Social Media Marketing

Facebook App für Kinder „Messenger Kids“: Gekaufte Experten hinter der App?

Die Chat-App für Kinder: Facebook setzt auf Messenger für junge Nutzer. Doch in welchem Zusammenhang stehen Facebooks Spenden an die Gutachter mit der App?

© Facebook

Im Dezember letzen Jahres veröffentliche Facebook eine neue Chat-App, die sich erstmals an Kinder richtet. Diese App soll sich als Kinderversion des aktuellen Facebook-Messengers etablieren und es ermöglichen, dass die junge Zielgruppe zwischen sechs und 12 Jahren unter der vollen Kontrolle ihrer Eltern mit Freunden oder Familie sicher chatten kann. Zunächst konnte die App nur in den USA von iOS-Nutzern gedownloaded werden. Seit gestern ist es nun auch allen Nutzern von anderen Betriebssystem möglich, Messenger Kids zu laden. Facebook versichert, dass die App komplett werbefrei und von Experten genau überprüft worden sei. Doch das Soziale Netzwerk verschwieg den Fluss von Geldern, der mit der App in Zusammenhang gebracht werden könnte. Waren Experten gekauft und Jugendschützer außen vor gelassen?

Messenger Kids: So funktioniert der Kinderversion des Facebook Messengers

Damit Kinder in das Chatvergnügen starten können, müssen die Eltern die App für ihre Schützlinge einrichten. Dafür benötigen die Erziehungsberechtigten einen eigenen Facebook-Account, denn Jugendliche können sich dieses selbst nämlich erst ab 13 Jahren einrichten. Die Eltern bestimmen in den Einstellungen dann die Kontakte, mit denen die jungen Nutzer chatten dürfen. Auch Videochats sind in der App integriert. 3D-Masken, wie man sie von Snapchat kennt sowie kindergerechte GIFs stehen zur Nutzung bereit. Die Text-, Foto- und Videobotschaften können die Kinder dann an die von ihren Eltern ausgewählten Nutzer versenden. Diese Nachrichten können auch vom regulärem Messenger empfangen werden.

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Geheimgehaltene Zahlungen hinter der App

Die gestrige Veröffentlichung der App in den USA wird überschattet von bisher ungenannten Geldern, die im Zusammenhang mit der Entwicklung der Chat-App geflossen sind. Scheinbar bezahlte Facebook fast alle Experten, die Messenger Kids überprüften. Klar, dass Personen für ihre Arbeit bezahlt werden. Dennoch ist es auffällig, dass die beauftragten Firmen großzügige Zahlungen von dem Sozialen Netzwerk erhielten.

Auf dem US-Newsportal Wired  wird nun berichtet, dass jeweils Organisationen, die an der Entwicklung der App beteiligt waren, großzügige Spenden von Facebook innerhalb des letzten Jahres erhalten haben. Facebook spendete Gelder an das Family Online Safety Institute und an Connect Safely sowie Telefono Azzuro. Zusätzlich erhielt MediaSmarts 50.000 Dollar. Auch Organisationen wie National PTA und Blue Star Families erhielten Geld von Mark Zuckerbergs Firma. Das Soziale Netzwerk dementiert, dass diese Zahlungen in einem Zusammenhang mit Messenger Kids stehen. Außerdem betont Antigone Davis, Facebooks Global Head of Safety, dass es keine Absicht war, die Spenden der Öffentlichkeit vorzuenthalten. Trotzdem bleibt es fragwürdig, warum genau Facebook gerade Gelder an all die Beteiligten der Messenger-Kids-App spendete.

Jugendschutz und Kritik

Das Tech-Magazin berichtet außerdem, dass zwei wichtige Jugendschutzorganisationen erst Wochen beziehungsweise Tage vor der Veröffentlichung der App informiert worden seien, obwohl die Entwicklung der App über 18 Monate dauerte. Das beklagten jedenfalls die beiden gemeinnützigen Organisationen Common Sense Media und Commercial Free Childhood. Josh Golin, Geschäftsführer der Organisation Commercial Free Childhood, gab zu verstehen, dass man ihn kurz vor Launch der App vor vollendete Tatsachen gestellt habe. Acht Wochen nach der Veröffentlichung der App haben Golim und 97 andere Experten Mark Zuckerberg aufgefordert, die App wieder vom Markt zu nehmen. In einem offenen Brief wird hervorgehoben, dass die App nach Meinung der Experten die Entwicklung der Kinder gefährden würde.

In dem Brief hoben die Experten hervor, dass aufgrund der Reichweite von Facebook Messenger Kids die erste Social-Media-App werden könnte, die Grundschüler nutzen würden. Die Experten sehen das allerdings problematisch, denn aus Studien würde hervorgehen, dass die übermäßige Nutzung von Smartphones und sozialen Medien schädlich für Kinder sei. Die Autoren des offenen Briefs meinen, dass die Zielgruppe von sechs bis 12 Jahren einfach noch nicht soweit sei, eigene Social-Media-Accounts zu verwalten, da Beziehungen in sozialen Netzwerken zu komplex seien. Kinder sollten lieber lernen Freundschaften von Angesicht zu Angesicht aufzubauen. Denn nur so würden sie lernen menschliche Emotionen zu lesen und soziale Fähigkeiten zu entwickeln.

Niedrige Downloadzahlen: App scheint nicht beliebt zu sein

Im letzten Monat erschien die App Messenger Kids ein paar Tage unter den Top 1.000 Downloads. Allerdings verschwand die Chat-App für Kinder jedoch schon wieder aus der Rangliste. Die bisherige Resonanz spricht wohl eher gegen den Messenger für Kinder.

Über Maja Hansen

Maja Hansen

Seit 2017 unterstützt Maja die Redaktion von OnlineMarketing.de. Dabei widmet sie sich primär dem Karrieremagazin mit den Themenfeldern rund um Jobs und Karriere, schreibt aber auch über digitales Marketinggeschehen.

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