Wertschätzung: Wie Unternehmen die Mitarbeiterloyalität erhöhen können

Die Loyalität von Mitarbeitern lässt sich nur durch Wertschätzung gewinnen. Doch welche Wege gibt es, um ihnen Anerkennung entgegenzubringen?

© Adam Jang | Unsplash, CC0

Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels gewinnen zwei Themen aktuell an Brisanz: Mitarbeitergewinnung sowie Mitarbeiterbindung. Es reicht nicht mehr aus, nur geeignete Mitarbeiter für das Unternehmen rekrutieren zu können. Sind diese anschließend nämlich unzufrieden, greifen sie kurzerhand wieder zur Kündigung und zum attraktiveren Angebot der Konkurrenz. Für Arbeitgeber bedeutet das: Sie müssen neue Wege finden, um die Treue ihrer Angestellten zu gewinnen sowie zu behalten. Hierbei spielt die Wertschätzung eine tragende Rolle.

Mangelnde Wertschätzung zieht sich wie ein Rattenschwanz durch das Unternehmen

Den Mitarbeitern Anerkennung für ihre Leistungen entgegenzubringen, das ist eine der wichtigsten Aufgaben einer jeden Führungskraft – allerdings wird gerade diese gemäß dem Motto „nicht geschimpft, ist gelobt genug“ häufig vernachlässigt. Resultierend daraus fühlen sich viele betroffene Arbeitnehmer unsichtbar. Sie haben das Gefühl, ihre Leistungen werden übersehen oder nicht wertgeschätzt. Eventuell fühlen sie sich unterbezahlt oder bei Beförderungen übergangen. Langfristig baut sich dadurch eine tiefe Frustration auf. Die Motivation lässt nach, der Mitarbeiter resigniert und die Qualität seiner Arbeit leidet. Wieso auch sollte er sich anstrengen, wenn genau diese Anstrengungen ohnehin nicht gewürdigt werden? Häufig macht er diesem Frust dann durch schnippische Kommentare, offene Auseinandersetzungen oder Lästereien Luft. Und da bekanntlich ein fauler Apfel ausreicht, sind schnell auch die Kollegen „vergiftet“ – vor allem, wenn diese sich ebenso wenig wertgeschätzt fühlen. Es entsteht also eine Abwärtsspirale, welche nicht nur das Arbeitsklima vergiften, sondern sogar zu Kündigungen führen kann.

Fehlende Anerkennung im Sinne einer Unterbezahlung ist der häufigste Kündigungsgrund

Wertschätzung hat viele verschiedene Gesichter. Das Gehalt ist eines davon und laut einer auf Statista veröffentlichten Umfrage das Wichtigste: Demnach würden 61,6 Prozent der befragten deutschen Arbeitnehmer aufgrund einer schlechten Bezahlung ihren Arbeitsplatz wechseln. Damit führt die Unterbezahlung die Liste der Kündigungsgründe an, vor einem schlechten Arbeitsklima mit 53,9 Prozent – welches wie bereits erwähnt ebenfalls aus mangelnder Anerkennung resultieren kann. Diese Zahlen lassen erahnen, wie wichtig das Thema Wertschätzung für die Mitarbeiterloyalität ist. Eine faire bis hin zur überdurchschnittlichen Bezahlung kann bereits viel bewirken, um die Angestellten im Unternehmen zu halten, zufrieden zu stimmen sowie zu motivieren.

Welche Zeichen der Wertschätzung gibt es neben dem finanziellen Aspekt?

Grundlegend gilt in den meisten Fällen: Wer unterbezahlt ist, ist stets unzufrieden. Wer fair bezahlt ist, ist aber nicht zwingend zufrieden. Die Aufgabe der Anerkennung geht für den Arbeitgeber also über den finanziellen Aspekt hinaus. Wie aber kann er seinen Mitarbeitern (auch) auf anderen Ebenen Wertschätzung zukommen lassen? Chirag Kulkarni schlägt auf Entrepreneur.com folgende Möglichkeiten vor:

