, die auf Google+ stark vertreten sind.

Unabhängig von den gesamten Nutzerzahlen muss daher immer eine Einzelfallbetrachtung stattfinden. Prüfe, ob sich deine Zielgruppe oder dein Markt dort aufhält und aktiv ist. Ist das der Fall, können dir die anderen 99 Prozent der User und deren Aktivität egal sein – für dich wird es sich lohnen, dort regelmäßig zu posten.

Dass Google+, wie oftmals behauptet, bald aufgegeben wird, ist übrigens unwahrscheinlich. Alleine die nützlichen Informationen, die Google durch den +1-Button erhält sowie die allgemein große „Datenkrake“ Social Media verschafft Google wichtige Impulse für seine Arbeit, auf die das Unternehmen sicherlich vorerst nicht verzichten kann. Dass dem Dienst aber demnächst einige grundlegende Änderungen bevorstehen könnten, scheint immer wahrscheinlicher.

Was denkst du, ist Google+ eine sinnvolle Option für dein Marketing oder ist der Dienst für dich buchstäblich bereits gestorben?

Quelle: Socialmediaexaminer.com

 

Über Sabine Hutter

Sabine Hutter

Sabine Hutter arbeitet seit 2008 als Online-Redakteurin und Texterin. Als Betriebswirtin und Personalerin schreibt sie bevorzugt über Themen rund um das Personalwesen sowie aus dem Online Marketing.

4 Gedanken zu „Google+: Wie wahrscheinlich der prognostizierte Tod des sozialen Netzwerkes wirklich ist

  1. Torsten

    Ich bin skeptisch, was die Zukunft von Google+ angeht. Mir gibt es zu wenig Innovation für die Anwender, immer noch keine brauchbare, freie API für Entwickler und viele Einschränkungen für Seitenbetreiber bzw. Unternehmen.

    Die Abspaltung einzelner Bestandteile lassen die Vermutung das Tafelsilber zu retten, glaubhaft erscheinen. Und Wave oder Buzz wurden auch einfach mal eben zu gemacht …

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  2. Isabel

    Meiner Meinung nach wäre es sehr schade, wenn der Dienst irgendwann komplett eingestellt werden würde. Es gibt auf Google+ zwar auch ein paar Forentrolle, aber nicht ganz so schlimm wie auf Facebook. Der Umgangston ist viel freundlicher, fast schon “seriöser”.

    Ich persönlich nutze Google+ hauptsächlich nur, um mich mit Nachrichten zu versorgen – aber auch nur neben Google News und Twitter.

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  3. Blecke

    Google Plus konnte ich meinen Kunden bisher immer nur als nettes “Sahnehäubchen” zum Google Business Eintrag empfehlen. Die Besuchs- und Interaktionsraten sind selbst bei gut bekannten Marken unterirdisch und für den größten Teil der breiten Internetnutzerschaft spielt Google Plus überhaupt keine Rolle. Von den Facebook Fans sind max. 5% auch auf Google Plus aktiv. Ähnlich sieht es allerdings auch mit deutschen Twitter Nutzern aus. Lieschen Müller ist nicht dabei…

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  4. Trajan Tosev

    Ich glaube, Google+ wird so etwas wie Tumblr oder reddit – es wird immer ein harter Kern von Usern bleiben (wenn Google die Plattform nicht ganz dicht macht), aber Google+ wird aus dem Mainstream verschwinden und fürs Social Media Marketing praktisch unbrauchbar sein. Und das sagt ein Google+ Fan :) 

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