Technologie

Google präsentiert Geschäftsmodell: Selbstfahrende Autos gratis?

Google tüftelt schon ewig an den autonomen Vehikeln, doch bislang war nicht klar, wie sie monetarisiert werden. Der Konzern gestattet nun erste Einblicke.

Halb Maus, halb Auto: Google Car, © Google

Der Markt der Individual Human Logistics ist hart umkämpft. Wo es bis vor kurzem nur Taxis gab, kämpft derzeit Uber – und bald die selbstfahrenden Autos. In dem Bereich gibt es Premium-Anbieter wie Mercedes, die vor kurzem ihre nahezu-selbstfahrende E-Klasse präsentierten. Praktisch das iPhone unter den Autos.

Kein teures „Premium“ soll es bei Google geben. Dort plant man eine ähnliche Strategie wie bei Android: Es soll für jeden erschwinglich sein. Dennoch: Selbst die minimalistischen Autos, die Google bereits 2015 vorgestellt hat, sind nicht besonders günstig in der Produktion. Sie sehen aus wie eine Kreuzung aus einer Telefonzelle und einer überdimensionalen Computer-Maus. Und mit beiden haben sie mehr gemeinsam als wir bislang dachten. Denn Google hat nun das Geschäftsmodell dahinter erklärt.

Die Nutzung ist kostenlos

Es ist das gleiche wie bei allen Google-Produkten: Die Nutzung ist kostenlos. Google verdient an Werbeeinnahmen wie bei der Suchmaschine und an Verkaufs-Provisionen wie im Google Play App-Store.

Die Navigation der Autos erfolgt ähnlich, wie die User es von der Google-Suchmaschine schon kennen. Spricht man ein Ziel ein, werden einem die Suchergebnisse präsentiert – auf Platz 1-3 ist dabei meist bezahlte Werbung zu finden. Die im Test ersten werbungtreibenden Unternehmen für diese „gesponsorten Ziele“ sind Mc Donald’s und Pizza Hut für alle Suchbegriffe, die mit Essen zu tun haben und Walmart und Macy’s für alle anderen Suchbegriffe.

Test mit zwei Varianten

Zum einfachen Konsum der Werbung werden derzeit zwei Technologien getestet: Eine Testgruppe der Autos verfügt über großflächige Bildschirme anstelle der Windschutzscheibe. Dort laufen die aus YouTube bekannten Werbefilme.

Um die Reichweite der Werbung zu erhöhen und das Sicherheitsrisiko durch die ansonsten geräuschlosen Autos zu reduzieren, läuft der Ton zur Werbung innen und außen.

Die zweite Testgruppe der Autos sind mit Google Cardboard-360-Grad-Brillen ausgestattet. Das hat den Vorteil, dass jeder Passagier andere Werbung gezeigt bekommen kann. Ein Google-Entwickler äußerte sich hierzu wie folgt:

Als nächstes wollen wir die Autos mit Gaming-Controllern anstelle der Lenkräder ausstatten. Unsere Augmented Reality mischt das echte Fahr-Bild, das eine Kamera am Innenspiegel auf die VR-Brillen überträgt, mit Gaming-Szenen, bei denen der User Punkte bekommen kann für überfahrene Fußgänger oder wenn er andere Autofahrer abschießt. So können die Auto-Insassen während der Fahrt um den Highscore maximaler Blechschäden spielen wie bei Grand Theft Auto.

Die Werbung finanziert die Fahrt

Dreh- und Angelpunkt der Video-Inhalte bleibt jedoch die Werbung. Jedem Fahrtziel ordnet Google die passende Werbung zu. Geht es zur Großmutter, lässt das Auto einen wählen zwischen einem Streckenverlauf, bei dem zum Blumen- oder zum Pralinen-Kauf angehalten wird.

Für den Weg zur Arbeit sollte man eine Zeitreserve für die Pause einplanen, die das Auto bei H&M macht – falls das der Laden ist, bei dem sich die meisten Kollegen einkleiden. Vor dem Aussteigen wird einem angezeigt, was die Kollegen bereits gekauft haben – so kann man sicherstellen, sich passend ähnlich, aber nie ganz gleich zu kleiden.

Ehemänner haben künftig eine neue Ausrede für spätes Nachhausekommen: „Schatz, das Auto hielt noch an der Kneipe, in der die Kollegen immer einen trinken.“ Die Bewegungsmuster der Kollegen hat Google bereits seit Jahren mit deren Standortverlauf erfasst. Und viele Wirte schalten bereits Werbung auf Google Maps.

In Kooperation mit Toys“R“Us bringen die Google-Autos auch Kinder von der Schule nach Hause. Der Zeitgewinn gegenüber dem Bus wird in einen Aufenthalt bei dem Spielzeugladen investiert.

Shopping ist mindestens genauso wichtig wie Wissen

Google-Gründer Sergey Brain: „Unsere Mission ist nicht mehr nur, alles Wissen der Welt zugänglich zu machen. Wir finden Shopping mindestens genauso wichtig wie Wissen. Daher machen wir jetzt auch alle Shopping-Center der Welt zugänglich.“

Der Testbetrieb startet am 1. April in Palo Alto, Silicon Valley.

***Update***

Gerüchten zufolge plant Apple ein ähnliches Konkurrenzprodukt. Die Unterschiede: Die Kabine besteht außen aus gebürstetem Aluminium und ist innen werbefrei. Einziger Wermutstropfen: Bereits 24 Stunden vor Verkaufsstart eines neuen iPhones verriegeln die Autos die Türen und fahren ihre Insassen in eine Warteschlange vor den nächsten Apple Store.

Über Ralf Scharnhorst

Ralf Scharnhorst

Scharnhorst Media leistet Marketing-Strategie-Beratung und begleitet die Umsetzung je nach Bedarf auch in Mediaplanung, Einkauf, Analyse und Optimierung. Schwerpunkt ist das datengetriebene Programmatic Advertising. Seit 1996 ist Ralf Scharnhorst Online-Mediaplaner, 2008 hat er Scharnhorst Media gegründet. Er lehrt an der Macromedia Hochschule. Testen Sie mit seinem Online-Marketing-Check ihr Optimierungspotential und folgen Sie Ralf Scharnhorst auf Xing und LinkedIn für die nächsten Artikel.

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