Social Media Marketing

Skurrile Amazon-Botschafter propagieren faire Arbeitsbedingungen via Twitter

Gleicher Namenszusatz, gleiche Aufmachung, gleiche Botschaft – die Accounts der Amazon Ambassadors irritieren viele User. Ihre einzige Aufgabe besteht darin zu bestätigen, dass das Unternehmen seine Lagerarbeiter fair behandelt.

Screenshot Twitter

Wie eine Armee von programmierten Robotern wirken die Botschafter von Amazon, die sich momentan auf Twitter formieren und den Ruf des Unternehmens zwanghaft verteidigen. Die Accounts haben alle den Zusatz „FC Ambassador“ in ihrem Namen und als Hintergrundbild das „Amazon Lächeln“. Die meisten Profilbilder zeigen Tiere und die einzelnen Bios sind alle gleich strukturiert: Jobtitel, Standort des Lagers, Länge des Anstellungsverhältnis, das Wort „Amazonian“ und eine Auflistung von zwei bis drei Dingen, die man mag. Das kam vielen Usern auf Twitter suspekt vor und so teilte einer von ihnen seine Beobachtung mit der Welt:

Die Botschafter verteilen positive Vibes – es wirkt fast schon gruselig

Neben dem einheitlichen Aussehen der Accounts, fällt besonders auf, dass sie alle die gleiche Message zu verbreiten scheinen wollen: „Seht her, Amazon ist nicht so böse, wie ihr behauptet!“ Vor Allem antworten die Botschafter auf kritische Tweets anderer User. So verneinen sie angebliche Missstände und erklären, dass in den Lagern angenehme Temperaturen herrschten. Außerdem dürfe man immer zur Toilette gehen, bekomme ein faires Gehalt und habe ein tolles Management. Offenbar sind monotone Arbeiten und schlechte Arbeitszeiten ein Gerücht. Zumindest wenn man den Botschaftern Glauben schenken will.

Aufgesetzter Optimismus gegen schlechte Arbeitsverhältnisse

Bereits seit Jahren kursieren Meldungen über die schlechten Arbeitsbedingungen bei Amazon in den Medien. Egal ob in den USA, Deutschland oder einem anderen Standort. Laut Aussage dieser Berichte sei die Arbeit körperlich anstrengend und gleichzeitig todlangweilig. Gehetzte Angestellte müssten ihren täglichen Soll erfüllen und stünden unter ständigem Druck und Beobachtung. Doch obwohl diese Berichte seit Jahren im Umlauf sind, gibt es immer wieder neue unschöne Details. Gerade deshalb wirken die Aussagen der Botschafter einfach aufgezwungen und gespielt fröhlich:

Ist das der richtige Weg gegen schlechte Publicity?

Vielleicht hat Amazon seine Arbeitsbedingungen in den Lagern inzwischen verbessert. Und natürlich soll das bekannt gemacht werden. Doch diese fast schon gruseligen Amazon Botschafter sind wohl ein Schuss ins eigene Bein. Inzwischen gibt es sogar schon Fake-Accounts, die die Aktion auf die Schippe nehmen:

Nach eigener Aussage arbeiten die Botschafter übrigens freiwillig als solche. Sie bekommen dafür keine zusätzlichen Prämien und seien normale Lagerarbeiter. Amazon selbst hat dies inzwischen wiederlegt. Das Botschafteramt sei ein Vollzeitjob, der auch bezahlt werden würde. Auf Nachfrage antwortete der Liefergigant wie folgt:

FC ambassadors are employees who have experience working in our fulfilment centers. It’s important that we do a good job of educating people about the actual environment inside our fulfillment centers, and the FC ambassador program is a big part of that along with the fulfilment center tours we provide.

Die ganze Aktion wirkt aufgesetzt und lächerlich. Fraglich ist, wie lange die sogenannten Botschafter noch ihr Unwesen auf Twitter treiben werden, schließlich sind genug andere User bereits genervt. Doch vielleicht geht Amazon noch einen Schritt weiter und vergrößert seine Armee. So könnten auch im deutschsprachigem Twitter-Raum bald die frohen Botschaften aus Jeff Bezos Lagerhäusern geteilt werden. Doch wie der User FLAMBOYANT SHOES GUY es so schön formuliert hat: Es gibt selbst Geiselvideos, die glaubhafter wirken.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

Ein Gedanke zu „Skurrile Amazon-Botschafter propagieren faire Arbeitsbedingungen via Twitter

  1. Arthur

    Fakt ist: Amazon zählt 30% über dem jeweiligen Standort Durchschnitt…

    Fakt 2 ist: die Mitarbeiter machen das Freiwillig. Was genau spricht dagegen? Zu schreiben dass das „Roboterhaft“ rüberkommt ist reine Meinungsmache. Sprechen wir doch bitte über Argumente…

    Antworten

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