Design

Mit Regeln brechen: Die wichtigsten Webdesign Trends 2019

In 2019 durchbrechen wir vorgegebene Regeln und werden experimentell, aber auch nützlich.

© NordWood Themes - Unsplash

Das Web entwickelt sich schnell und mit ihm seine Designtrends. Waren Websites früher noch überwiegend funktional gestaltet, ist es mit den Jahren immer wichtiger geworden sich mit dem Webdesign von anderen abzuheben. Doch visuelle Trends ändern sich schnell. In diesem Jahr wird mit Regeln gebrochen.

Denken Sie groß – das Jahr wird bunt, knallig und disruptiv

Dieses Jahr wird es retro, knallig und oder lean –  je nach dem. Die diesjährigen Designtrends sind vielversprechend: Noch immer stehen retro und der cleane Skandi Chic hoch im Trend, doch auch die Popkultur erhält weiter Aufwind. Diese übergeordneten Trends spiegeln sich auch im Webdesign wider. In diesem Jahr wird vor allem eines: Mit Regeln gebrochen.

Website Fonts 

Grundsätzlich erfreuen sich Typographien, insbesondere große Lettern, ob mit oder ohne Serifen, nach wie vor starker Beliebtheit. Hier zeichnen sich neben den obligatorischen Fonts dieses Jahr aber auch Stilbrüche ab. Schrift findet vermehrten Einsatz als Stilmittel auf Websites.

#1 Fett und inhaltslos

Was Fonts angeht wird es dieses Jahr fett und leer. Während anderswo weiterhin auf Sans Serif oder individuelle Schreibschriften gesetzt wird, schleichen die ersten kaum merklich bereits mit Outline Fonts um uns herum. Was auf den ersten Blick irgendwie halbgar erscheint, hat durchaus Potential sich in den Kopf zu brennen. Outlines sind ein Eyecatcher und verleiten den Betrachter zum Verweilen, den Linien zu folgen, bis sich Wörter bilden.

#2 Grenzen austesten 

Designer setzen berufsbedingt Trends und das bedeutet, sich auch mal kritischen Blicken auszusetzen. Eigentlich gelten bei Fonts seit jeher strenge Regeln. Doch jeglicher Fortschritt ist unweigerlich mit dem Aufweichen von Grenzen verbunden. Die Designer der schwedischen Werbeagentur Kurppa Hosk setzen zwar nicht auf total abgefahrene Schriftarten, doch fährt der Besucher mit dem Coursor über die Schrift, löst sich diese in einer tanzenden Explosion auf.  Das ist toll, weil es minimalistisch und gleichzeitig hochdynamisch ist.

Explodierende Schrift zur Begrüßung gibt’s bei Kurppa Hosk. © Kurppa Hosk

Etwas weiter noch treibt es Arche68, ein französischer Retailer. Statt des derzeit populären und schon immer umstrittenen Burger Menüs, setzt man auf ein überladenes Bild mit riesigen Lettern. Auf der Startseite wird der Besucher von einem an ein überdimensionales Zahlenschloss – nur aus Buchstaben – erinnernden, rotierenden Menü begrüßt. Das ist insofern herausfordernd, als dass der Besucher anfangs Orientierung sucht, doch lässt die Website einen Fixpunkt vermissen. Wir finden das kreativ, aber schwierig zu erfassen.

Weg vom elenden Burger Menü mit einem disruptiven Erscheinungsbild. © Arche68

Website Layout

#1 Leerraum

Der großflächige Einsatz weißen Raumes lässt eine Website clean und übersichtlich wirken. Als Architekt weiß der Australier Daniel Boddam verschiedene Flächen miteinander zu kombinieren, deren Wirkung sich allein durch die gegenseitige Anwesenheit voll entfalten kann. Mit dem Verzicht auf einen Website Header und dem Einsatz großer, leerer Flächen wird der Fokus automatisch auf das Wesentliche gelenkt. Auch hier hat der Webdesigner auf das populäre Burger Menü verzichtet und sich stattdessen für drei reduzierte Menüpunkte entschieden.

#2 Inklusion

Das Netz wird barrierefreier und das ist auch gut so. Hatten Nutzer mit Handicap lange Zeit nur beschränkten Zugang zum Netz, legen Websitebetreiber inzwischen mehr Wert darauf, diese in ihr Angebot zu integrieren und ihre Seiten beispielsweise für Screen Reader zugänglich zu machen. So kann Barrierefreiheit auch zum trendigen Designelement werden und sollte andere motivieren auf den Zug aufzuspringen. Das tut uns allen gut. Ob starke Kontraste, große und vor allem lesbare Schriften oder ein stringentes Layout – gefragt ist, was dabei unterstützt, das Netz für jeden zugänglich zu machen.

