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Teure Restaurant-Kritik: Bloggerin zu 1.500 Euro Strafe verurteilt

Aufgrund ihres hohen Google-Rankings musste eine französische Bloggerin eine Geldstrafe zahlen und den Titel ihres Blogeintrags ändern.

© mstaniewski - Fotolia.com

Eine französische Bloggerin wurde zu einer Geldstrafe von 1.500 Euro verurteilt und muss die mit 1.000 Euro dotierten Gerichtskosten zahlen. Der Grund: Eine negative Restaurant-Kritik, die zu weit oben in den SERPs bei Google rankte.

Die Kritik

Caroline Doudet betreibt den Blog Cultur’elle und schreibt über diverse Themen wie Bücher, Filme oder Mode mit einer Leserschaft von rund 3.000 überwiegend weiblichen Interessenten. Im August 2013 verfasste sie für ihre Leser außerdem eine Kritik über das „Il Giardino“, ein italienisches Restaurant im Süden Frankreichs an der Atlantikküste beim Cap-Ferret. Der Original-Beitrag ist unter dieser Adresse erreichbar und trug den Titel: „L’endroit à éviter au Cap-Ferret : Il Giardino“ (Der Ort, den man am Cap-Ferret meiden sollte: Il Giardino). Darin beklagte sie sich nach einem Besuch über den miserablen Service und das schlechte Essen. Ihre Schlussfolgerung: „Un restaurant où nous n’irons plus parce que la patronne se prend pour une diva“, zu Deutsch: „Ein Restaurant, wo wir nie wieder hingehen werden, weil sich die Besitzerin für eine Diva hält.“

Original-Kritik: Il Giardino

Screenshot des Beitrags via Internet Archive

Das Urteil

Eigentlich ist eine negative Kritik auch für die besten Restaurants nicht besonders außergewöhnlich, nur rankte Doudet mit ihrem Beitrag auf dem vierten Platz der Googe-Suche nach dem Keyword „Il Giardino“. Dies nahm die Besitzerin der Pizzeria zum Anlass und zog vor Gericht. Der französische Richter entschied letztendlich, dass die Blog-Betreiberin nicht nur den Namen des Restaurants aus dem Titel des Blogeintrags entfernen sollte, sondern auch noch eine Geldstrafe in Höhe von 1.500 Euro an die Pizzeria zahlen musste. Die Gerichtskosten von 1.000 Euro trug ebenfalls Doudet. Die Anklage forderte ursprünglich das Löschen des Posts, dem die Französin im Nachhinein der Einfachheit halber nachkam.

Die Folgen

Was resultiert aus dem Urteil des französischen Richters? Der Fall wird wohl kaum als Präzedenzfall dienen, doch für die Blogbetreiberin, die sich vor Gericht selbst vertrat, ist es trotzdem eine harte Entscheidung. Zudem wurde sie letzten Endes nicht wegen ihrer Kritik, sondern aufgrund des Google-Algorithmus bestraft. BBC zitiert Caroline Doudet wie folgt:

This decision creates a new crime of ‚being too highly ranked [on a search engine] ‘, or of having too great an influence. What is perverse, is that we look for bloggers who are influential, but only if they are nice about people.

Die Besucher des Restaurants scheinen darüber hinaus ihrer Meinung zu sein, denn bei Google Plus findet sich bei 200 Berichten eine Wertung von durchschnittlich 1,3 Sternen – die neuesten allesamt negativ. In Revision wird Doudet allerdings nicht gehen, da ihr der Prozess schon genug Kummer bereitet habe.

Google+: Il Giardino

Google+ Eintrag des Il Giardino

Quelle: BBC

Über Anton Priebe

Anton Priebe

Anton Priebe ist Redaktionsleiter und seit Ende 2013 bei OnlineMarketing.de aktiv. Der studierte Germanist und Soziologe fokussiert sich auf Technologie, kreative Marketingstrategien und SEO. In seiner Freizeit klettert Anton gerne Wände hoch, bereist die Welt und freut sich über gutes Essen oder neue Musik.

2 Gedanken zu „Teure Restaurant-Kritik: Bloggerin zu 1.500 Euro Strafe verurteilt

  1. Michael

    Bessere wäre es gewesen, wenn sie in Revision gegangen wäre… das kann man doch so nicht stehen lassen. Damit hat sie letztlich niemanden einen Gefallen getan, schon gar nicht all den anderen Bloggern.
    Und dann auch noch ohne Anwalt losgezogen…? Naiv oder zu siegessicher?
    Leider eine leichte Beute für die Gegenseite und ein unnötiger Sieg für die Fraktion „Internet = Neuland“.

    Antworten
  2. Martin

    Dann sollte man an dieser Stelle vielleicht ein Zeichen setzen und dem Restaurant für dieses Vorgehen gleich noch ein paar negative Berichte reindrücken. Wer andere für freie Meinungsäußerung bestrafen lässt, gehört selbst auch gestraft.

    Antworten

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