Weshalb deine Talents dir den Rücken kehren – und wie du sie halten kannst

Überstunden, Stress und Co. können deine besten Mitarbeiter in die Knie zwingen. Deshalb musst du verstehen, was Talents brauchen und wie du sie unterstützt.

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Talente zu halten ist auf dem heutigen Arbeitsmarkt nicht einfach. Die Konkurrenz ist groß und spezialisierte Arbeitskräfte sind in vielen Bereichen in der Position, sich auszusuchen, wo sie arbeiten wollen. Ergo, sind sie nicht gezwungen, das erstbeste Jobangebot anzunehmen, beziehungsweise bei Unzufriedenheit zu bleiben. Eine repräsentative Studie von Von Rundstedt zeigt, weshalb Arbeitnehmer kündigen und worauf Arbeitgeber achten sollten, um ihre Talents wirklich halten zu können.

Überstunden und Kollegen als ausschlaggebende Faktoren

Überstunden sind ein Ärgernis, dem der Großteil der deutschen Arbeitnehmer ausgesetzt ist. Ein so großes sogar, dass knapp 68 Prozent der Befragten aussagen, ein fehlender Ausgleich für Überstunden sei für sie ein Kündigungsgrund. Fehlende Entlohnung und kein Freizeitausgleich sind damit am häufigsten genannt worden. Direkt darauf folgt ein gesundes Arbeitsklima, dass für 64,8 Prozent unabdingbar ist. Gibt es Stress und Zickenkrieg unter den Kollegen und ein ständiges Spannungsverhältnis, wollen die Betroffenen schnellstmöglich das Weite suchen. An dieser Stelle stehen also auch die Arbeitgeber in der Verantwortung: Sie müssen die Verhältnisse zwischen ihren Angestellten im Auge behalten und einschreiten, wenn es offensichtliche Defizite im gemeinsamen Miteinander gibt. Zudem ist auch das Verhältnis zum Chef mit einbegriffen – totalitäre Kontrollfreaks werden weitestgehend abgelehnt.

Stress und fehlendes Feedback können belastend sein

60 Prozent der Befragten, würden ihren Job aufgrund von Stress kündigen. Gemeint ist damit nicht, dass es ab und an stressige Zeiten gibt, sondern permanenter Zeit- und Leistungsdruck. Verlangt der Arbeitgeber hohe Ziele im kürzesten Zeitraum, scheint das für einen Großteil unzumutbar zu sein. Damit geht jedoch auch die Angst vor Fehlern einher. Herrscht in einem Unternehmen keine gesunde Feedback-Kultur, würden 58,1 Prozent ihren Job aufgeben. Und das erscheint verständlich, denn wird dir jeder Fehler vorgehalten oder deine Arbeit hinter deinem Rücken in Stücke gerissen, stellt das eine hohe psychische Belastung dar. Arbeitgeber müssen sich also auch um das mentale Wohl ihrer Mitarbeiter kümmern, wenn sie diese halten wollen.

Ein Arbeitsplatz mit Chancen wird gewünscht

Knapp die Hälfte der Studienteilnehmer sehnt sich nach Entwicklungsmöglichkeiten. Können sie im Unternehmen nicht aufsteigen und stehen Gehaltserhöhungen bei guter Leistung außer Frage, würden sie ihrem Chef den Rücken kehren. Zudem werden steile Hierarchien mit langen Entscheidungswegen von 51 Prozent abgelehnt. Wird den Mitarbeitern der Handlungsspielraum genommen und ihre Arbeit konsequent durch die Führungsebene kontrolliert, würden sie kündigen. Eigenverantwortliches Handeln steht also hoch im Kurs und sollte von den Arbeitgebern respektiert werden – zum Wohle von Unternehmen und Angestellten.

Incentives sind nicht alles

Weitere Gründe, den Job zu kündigen, sind die fehlende Förderung durch den Arbeitnehmer in Hinsicht auf Weiterbildungen (43,4 Prozent), ein schlechter Ruf des Unternehmens (42,3 Prozent) und fehlende Flexibilität (38,2 Prozent). Bei Letzterem werden vor allem die Möglichkeiten auf Home Office und Teilzeitarbeit betont, um so für eine ausgeglichene Work-Life-Balance zu sorgen. Gleichzeitig stellt die Studie dar, dass es den Arbeitnehmern eben doch nicht nur um Freizeit und Spaß geht, wie besonders von New Work-Gegnern oft behauptet wird. Im Gegenteil, die damit verbundenen Kündigungsgründe wiegen sogar am wenigsten, verglichen mit Überstunden, Arbeitsklima und psychischen Belastungen.

Die Studienergebnisse zeigen deutlich: Wer seine Mitarbeiter im Unternehmen halten möchte, muss ein attraktives Gesamtpaket anbieten. Wenn z. B. das kollegiale Umfeld nicht stimmt oder im Unternehmen keine konstruktive Feedback-Kultur herrscht, reicht es nicht, eine attraktive Regelung für anfallende Überstunden anzubieten,

so Dr. Christian Siemen, Senior Experte in Personalumbau und Retention. Um Talents zu halten, reicht es also nicht mehr aus, einzig Flexibilität und besondere Incentives zu garantieren. Das Fehlen der Letzteren wird sogar nur von 22 Prozent als Kündigungsgrund gesehen. Übrigens sind besonders Hochschulabsolventen sehr anspruchsvoll, was ihren Arbeitgeber angeht. Betrachtet man die einzelnen Kündigungsgründe, lagen sie meist knapp zehn Prozent über dem Durchschnitt. Arbeitgeber sollten sich die genannten Punkte also definitiv zu Herzen nehmen, wenn ihnen etwas daran liegt, ihre Talents zu halten. Und zugegeben: Faire Entlohnung, ein gutes Miteinander und psychische Entlastung sind nun wirklich keine dreisten Forderungen, sondern das gute Recht eines jeden Arbeitnehmers.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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