#3 Retro Ästethik 

Die Ästhetik längst vergangener Epochen kann durchaus ihren Reiz ausüben und sie zurück ins Diesseits befördern. Die Achtziger waren bunt, laut, schräg und in der Lage die Grenzen des guten Geschmacks niederzureißen. Doch das war es noch lange nicht. Wer dachte, schräge Farbkombis auf Jogginganzügen gehören der Vergangenheit an, wird seit langem eines Besseren belehrt – dazu langt ein Blick auf Berlins Straßen. Auch im Web sieht es ähnlich aus. Statamic, CMS-Anbieter für Freelancer, bildet genau das ab: Wer die Seite öffnet, der wird von einem pink-orangem Header empfangen. Alt, aber trendy, ein echter Eyecatcher und somit ziemlich fancy.

© Statamic

Generell bewegen wir uns designtechnisch seit einiger Zeit zurück ins 20. Jahrhundert. So bildet kein Trend so gut wie der aktuell populäre Skandi den Chic der Sechziger- und Siebzigerjahre ab. Und weil die Vergangenheit sich gerade sehr gut in unseren Wohnzimmern macht, findet er auch seinen Weg ins Webdesign. Die Seite von Great Jones, US-amerikanischer Kochutensil-Shop, ist nicht nur interiormäßig in den Siebzigern, auch typographisch und farblich ist das Webdesign auf die Zeit abgestimmt und lässt uns beim Anblick zufrieden in unsere Eames Chairs sinken.

© Statamic

#4 Fotocollage

Große Lettern aus Zeitungen ausgeschnitten, Bilder von Personen ausgeschnitten und auf anderen Bildern festgeklebt – wer findet, das klingt wie ein Projekt aus der Kindergartenzeit, liegt gar nicht mal so falsch. Doch dürfen wir uns hier auf Collagen aus professionellen Händen freuen, die unsere Websites hoffentlich bald füllen. Moderne Fotocollagen wirken überladen, schrill und DIY. Sie ziehen große Aufmerksamkeit auf sich, denn sie kommen nicht 0815 als übergroße Header daher, sondern fügen sich in monotone Flächen und entfalten erst so ihre Wirkung.

Fotocollagen entfalten sich in einem reduzierten Umfeld. © drip

#5 Organische Elemente

Gerade Linien und geometrische Formen werden allmählich abgelöst von fließenden, organischen Elementen, die weniger Kreisen oder Quadraten, sondern Klecksen oder Schnipseln ähneln. Den Trend gilt es zu beobachten.

Organische Formen sind 2019 angesagt. © Mawla

Bühne frei für Experimente und Nützliches

In diesem Jahr bewegen wir uns allmählich weg vom Flat Design der vergangenen Jahre und testen bisherige Grenzen aus. Es wird experimenteller, Regeln werden durchbrochen und wir dürfen uns auf Websites freuen, die allein durch ihr Layout Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Doch insbesondere für Menschen mit Handicap ist die Zeit gekommen, denn das Netz wird dank des technologischen Fortschrittes in vielen Bereichen barrierefreier, so dass sich Inhalte auch mit Hilfsmitteln konsumieren lassen.

Über Tina Bauer

Tina Bauer

Studierte Sozialwissenschaftlerin mit Hang zu Online und Marketing. Seit 2014 als Redakteurin & Content Managerin bei OnlineMarketing.de.

2 Gedanken zu „Mit Regeln brechen: Die wichtigsten Webdesign Trends 2019

  1. Phil

    Sorry Tina, das ist Käse. Arche68 und Greatjonesgoods sind schlichtweg unbenutzbar. Usability und der Grundsatz „Don’t Make Me Think“ werden völlig ignoriert. Ein Blick auf den SI (Sichtbarkeitsindex) sagt auch alles über das Thema „Disruptives Desgin“ und SEO: Es funktioniert nicht. Weil wichtige SEO Regeln missachtet werden (z.B. „Above the fold“) und der User genervt aufgibt. Solche Seiten sind hübsche bunte Vögel, die sich selbst genug sind (oder sein müssen), aber keine effektiven Arbeitstiere.
    Wer sich mit den Grundlagen des Webdesign auseinandersetzen will, fängt am besten bei Jakob Nielsen an – und zwar bei den Artikeln ab ungefähr 1997. Einige Lesetipps: „How Users Read on the Web“ (1997), „The Ten Most Violated Homepage Design Guidelines“ (2003), „10 Good Deeds in Web Design“ (1999).

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    1. Tina BauerTina Bauer Artikelautor

      Hi Phil,

      danke für die Leseempfehlung! Du hast recht, die Usability ist da leider etwas vernachlässigt worden.

      Lieben Gruß
      Tina

      Antworten

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