E-Commerce

Gegen Online-Betrug und Plagiate: Amazon und eBay starten neue Initiativen

Die Kennzeichnung von authorisierten Händlern und die eindeutige Identifikation von Produkten über Codes soll Händler und Kunden online vor Plagiaten schützen.

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Produktfälschungen, die besonders oft aus China auf den Markt schwappen, verursachen einen enormen Schaden für deutsche Unternehmen. Um genau zu sein, einen Schaden von rund 8,3 Milliarden Euro. Besonders der Online-Handel erleichtert die Verbreitung von Fakes. Doch genau deshalb haben eBay und Amazon nun fast zeitgleich neue Initiativen gestartet, um gegen die Fälschungen vorzugehen – der Erfolg dieser, bleibt abzuwarten.

eBay setzt auf zertifizierte Anbieter

Die Masche der Produktfälscher erklärt Ralph Hübner von Ecom Consulting ganz simpel:

Das ist eine beliebte Masche chinesischer Fälscher: Sie gründen in Deutschland GmbHs, schicken ihre Ware in die Fulfillmentcenter der Marktplätze, verkaufen ohne Mehrwertsteuer und machen den Laden wieder dicht, sobald ein Verdacht entsteht.

eBay setzt im Vorgehen dagegen auf die Ebene der Markeninhaber. Bereits seit fünf Jahren existiert das „Autorisierter Händler“-Programm, dass durch eine neue Kooperation auf die nächste Stufe gehoben werden soll. Die Zusammenarbeit mit dem Münchner Startup Authorized.by soll es Kunden erleichtern zu erkennen, welche Produkte und Händler vertrauenswürdig und lizenziert sind. Authorized.by bietet Herstellern die Möglichkeit, Händler als „Authorized Partner“ zu kennzeichnen. Dieser Titel erscheint als Badge in den Online Shops, ebenso wie die Kennzeichnung „Verified Product“. Die Kooperation soll im dritten Quartal 2019 starten. Jedoch wird bereits Kritik laut. So erklärt Hübner:

Das Authorized.by-Modell ist eine Echtzeitabfrage, ob der betreffende Händler zum Verkauf des jeweiligen Produkts berechtigt ist. Allerdings handelt es sich um eine vorgeschaltete Lösung, die keinerlei physische Kontrollmöglichkeit bietet.

Hinzu kommen Vorwürfe, dass das Model durch seinen Fokus auf die Hersteller zum Aufbau selektiver Vertriebsmodelle beitrage, was besonders Online Only Player benachteilige. So zumindest die betroffenen Händler und Verbraucherschützer.

Amazon setzt auf die Produkte selbst

Amazons Lösung im Kampf gegen die Produktfälschungen heißt Transparency. Markeninhaber erstellen damit Codes und bringen diese auf ihren Produkten an. Alle Teile der Lieferkette können darüber zu jeder Zeit die Ware identifizieren. Fakes sollen so schnell aus dem Verkehr gezogen werden und Kunden nur originale Produkte erhalten. Transparency ist ab sofort auch in Deutschland verfügbar. In den USA konnten durch das Programm bereits 250.000 Produktfälschungen aufgehalten werden. Das größte Problem an dieser Methode ist jedoch, dass sie auf der Nutzungsbereitschaft der Hersteller basiert. In den USA nehmen bereits 4.000 Marken teil, die über 300 Millionen Produktcodes generiert haben. Doch der deutsche Markt tickt anders, wie Hübner erklärt:

Ich glaube, dass Amazon den deutschen Markt falsch einschätzt, was die Bereitschaft der Hersteller betrifft, an Transparency teilzunehmen: zum einen wegen der Kosten und dem damit verbundenen Aufwand, aber auch, weil mit der Teilnahme an Transparency die kompletten Produktionsdaten offengelegt werden.

Was ist die bessere Lösung?

Des Weiteren denkt Hübner, dass eine Kombination aus beiden Programmen einen größeren Mehrwert schaffen könnte. Der Schutz vor Fakes müsste vor allem auf Händler- und Produktebene durch eine Methode wie Authorized.by gewährleistet werden. Dieses Potenzial erkennt auch der Gründer des Programms Felix Nottensteiner:

Aus unserer Sicht wäre es eine ergänzende Lösung, dass ein Hersteller zusätzlich die Authentizität seiner physischen Produkte markiert. Wir arbeiten dazu an einer entsprechenden Kombination und testen dafür verschiedene Verfahren – unter anderem auch die Blockchain-Technologie,

erklärt er. Jedoch betont er, dass jedes Programm seine Grenzen hat und ein kompletter Schutz vor den Plagiaten kaum umsetzbar sei. Hinzu kommt, dass die Fälscher selbst immer wieder mit neuen Ideen daherkommen und die Identifikation von Fakes erschweren. Es bleibt also abzuwarten, welche Erfolge die beiden Programme auf eBay und Amazon auf dem deutschen Markt erzielen und ob zukünftig an einer Lösung gearbeitet wird, die die Vorteile von Transparency und Authorized.by vereint. Und somit den Online-Handel sicherer gestaltet.


 

 

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Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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