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Marketing Coup: Wie Oslos Stadtmarketing kurzerhand Touristen aus dem überlaufenen Paris klaute

Zwei neuseeländische Touristen wollten sich die Mona Lisa anschauen und rechneten nicht mit einer völlig von Touristen überlaufenen Stadt. Ein Bild auf Instagram verhalf ihnen zu einem gratis Kurzurlaub in Oslo.

Screenshot, © Visit Oslo

Beim Städtetrip nach Paris haben Sam und Marela aus Neuseeland ihr blaues Wunder erlebt. Als sie sich im Louvre die Mona Lisa anschauen wollten, erwartete sie eine derart große Horde selfieschießender Touristen, dass sie sich das Bild nicht einmal in Ruhe anschauen konnten. Ein Foto dieser skurrilen Situation postete das Paar auf Instagram, woraufhin sich Oslo Tourism einschaltete und die beiden kurzerhand mit einer ziemlich ungewöhnlichen Aktion abwarb.

Paris ist überlaufen? Oslo kann auch was.

Nach dem langen Anstehen in der Schlange vor den vielzähligen Pariser Touristenattraktionen will man sich nicht auch noch durch einen Menschenwulst schlagen müssen, um an das ersehnte Ziel zu gelangen. Genauso ist es Sam und Marela aber gegangen – ihrem Missmut ließ das Paar auf Instagram mit ein wenig Sarkasmus freien Lauf. Anstelle eines romantisierenden Fotos der Mona Lisa veröffentlichte Marela eines, das die Situation vor dem begehrten Bild zeigt. Und das ist desillusionierend.

“Self(absorbed)ies with Mona Lisa” titelte Marela dieses Bild aus dem Louvre, worauf Visit Oslo aufmerksam wurde. © Marela Glavaš | Instagram

Als die Oslo Brand Alliance, zu deren Verbund auch Visit Oslo gehört, diesen Vacation Fail auf Instagram entdeckt hatte, lud man die Neuseeländer kurzerhand in Norwegens Hauptstadt ein. Dabei ist Marela kein klassischer Influencer – mit ihren knapp 170 Followern kann allenfalls von einem Macro Influencer gesprochen werden. Aber darum geht es auch gar nicht. Denn die Aktion war auch ohne große Reichweite so aufmerksamkeitsstark, dass Medien weltweit darüber berichteten. Der Post passte schlichtweg zu einer Idee des Stadtmarketings, die “The Great Escape” getauft wurde. Oslo machte es sich damit zum Ziel, Touristen aus überlaufenen Städten zu “retten”. So warb die Stadt die frustrierten Neuseeländer nicht nur ab, sondern machte sie direkt zum Mittelpunkt der Initiative.

Kultur und Sehenswürdigkeiten gibt es auch in anderen Metropolen – auch ohne Millionen Touristen

“We have The Scream by Edvard Munch, which is the world’s other famous painting, and we have a lot of space. Over-tourism isn’t a problem in Oslo. We decided to save the couple from Paris”, so Visit Oslo Communications Manager Katrine Mosfjeld gegenüber dem norwegischen Magazin Kampanje.

Das Video, das Visit Oslo zur Kampagne drehte, und in dem die beiden Kiwis die Hauptrolle spielen, wurde laut des Magazins inzwischen mehr als eine Million Mal über die Sozialen Kanäle der Stadt angesehen:



Das Angebot Oslos zahlte sich für das Paar tatsächlich aus. Sie verbrachten nicht nur zwei Tage in einer nicht von Touristen überlaufenen europäischen Hauptstadt, sondern bekamen auch noch jede Menge Erlebnisse obendrauf spendiert. So begaben sie sich zum Standup Paddling in die Fjorde Oslos, durften die Stadträder ausprobieren und bekamen sogar Edward Munchs Schrei zu sehen. Ganz ohne einen Haufen selfiebesessener Touris.

Über Tina Bauer

Tina Bauer

Studierte Sozialwissenschaftlerin mit Hang zu Online und Marketing. Seit 2014 als Redakteurin & Content Managerin bei OnlineMarketing.de.

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