Zurück auf die Schulbank: 5 Wege, um deine Umschulung erfolgreich zu meistern

Aus dem praktischen Beruf zurückzukehren zum theoretischen Lernen fällt den meisten schwer. Doch Fernstudium, Weiterbildung und Co. müssen kein Albtraum werden.

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Die Digitalisierung verändert den Arbeitsmarkt immer mehr und so sind Weiterbildungen unabdingbar, um Schritt zu halten. Manche Arbeitnehmer gehen sogar soweit, eine komplette Umschulung zu machen, um ihre Chancen für die Zukunft zu verbessern. Unabhängig davon gibt es auch viele, die sich im Nachhinein noch für ein Masterstudium oder einen Fern- oder Abendstudiengang entscheiden, um dadurch die Qualifikationen für eine höhere Karrierestufe zu erlangen. Was auch immer die Gründe dafür sind, die Schulbank erneut zu drücken – nach einigen Jahren im Beruf fällt das den meisten schwer. Damit die Umstellung von Praxis zu Theorie jedoch problemlos gelingt, haben wir einige Tipps für dich parat.

Lasse Gedanken an die Schulzeit hinter dir

Nicht jeder Mensch hat schöne Erinnerungen an seine Schulzeit. Mobbing, Leistungsdruck, fiese Lehrer und der natürliche Teenager-Wahnsinn belasten teilweise auch Jahre nach dem Abschluss noch. So ist es auch nicht verwunderlich, wenn es einigen Arbeitnehmern davor graut erneut die Schulbank zu drücken. Doch wenn es dir so ergeht, solltest du versuchen diese Angst beiseitezuschieben. Das Gute ist nämlich: Du bist nicht mehr in der Schule. Bei einer Umschulung sitzt du nicht mehr zwischen pubertierenden Jugendlichen, sondern Erwachsenen, die in der Regel das gleiche Ziel haben wie du. Und apropos: Du musst auch nicht mehr für unzählige Fächer lernen, an denen du eigentlich kein Interesse hast. Stattdessen konzentrierst du dich auf etwas, das du wirklich machen willst.

Und auch wenn es unter Erwachsenen zu typischen Schulhofdynamiken kommen kann, solltest du versuchen, alte Angewohnheiten aus der Schulzeit abzulegen. Anstatt dich also wie früher in die letzte Reihe zu setzen, komm nach vorne. Denn je näher du dem Lehrenden bist, desto einfacher fällt dir auch das Lernen. Das suggeriert zumindest eine Studie der Universität Tübingen. Außerdem ist die Umschulung oder Weiterbildung kein Beliebtheitswettbewerb. Du musst dich nicht demselben sozialen Druck aussetzen, den Schüler oft in ihrem Umfeld spüren. Deine „Mitumschüler“ siehst du danach vermutlich nie wieder und auch vor dem Strebertum musst du keine Angst haben, denn schließlich willst du eine sehr gute Berufsqualifikation erlangen. Gehe einfach freundlich und respektvoll mit den anderen Teilnehmern um – so knüpfst du vielleicht Kontakte, die dir später noch nützlich sind.

Lass dir von Schülern und Studenten helfen

Das Lernen für Tests und Verfassen von Seminararbeiten fällt den meisten nach Jahren im Beruf besonders schwer. Der Kopf ist auf die Praxis eingestellt. Doch wer könnte dir in dieser Situation besser helfen als Personen, die täglich mit dem Lernen konfrontiert sind? Schüler und Studenten aus deinem Bekanntenkreis sollten deine erste Anlaufstelle sein. Sie kennen effektive Lernmethoden und können dir beim Verfassen wissenschaftlicher Ausarbeitungen helfen – schließlich tun sie das selbst ständig. Wichtig dafür ist nur, dass du dich darauf einlässt. Spiele nicht den Erwachsenen, der das Wort von Jüngeren anzweifelt. Studenten können dir außerdem bei der Beschaffung von Lernmaterial aus den Bibliotheken helfen, denn sie kennen das System, nach dem Bücher und Co. sortiert sind.

Zudem könntest du in Erwägung ziehen, dich einer Lerngruppe anzuschließen. Ihr studiert vermutlich nicht das selbe Thema, doch mit anderen Personen an einem Tisch zu sitzen, die ebenfalls lernen müssen, kann dich motivieren. Studenten können dir außerdem, wie schon erwähnt, bei deiner Abschlussarbeit helfen. Egal ob Korrekturlesen oder Hilfe beim wissenschaftlichen Zitieren – die Studis sind mit der Materie vertraut und deine besten Ansprechpartner.

Gemeinsame Lernprozesse können bei Weiterbildungen etc. sehr hilfreich sein, © Headway – Unsplash

Finde deinen inneren Antrieb

Ein wichtiger Faktor für den Erfolg einer Umschulung, einer Weiterbildung oder eines weiterführenden Studiums ist deine Motivation. Du musst dir unbedingt darüber bewusst werden, wieso du das eigentlich machst. Schulst du beispielsweise um, weil du in deinem alten Job keine Chancen mehr siehst, ist das kein Zeichen des Scheiterns. Vielmehr zeigt es deinen Ehrgeiz. Lass dir nicht einreden, dass eine Umorientierung ab einem bestimmten Alter nichts mehr bringt. Auch ältere Arbeitnehmer bringen Potenzial mit, denn Erfahrungen, die sie in früheren Jobs gemacht haben, können selbst in einem neuen Berufsfeld helfen. Vor allem liegt der Fokus dabei auf den Soft Skills.

