Social Media Marketing

Stabile Nutzerzahlen, steigender Umsatz: Snapchat ist wieder im Spiel

Snapchat kann seine Nutzer wieder halten und Anzeigenkunden glücklich stellen. Nun will die Plattform in den Ausbau und seine Zukunft investieren.

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Nachdem es seit dem Börsengang kontinuierlich bergab ging mit Snap, verzeichnet das Unternehmen jetzt erstmals eine Stabilisierung seiner Nutzerzahlen und ist auch mit gesteigerten Umsätzen auf dem Weg zu einem profitablen Unternehmen.

Mehr Investitionen in den Ausbau der Plattform

Genau genommen hat Snapchat noch immer einen leichten Rückgang an Nutzern zu beklagen, doch die Zahlen haben sich von 187 Millionen (2017) auf 186 Millionen (2018) eingependelt. Somit ist von einem nennenswerten Nutzerrückgang eigentlich nicht zu sprechen. Auch Werbetreibende haben die Plattform längst nicht abgeschrieben: Die Werbeumsätze sind in Q4 um 36 Prozent auf 390 Millionen US-Dollar gestiegen, während der Jahresumsatz mit einem Zuwachs von satten 43 Prozent auf 1,2 Milliarden US-Dollar zu Buche schlägt. Und auch der Umsatz pro User kann sich sehen lassen, denn dieser stieg um ganze 37 Prozent an.

We are substantially closer to achieving profitability,

so Snap CEO Evan Spiegel während der Vorstellung des Quartalsberichtes am vergangenen Dienstag.

Weiterhin setzt Snap viel auf die Entwicklung des Premium Contents in Discover – der Sektion, die Brands und Celebrities vorbehalten ist. Insbesondere die kreativen unter den Werbetreibenden überzeugt das Format mit den sechssekündigen Ads, die sich nicht überspringen lassen, meint Spiegel. Wieviel Prozent des Gesamtumsatzes Snap mit Discover generiert, hat das Unternehmen derweil nicht angegeben. Doch sieht Spiegel eine ständige Fortentwicklung des dort distribuierten Markencontents, der gut mit dem Nutzerverhalten resoniert: So ist der Anteil an Nutzern, die den professionell erstellten Content im Entdecken-Bereich Snapchats täglich konsumieren, um 30 Prozent gewachsen. Um die Anzahl weiterhin kontinuierlich zu steigern, will das Unternehmen mehr in eine Personalisierung der Inhalte investieren und auch den E-Commerce weiter vorantreiben.

Auch Snaps Self-serve Plattform für Marketer wurde in der Vergangenheit verbessert und ermöglicht nun das Bidding auf spezifischere KPIs wie Käufe, App Installs oder Sign-ups. Die Gesamtimpressions auf der Plattform sind im Vergleich zum Vorjahr um 139 Prozent gestiegen und auch die Anzeigenpreise steigen kontinuierlich.

Um die angestrebten Ziele zu erreichen und noch enger und besser mit Werbetreibenden zusammenarbeiten zu können und das weitere Wachstum sicherzustellen, hat Snap sein Salesteam neu strukturiert und in Bereiche nach Branchen aufgeteilt.

Das Facebook-Imperium bröckelt – neue Chance für Snap?

Es ist eine leichte Tendenz wahrnehmbar, dass die Zeit des häufig totgesagten Snapchats noch nicht vorüber ist. Da sind zum einen die nahezu gleichbleibenden Nutzerzahlen im Jahresvergleich. Zum anderen, und das wiegt wesentlich mehr, ändert sich das Nutzerverhalten bezüglich sozialer Netzwerke. Einst von Snapchat quasi erfunden, haben flüchtige Inhalte auch dank erfolgreicher Kopien des blauen Riesen etwa extrem an Zuwachs gewonnen. Der Facebook-Konzern befindet sich jedoch seit Längerem in der Krise, Facebook hat mit einem starken Reputationsverlust und einer nicht nur darauf basierenden Abwanderung von Nutzern zu kämpfen. Junge Zielgruppen nutzen das Dino-Netzwerk gar nicht mehr und steigen direkt bei Instagram oder Snapchat ein. Und während Instagram öffentlichkeitswirksam immer neue Erfolge feiert, hört man Endnutzer bereits leise stöhnen bei der kontinuierlichen Zunahme werblicher Inhalte auf der Plattform. Jeder fünfte Beitrag im Feed ist eine Anzeige, bei den Stories ist es noch schlimmer: Auf jede dritte organische Story folgt eine Anzeige. Zusätzlich sprießen mehr und mehr Markenaccounts wie Pilze aus dem Boden, so dass Instagram auch organisch voll werblich penetriert wird. Den wachsenden Unmut der Nutzer darüber kann Snapchat durchaus für sich nutzen und es in Zukunft vielleicht besser machen als der in der Vergangenheit doch sehr ideenlose Mitbewerber. Wer weiß, vielleicht gelingt es Snap den Spieß wieder umzudrehen.

Über Tina Bauer

Tina Bauer

Studierte Sozialwissenschaftlerin mit Hang zu Online und Marketing. Seit 2014 als Redakteurin & Content Managerin bei OnlineMarketing.de.

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