Big Data

Daten von bis zu 50 Millionen Usern missbraucht: Facebook verbannt Cambridge Analytica

Die mit der Trump-Kampagne in Verbindung stehende Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica hat Nutzerdaten von bis zu 50 Millionen Facebook Usern gesammelt und sie mutmaßlich zur Wahlmanipulation eingesetzt.

© Flickr / John Adams, CC BY-ND 2.0

Facebook hat in seinem Newsroom bekanntgegeben, sowohl Cambridge Analytica als auch deren Dachunternehmen Strategic Communication Laboratories (SCL) vom Sozialen Netzwerk verbannt zu haben. Als Grund dafür gibt die Plattform Datenmissbrauch an: Bereits 2015 soll Cambridge Professor Dr. Aleksandr Kogan Userdaten, die mittels einer App erhoben wurden, unerlaubt unter anderem an Cambridge Analytica weitergegeben und für die Trump-Kampagne instrumentalisiert haben. Das Ausmaß ist riesig – Zuckerberg hatte nun genug.

Userdaten weitergegeben und instrumentalisiert

2014 gelang die App „thisisyourdigitallife“ in Umlauf, die als wissenschaftliche Anwendung beschrieben wurde. 270.000 User installierten die Persönlichkeitstest-App mit ihren Facebook Login Daten, nachdem sie der Erhebung einiger relevanter Daten per Häkchen zugestimmt hatten. Die App speicherte Daten zum Wohnort der Nutzer, sowie Content, mit dem sie interagierten und auch Informationen über ihre Freunde – sofern deren Privatsphäre-Einstellungen dies zuließen. Auf diese Weise gelangte der Professor schnell an Daten von geschätzten 50 Millionen Facebook-Nutzern, wie ehemalige Mitarbeiter Cambridge Analyticas nun gegenüber der New York Times angaben. Allerdings kursieren zu dem tatsächlichen Ausmaß verschiedene Schätzungen. Verboten ist die Erhebung solcher Nutzerdaten nicht. Eine Weitergabe an Dritte allerdings ist laut des Facebook Regelwerks strengstens untersagt. Doch daran hielt sich der Professor nicht.

Bei dem Entwickler der App handelt es sich um Cambridge Professor Dr. Aleksandr Kogan, der eng mit SCL zusammenarbeitete und die Daten auch an das umstrittene Cambridge Analytica sowie an den Datenanalysten Christopher Wylie von Eunoia Technologies weitergab. Die Big Data-Firma Cambridge Analytica sieht sich seit den US-Wahlen mit dem Vorwurf der Wahlmanipulation konfrontiert. So soll sie unter anderem gezielt Werbung an Trump-Anhänger ausgespielt haben, um diese zu mobilisieren und potentielle Wähler Clintons gleichzeitig vom Urnengang abzuhalten und so entscheidend zum Sieg beigetragen haben. Seither hat auch Facebook mit Reputationsverlusten zu kämpfen.

Einer der Datenempfänger, Christopher Wylie, tritt nun als Whistleblower auf und legte der New York Times sowie dem Guardian weitere Informationen über die Zusammenarbeit mit Cambridge Analytica vor, die eine weit tiefere Involviertheit der Big Data-Firma in den Wahlkampf nahelegen als bislang angenommen. Angeblich habe Wikileaks dem Unternehmen Unterstützung bei der Verbreitung gestohlener E-Mails von Hillary Clinton angeboten. Die E-Mails wurden allem Anschein nach von aus Russland agierenden Hackern gestohlen und in Umlauf gebracht worden, was dazu beitrug, dass Trump die Wahl zum US-Präsidenten gewann.

Facebook behält sich rechtliche Schritte vor

Nachdem Facebook bereits 2015 auf die Weitergabe der Daten an Dritte aufmerksam wurde, wurde die App von der Plattform entfernt und vom Entwickler verlangt, dass die Daten von allen Beteiligten gelöscht und darüber eine Beglaubigung ausgestellt werde. Die gab es kurz darauf vom Cambridge Professor und eine folgenlose Koexistenz war wieder möglich. Nun fand Facebook aber vor einigen Tagen heraus, dass offenbar nicht alle Daten wie versprochen vernichtet, sondern weiterhin verwendet wurden. Facebook reagierte empört und verbannte SCL und Cambridge Analytica vergangene Woche von der Plattform – mindestens bis die einbehaltenen Daten nachweislich vernichtet wurden. Auch rechtliche Schritte will sich das Soziale Netzwerk vorbehalten.

Cambridge Analytica gibt sich derweil ahnungslos. Chief Executive Officer Alexander Nix und weitere ranghohe Manager haben den Vorwurf Facebook-Userdaten zu nutzen stets verneint – zuletzt auf einer parlamentarischen Anhörung im Februar. In einem Statement gegenüber The Times gab man zuletzt allerdings zu, die Daten von Professor Kogan verwendet zu haben, jedoch wusste man angeblich nichts über eine Regelverletzung Facebooks. Sobald die Verantwortlichen darüber informiert waren, ordneten sie nach eigenen Angaben eine Löschung der Daten an.

Alexander Nix, Chief Executive Officer bei Cambridge Analytica bei seinem umstrittenen Auftritt auf dem Online Marketing Rockstars Festival 2017. © Tina Bauer, OnlineMarketing.de

Facebook gibt Apps nur noch nach eingehender Überprüfung frei

Facebook für seinen Teil gibt an, Apps nur noch auf der Plattform zuzulassen, die zuvor von Facebook-Entwickeln geprüft worden sind.Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten User sich vor dem Download einer App dennoch stets darüber informieren, welche Informationen sie den Entwicklern freigeben.

Über Tina Bauer

Tina Bauer

Studierte Sozialwissenschaftlerin mit Hang zu Online und Marketing. Seit 2014 als Redakteurin & Content Managerin bei OnlineMarketing.de.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.