Sieh die Umschulung also als Chance. Lass dich nicht verunsichern und finde Gründe, die dein Vorhaben unterstützen. Das müssen keine hochtrabenden Ziele sein, wie zum Beispiel das Streben nach ständiger Weiterentwicklung oder persönlicher Entfaltung. Wenn du eine Umschulung machst, um einen Job mit besserer Bezahlung zu finden, ist das ebenfalls ein vernünftiger Grund. Wichtig ist nur, dass du dein Ziel auch in den schwierigeren Zeiten (wie der Prüfungsphase) nicht aus den Augen verlierst. Frage dich immer wieder: „Wieso tue ich das eigentlich?“ Wenn du darauf eine Antwort findest, hast du eine Motivation, die dich bis zum Abschluss begleitet.

Achte auf dein Zeitmanagement

Zugegeben, eine ordentliche Planung ist auch im normalen Berufsleben unabdingbar. Doch gerade bei Umschulungen und Co. solltest du den Zeitaufwand des Ganzen nicht unterschätzen. So musst du neben privaten Verpflichtungen, Familienleben und Freizeit auch immer genügend Raum zum Lernen lassen. Viele tun am Anfang ihrer Umschulung den Aufwand ab und denken, dass bisschen Wissen nehmen sie ganz einfach auf. Dass diese Rechnung nicht aufgeht, zeigt sich bei den meisten schnell, denn plötzlich steht die Prüfungsphase vor der Tür und man hat noch nicht einmal mit dem Lernen angefangen (Studenten können oft ein Lied davon singen). Um dir diesen Stress zu ersparen, solltest du von Anfang an mit dem Lernen beginnen.

So simpel es klingt, greife auf ein klassisches Hausaufgabenheft oder zumindest einen Terminplaner zurück. Trage dir dort deinen Stundenplan, Hausaufgaben, Prüfungs- und Abgabetermine ein. Hilfreich sind auch kleine Reminder, die du ein paar Wochen vor dem Klausurtermin einträgst, damit du auch nichts aus den Augen verlierst. Im Alltag selbst solltest du täglich Zeit für die Vor-, beziehungsweise Nachbereitung des Lernstoffes einplanen. Das heißt, dass du trotz aller Verpflichtungen und dem Wunsch nach Freizeit Raum für Hausaufgaben und kurze Rekapitulationen des vermittelten Wissens lassen musst. Auch wenn es nach viel klingt, lohnt sich dieser Aufwand – denn so musst du zur Prüfungsphase nicht bei Null anfangen und brauchst in großen Teilen den Stoff nur zu wiederholen.

Finde die richtige Lernmethode für dich

Am idealsten ist es natürlich, wenn du dein erlangtes Praxiswissen mit den neuen Inhalten aus Umschulung und Co. verbinden kannst. So lernt es sich definitiv leichter, denn du hast reale Beispiele vor Augen. Jedoch ist dies nicht immer möglich. Problematisch am Lernen neuer Inhalte ist es, dass viele Schulungsangebote unzureichend sind und das menschliche Gehirn Gelerntes meist schon nach 3 Monaten wieder vergisst. Die meisten Programme beinhalten zu viel Lernstoff, der auf zu lange Lernphasen aufgeteilt wird. Um diesen Prozess effizienter zu gestalten – sowohl für Arbeitgeber als auch -nehmer – sollten Unternehmen auf Bite-Sized-Learning setzen. Dabei wird der Stoff in „Häppchen“ geteilt und so vermittelt, dass er besser aufgenommen werden kann. Studien beweisen, dass das Lernen so um 17 Prozent effizienter und auch der Elan der Lerner um 50 Prozent gestiegen ist.

Jedoch hilft dir diese Methode wenig, wenn deine Umschulung oder Weiterbildung dem Modell nicht folgt. Damit du trotzdem eine erfolgreiche Lernmethode für dich findest, haben wir hier ein paar Lerntipps für dich zusammengefasst:

  • Pomodoro: Benannt nach einer tomatenförmigen Küchenuhr zielt diese Technik darauf ab, einen festen Zeitrahmen einzuhalten. Am besten eignen sich Lernblöcke á 20 Minuten, mit einer kurzen Pause im Anschluss. Nach dem letzten Block wird eine Bewegungspause empfohlen.
  • Der Frosch muss Weg: Mit „Frosch“ ist hier ein Thema gemeint, welches dir überhaupt nicht liegt. Beginne beim Lernen mit diesem, damit du es hinter dir hast, und hebe dir die Gebiete, die dir leichter fallen, für das Ende auf.
  • Loci-Methode: Hierbei geht es um das Lernen von Fakten, die nur schwer im Gedächtnis bleiben. Erleichterung entsteht dadurch, dass du die Information mit einem bestimmten Ort, zum Beispiel einen Möbelstück in deiner Wohnung, verbindest wie eine Art Eselsbrücke.

Erwachsenenbildung ist nicht leicht

Egal ob Umschulung, Weiterbildung oder Fernstudium – den meisten Arbeitnehmern wird es schwerfallen, erneut die Schulbank zu drücken. Doch mit den hier aufgezeigten Tipps kann dir der Übergang von Praxis zur Theorie vereinfacht werden. Versuche dich also daran zu halten, vor allem an den Punkt mit der Hilfe von Schülern und Studenten. Teste außerdem verschiedene Lernmethoden und lass dich nicht auf sogenanntes Bulimie-Lernen ein – dieses bringt dir langfristig nämlich überhaupt nichts. Und auch wenn dir die neue Schulzeit einmal schwerfällt, vergiss niemals deine Ziele und Beweggründe. Sie treiben dich weiter an und verhelfen dir schlussendlich zum Erfolg.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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