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Standortdaten als Signal: So könnte Google in Zukunft Unternehmen bewerten

Haben Bewertungen schon bald ein Haltbarkeitsdatum? Ein Patent Googles offenbart spannende Ansätze, um Reviews zu gewichten.

© Jamie Dench - Unsplash

Viele Bewertungen im Netz sind nicht mehr zeitgemäß. Ein Google Patent eröffnet Wege, um die Qualität von Unternehmen aktueller einzuschätzen. Eine wichtige Rolle dabei spielen Standortdaten.

Die Schwierigkeiten mit Online-Bewertungen

Online-Bewertungen gelten heutzutage als kritisches Signal, um Entscheidungen zu treffen. Das gilt auch für Besuche in verschiedenen Lokalitäten wie Restaurants, Friseure, Fachhandlungen oder Supermärkte.

Es ergeben sich jedoch zwei Probleme mit Bewertungen:

  1. Die wenigsten Besucher schreiben überhaupt eine Bewertung.
  2. Die meisten Bewertungen sind veraltet und spiegeln nicht mehr den aktuellen Standard wider.

So könnte ein Restaurant beispielsweise schon lange neue Köche eingestellt oder eine Buchhandlung vor Jahren den Besitzer geändert haben. Der Service bleibt in diesen Fällen selten gleich, sondern wird besser oder schlechter. Ein User, der einst eine Bewertung für ein Business abgegeben hat, wird diese nicht auffrischen. Falls die Qualität nicht mehr stimmt, sucht er eher nach Alternativen.

Googles Patent zeigt mehrere Wege auf, um Bewertungen aktuell zu halten

Genau hier setzt ein Patent von Google an, das im US Patent & Trademark Office öffentlich einsehbar ist und das Bill Slawski auf SEO by the Sea eingehend diskutiert. Die Entwickler stellen in dem Schriftstück verschiedene Möglichkeiten vor, um Bewertungssysteme im Allgemeinen besser zu machen. Dabei kommt der Location Data, also standortbezogenen Daten, eine entscheidende Bedeutung zu. Denn diese Standortdaten liefern einen großen Pool an Informationen, die in die Bewertung von Unternehmen mit einfließen könnten.

Die Skizze des Systems, Quelle: United States Patent and Trademark Office

Ein mögliches Szenario, das in dem Patent auftaucht, beschreibt die Erstellung individueller Bewegungsprofile der User. Die Orte, die ein User aufsucht, werden als unterschiedliche POIs (Points of Interest) klassifiziert. Sollte ein POI nun nicht mehr angesteuert werden, könnte das als negatives Signal gewertet werden. Soll heißen: Wenn eine Person auf einmal den Friseur wechselt, spricht das gegen den bisherigen und für den neuen. Die zuvor positiv abgegebene Bewertung könnte nun an Gewicht verlieren. Der neue Dienstleister hingegen könnte davon profitieren.

Ausgewählte weitere Ideen:

  • User bekommen die gesammelten Informationen vorgelegt und entscheiden selbst, ob sie so stimmen oder abgeändert werden müssen.
  • Faktoren wie Umzüge oder generell sinkendes Interesse am Ausgehen wirken sich nicht negativ auf die POIs auf.
  • User werden darauf aufmerksam gemacht, einst abgegebene Bewertungen zu aktualisieren.
  • Bewertungen bekommen ein Verfallsdatum, ab dem deren Signal für Suchmaschinen oder andere Plattformen schwächer wird.
  • Besuchen viele Personen einen POI, ist das ein gutes Signal für das ensprechende Business, auch wenn ein User abspringt. Wird der Besucherstrom jedoch insgesamt weniger, sinkt das Rating.

Location Data als generelles Signal für Offline-Stores

Spinnt man diesen Faden weiter, könnten Besuche allgemein als Indikator für guten Service gelten, der sich im Netz auf die Bewertung eines Unternehmens auswirkt. Die Argumentation Googles ist zunächst nicht wasserdicht, zeigt jedoch eine richtige Idee auf. Denn Unternehmen haben es sehr schwer, Bewertungen zu generieren. Es hat sich in den vergangenen Jahren gar eine ganze Industrie darum aufgebaut, die Anreize liefert, damit Nutzer Reviews geben.

Auf der anderen Seite bleiben Bewertungen – einmal geschrieben – ewig bestehen, verlieren an Aktualität und haben doch noch immer Einfluss auf die Entscheidungen der Menschen. Andere sind aus einer Laune heraus entstanden und geben keinesfalls einen Gesamteindruck wieder. Neuere Bewertungen, unterstützt mit Standortdaten, klingen nach einem vernünftigen Ansatz, um dieses Verfahren zumindest für Offline-Shops zu ändern.

Über Anton Priebe

Anton Priebe

Anton Priebe ist Redaktionsleiter und seit Ende 2013 bei OnlineMarketing.de aktiv. Der studierte Germanist und Soziologe fokussiert sich auf Technologie, kreative Marketingstrategien und SEO. In seiner Freizeit klettert Anton gerne Wände hoch, bereist die Welt und freut sich über gutes Essen oder neue Musik.

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