Technologie

Auch nach Löschen: Amazon behält aufgezeichnete Daten von Alexa

Ein Brief fordert Amazon auf, über Alexas Verwendung von Nutzerdaten aufzuklären. Die Antworten lassen einen den Umgang mit Smart Home-Geräten hinterfragen.

© Piotr Cichosz - Unsplash

Mit der zunehmenden Verbreitung von Smart Assistants wie Alexa oder den Echo Dot-Geräten von Amazon stellen sich einige Nutzer die Frage, wie Alexa mit den aufgezeichneten Daten umgeht. Der Gedanke, dass alles Gesagte gespeichert ist und somit auch abrufbar, dürfte niemandem behagen. Viele beruhigt Alexas Funktion, mit der die Daten gelöscht werden können. Doch wie sich jetzt in einem Brief von Amazon herausstellt, ist es dem Unternehmen möglich, trotz des Befehls zum Löschen gewisse Daten zu behalten.

Gelöscht? Von wegen!

US-Senator Chris Coons aus Delaware hatte im Mai einen Brief an Amazons CEO Jeff Bezos versandt, in dem er um Aufklärung bezüglich des Umgangs mit den Audioaufzeichnungen bat. Am dritten Juli hat Brian Huseman von Amazon seine Antwort veröffentlicht. „We retain customers’ voice recordings and transcripts until the customer chooses to delete them“, heißt es in dieser. In dem Brief wird außerdem deutlich, dass Amazon sich vorbehält, auch nachdem ein Nutzer sich dazu entschieden hat, seine Aufzeichnungen zu löschen, einige Daten zu behalten, ohne es den Nutzern mitzuteilen. Denn Alexas Aufgabe sei es, jeden Tag zu lernen und besser zu werden und das Sammeln von möglichst vielen Daten unterstützt das System dabei. Wenn Alexas Feature Set nun durch das Löschen einiger Daten am Lernen gehindert würde, entscheidet sich das Unternehmen lieber dazu, eine Version der Daten zu behalten. So werden beispielsweise Transaktionen wie eine Essensbestellung oder das Rufen eines Taxis zu Lernzwecken von Alexa gespeichert. Alles auch im Sinne der Nutzer, erklärt Huseman:

And for other types of Alexa requests — for instance, setting a recurring alarm, asking Alexa to remind you of your anniversary, placing a meeting on your calendar, sending a message to a friend — customers would not want or expect deletion of the voice recording to delete the underlying data or prevent Alexa from performing the requested task.

Der Brief von Senator Coons kam nach Vorwürfen gegen Amazon, die sich zunächst auf den Echo Dot Kids bezogen, der gegen den Children’s Online Privacy Protection Act verstoßen soll, sowie nach einem Bloomberg Report, der zeigte, dass einige Amazon-Mitarbeiter Zugriff auf die Audiodateien und -transkripte von Alexa haben. Letztlich bringen auch die Erläuterungen von Huseman nur ein wenig mehr Licht ins Dunkel. Nicht deutlich wird aus seiner Antwort, wie viele Daten und zu welchem Zweck Alexa diese tatsächlich sammelt und speichert und warum es so schwierig ist, diese endgültig von Amazons Servern zu löschen.

Eine Vertrauensfrage

Auch Senator Coons zeigt sich mit Amazons Antwort unzufrieden. Er werde weiter daran arbeiten, das Verständnis von KI-basierten Geräten wie Alexa zu vergrößern:

The American people deserve to understand how their personal data is being used by tech companies, and I will continue to work with both consumers and companies to identify how to best protect Americans‘ personal information.

Wichtig ist, dass jeder, der sich ein solches Gerät ins Haus holt, sich damit auseinandersetzt, was mit den Daten passiert. Sicher nimmt man es für einige hilfreiche Funktionen, wie die Erinnerung an den Jahrestag, in Kauf, dass Alexa diesen speichert – dafür ist sie schließlich da. Doch beispielsweise persönlichere Suchanfragen hätte so mancher am Ende des Tages lieber gelöscht gewusst. Dass dies nicht immer der Fall ist, könnte den Umgang mit Alexa und Co. verändern. Zumindest sollte ein erhöhtes Bewusstsein für den Umgang mit den eigenen Daten vorhanden sein – inwieweit man diese dann Amazon anvertraut, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Die Antwort von Brian Huseman kann folgend nachgelesen werden.

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