Politik

Kindsbraut auf Facebook verkauft – das Netzwerk sah tatenlos zu

Geht es um nackte Haut, ist Facebook schnell beim Löschen. Bei politisch und gesellschaftlich brisanten Inhalten sieht die Plattform es lange nicht so eng.

© Clem Onojeghuo - Unsplash

Facebook gerät mit der Versteigerung einer Kindsbraut im Südsudan mal wieder in die Schlagzeilen: Die Familie des 16-jährigen Mädchens versteigerte ihre Tochter auf dem Sozialen Netzwerk an einen Multimillionär. Zwar löschte Facebook die Auktion – jedoch erst nachdem sie gelaufen war.

Facebook wurde von Anfang an über die Auktion unterrichtet

Einem Bericht auf Vice zufolge benötigte Facebook mehr als zwei Wochen, um die Auktion zu löschen, die am 25. Oktober gestartet war. Die Plattform gab an, erst am 9. November über den Verkauf informiert worden zu sein und löschte die Auktion in der Folge innerhalb von 24 Stunden. Weshalb für eine solche Entscheidung 24 Stunden benötigt werden, ist nicht überliefert.

Laut Plan International ist dies die erste dokumentierte Versteigerung einer Kindsbraut auf Facebook. Da die Auktion nicht nur jede Menge Aufmerksamkeit erregte, sondern auch enorm lukrativ für die Familie war, fürchtet die Menschenrechtsorganisation nun Nachahmer. Eine weitere NGO für Menschenrechte postete die zwischenzeitlich gelöschte Auktion auf Twitter und gab dort an, dass unterschiedliche Menschenrechtsgruppen Facebook unverzüglich nach Beginn erfolglos auf die Auktion aufmerksam gemacht hatten. Und auch in lokalen Medien schlug der Handel hohe Wellen. Facebook will von all dem nichts mitbekommen haben.

Auf Nachfrage von TechCrunch antwortete das Soziale Netzwerk mit einer Standardantwort:

Any form of human trafficking — whether posts, pages, ads or groups is not allowed on Facebook. We removed the post and permanently disabled the account belonging to the person who posted this to Facebook. We’re always improving the methods we use to identify content that breaks our policies, including doubling our safety and security team to more than 30,000 and investing in technology.

Die zwei Wochen, die die Plattform bis zur Löschung des Posts sowie zur Sperrung des Accounts verstreichen ließ, lassen starke Zweifel an dieser Aussage und der angeblichen Aufstockung des Teams aufkommen. Bis das Zuckerberg’sche Netzwerk ein Handeln für notwendig erachtete, war die Auktion gelaufen und das Mädchen bereits verheiratet worden.

Das Team, das für die Überwachung unangemessenen Contents zuständig ist, ist zwar stark aufgestockt worden, doch ist tatsächlich denkbar, dass von den Mitarbeitern nicht jede lokale Sprache gesprochen und verstanden wird. Auch AI wird ein solches Problem in naher Zukunft nicht lösen können. Es kann trotzdem nicht unter den Tisch fallen gelassen werden, dass Facebook ganze zwei Wochen benötigte, um endlich einzuschreiten. Mit jedoch ausbleibendem Erfolg, was somit wirkt, wie ein schlechter Versuch sich noch schnell reinzuwaschen.

Facebook versagt auf multiplen Ebenen

Der Auktionsgewinner ist ein in der Hauptstadt des Südsudan lebender Multimillionär. Für das Mädchen zahlte er den „Rekordpreis“ von 530 Kühen, drei Land Cruisern sowie 10.000 US-Dollar. Kinder- und Zwangsheirat sind laut einer aktuellen Studie von Plan International die im Südsudan verbreitetste Form an Gewalt gegen Frauen. Das gemächliche Handeln Facebooks lässt daran zweifeln, dass das Soziale Netzwerk sich für gesellschaftliche Fragen verantwortlich fühlt.

In Fragen das Menschenrecht betreffend hat das Soziale Netzwerk sich in der Vergangenheit nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Doch statt hier international in Verantwortung zu treten, konzentriert man sich lieber weiterhin auf noch mehr neue Lösungen für Werbetreibende.

Facebooks Versagen auf multiplen Ebenen häuft sich in der jüngsten Vergangenheit und lässt die Plattform in einem immer schlechteren Licht dastehen. Niemand weiß, wie es um die Zukunft des einstigen Vorreiters sozialer Netzwerke bestellt ist, sicher ist nur, dass Zuckerberg die negativen Schlagzeilen allmählich in den Griff bekommen sollte. Und das bedeutet eben auch, die immense gesellschaftliche Verantwortung mit dem von ihm geschaffenen Monstrum endlich zu übernehmen.

Über Tina Bauer

Tina Bauer

Studierte Sozialwissenschaftlerin mit Hang zu Online und Marketing. Seit 2014 als Redakteurin & Content Managerin bei OnlineMarketing.de.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.