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Anti-Terror-Popsong: Dieser Werbeclip aus Kuwait polarisiert die Massen

Der Werbespot des Netzanbieters Zain zieht die Aufmerksamkeit im Mittleren Osten auf sich. Der virale Clip ist ein Statement für Liebe und gegen Gewalt.

Screenshot YouTube

Der Werbeclip eines Netzbetreibers aus Kuwait geht auf YouTube viral. Obwohl er eine klare Anti-Terror-Haltung vertritt, kommen auch kritische Stimmen auf.

Im Namen von Allah mit Liebe gegen Terror

Ein Werbevideo aus dem Mittleren Osten konnte auf YouTube bereits 3,5 Millionen Views für sich beanspruchen, seit es am Freitag online ging. Hinter dem Clip steht Zain, ein kuwaitisches Telekommunikationsunternehmen, das eine gut dreiminütige Hymne gegen den Terror und für die Liebe produzierte. Das Video wurde von Ogilvy in Zusammenarbeit mit Super Sonic Africa extra für den Fastenmonat Ramadan konzipiert, da hier der TV-Konsum in der arabischen Welt ansteigt.

Es handelt sich dabei um einen Pop-Song, für den die Marke sogar Hussain Al Jassmi verpflichten konnte, einen Pop-Star aus den Arabischen Emiraten. Das Video zeigt einen Selbstmordattentäter mit Sprengstoffweste, der auf seinem mutmaßlich letzten Marsch einer bunten Mischung von Personen begegnet. Kinder, Alte, Hochzeitspaare und vor allem betende Moslems möchten ihn auf den rechten Weg, raus aus der Dunkelheit führen. Dafür appellieren sie an seinen Glauben und klagen ihn für seine grausamen Taten an. Der Spot plädiert auch für einen offeneren Umgang mit Religion und beinhaltet eine Diskussion zwischen einem weißen Touristen und einem älteren Araber, die mit der Zeile “Überzeuge Andere mit Nachsicht und nicht mit Gewalt” besungen wird.

Der Attentäter fällt schlussendlich mit dem Zünder in der Hand auf die Knie, doch statt der Explosion erwartet die Zuschauer ein Feuerwerk. Die Botschaft ist eindeutig: Wahrheit statt Verblendung, Frieden statt Krieg, Gnade statt Gewalt, Liebe statt Hass. “Wir werden ihren Hass-Attacken mit Liedern voller Liebe entgegentreten. Von jetzt an bis zur Glückseligkeit”, heißt es am Ende.

Kritik am Video – Schamloses Ausschlachten oder mutiges Positionbeziehen?

Zain mischt darüber hinaus Fiktion mit realen Aufnahmen nach Terrorattacken. Unter anderem sieht der Zuschauer Bilder aus dem Irak, aus Kuwait, Saudi Arabien und Jordanien. Auch Überlebende von Terrorangriffen treten auf und werden namentlich genannt.

Viele loben das Unternehmen für die starke Botschaft, doch nicht Wenige tadeln Zain für die Ad. Kritiker bemängeln einerseits den Einsatz der Terrorbilder und generell der brisanten Thematik für die Eigenwerbung des Unternehmens. Andererseits sorgt auch der Auftritt eines jungen Schauspielers für Diskussion, wie die New York Times berichtet. Der rußverschmierte Junge verkörpert Omran Daqneesh und hält sein berühmt gewordenes Foto hoch, das um die Welt ging. Hierbei wird die Aufnahme jedoch aus dem Kontext gerissen, denn Omran war demnach keinesfalls Opfer eines Attentats, sondern eines syrischen Luftangriffs des Regimes .

Die Szene mit Omran Daqneesh, Screenshot YouTube

Die Frage, die sich stellt, ist also: Kann eine Marke das Thema Terror ausschlachten, um sich selbst ins rechte Licht zu rücken? Andererseits: Sollte nicht jeder gegen Terror Position beziehen?

Quelle: AdWeek

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