  1. Perspektiven: Das Unternehmen sollte dem Mitarbeiter Perspektiven für seine berufliche Zukunft bieten. Beförderungen, interne Stellenwechsel oder Fort- und Weiterbildungen können wichtige Fortschritte für die Karriere bedeuten. Wo nämlich Stagnation Einzug hält und der Betroffene sich „übersehen“ fühlt, wird er mit hoher Wahrscheinlichkeit extern nach neuen Perspektiven suchen.
  2. Förderung: Am besten ist es, wenn sogar gemeinsam solche Karriereziele entwickelt werden. Je besser eine Führungskraft weiß, wo der betreffende Mitarbeiter auf seinem Berufsweg hinmöchte, umso zielgerichteter kann sie ihn dabei unterstützen. Wo Angestellte eine individuelle Förderung gemäß ihrer Wünsche erfahren, werden sie sich einen Stellenwechsel zweimal überlegen.
  3. Lob: Anerkennung kann zudem ganz simpel sein. Hin und wieder ein Lob sowie einige nette Worte oder ein Dankeschön können bereits kleine Wunder bewirken. Natürlich gehört auch Kritik zum Arbeitsalltag, jedoch sollte das Positive überwiegen. Führungskräfte sollten sich daher angewöhnen, ihre Mitarbeiter öfter zu loben.
  4. Altersvorsorge: Das Thema Altersvorsorge ist für viele Arbeitnehmer äußerst brisant. Das Vertrauen in die staatlichen Rentenkassen sinkt zunehmend und bei betrieblicher Unterstützung können unter Umständen beachtlich Steuern gespart werden. Ein Konzept zur betrieblichen Altersvorsorge sollte hinsichtlich der Mitarbeiterloyalität daher in jedem ausreichend großen Unternehmen implementiert werden.
  5. Gesundheit: Nur, wer gesund ist, kann auf Dauer leistungsfähig bleiben und effizient arbeiten. Die Gesundheit der Arbeitnehmer liegt daher im Interesse des Arbeitgebers, keine Frage. Doch auch die Mitarbeiter profitieren natürlich von der Erhaltung ihrer Gesundheit. Durch die betriebliche Gesundheitsförderung entsteht somit eine Win-Win-Situation, welche neben einer erhöhten Mitarbeitertreue noch zahlreiche weitere Vorteile mit sich bringt.
  6. Essen: Liebe geht bekanntlich durch den Magen. So simple Maßnahmen wie ein qualitativ gutes Kantinenessen zum kleinen Preis kann somit einen erheblichen Beitrag zur Zufriedenheit der Angestellten leisten – und deren Kündigungsbereitschaft mindern. Auch kleine Snacks im Pausenraum für lau oder die teure anstelle der billigen Kaffeemaschine für den besseren Geschmack sind kleine Zeichen der Wertschätzung mit großer Wirkung.
  7. Mitbestimmung: Mitarbeiter fühlen sich zudem anerkannt, wenn sie sich als Mensch wahrgenommen fühlen. Sie möchten nicht nur ein Zahnrad im großen Ganzen sein oder eine Nummer in der Kartei. Stattdessen wünschen sie sich Raum, um ihre Ideen, Meinungen sowie Ziele zu vertreten. Hierbei kommt die Thematik der Mitbestimmung ins Spiel. Einerseits können und sollten demokratische Strukturen im Unternehmen Einzug halten und veraltete sowie starre hierarchische Strukturen gemäß dem Prinzip „Befehl und Gehorsam“ ablösen. Andererseits kann Mitbestimmung auch im kleinen Ausmaß gelebt werden, innerhalb einer Abteilung, in Meetings oder bei einem Projekt beispielsweise.
  8. Freizeit: Im Berufsleben stehen viele Menschen vor der Wahl: Entweder mehr Geld oder mehr Freizeit. Wer seine Arbeitszeit zugunsten des Privatlebens reduziert, muss in der Regel auch einen finanziellen Abstieg in Kauf nehmen. Andersherum bedeutet ein Plus an Arbeit zwar mehr Geld, dafür aber weniger Freizeit. Wenn ein Unternehmen es schafft, dieses Dilemma für die Mitarbeiter aufzulösen, gewinnt es mit hoher Wahrscheinlichkeit deren Treue. Hierbei kann es sich auch um moderne Arbeitsmodelle handeln, welche die Vereinbarkeit von Beruf und Familie beziehungsweise Privatleben verbessern – Remote Work zum Beispiel oder das Homeoffice.
  9. Flexibilität: Wonach also viele Arbeitnehmer trachten, ist schlichtweg mehr Flexibilität bei ihrer Arbeitszeitgestaltung. Ihnen diese Flexibilität einzuräumen, ist ein Zeichen von Wertschätzung. Schließlich fühlen sich die Mitarbeiter dadurch in ihrem Anliegen ernstgenommen und haben das Gefühl, der Arbeitgeber ginge – zumindest ein Stück weit – auf ihre Bedürfnisse ein.
  10. Verantwortung: Last but not least ist auch das Übertragen von Verantwortung an den Arbeitnehmer ein wichtiges Zeichen der Anerkennung. Anstelle von Mikromanagement sollte er selbst Entscheidungen treffen, Aufgaben delegieren sowie selbstständig arbeiten dürfen. Verantwortung bedeutet nämlich Vertrauen und Vertrauen ist wiederum der wohl wichtigste Grundstein jeder Wertschätzung.

Welche weiteren Maßnahmen kennst du, aus der Perspektive des Arbeitnehmers oder Arbeitgebers, welche deiner Erfahrung nach wirksame Zeichen von Anerkennung sind?

Über Mirijam Franke

Mirijam Franke

Mirijam Franke hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht und arbeitet seit vielen Jahren erfolgreich als freiberufliche Texterin. Im Rahmen ihres Studiums der Medienwirtschaft kam sie erstmalig mit dem Thema Online Marketing in Berührung und konnte sich seither mit viel eigener Erfahrung, Mut zum Klartext und einem Augenzwinkern in den Bereichen Marketing, Arbeit, Startups, HR und Work-Life-Balance deutschlandweit einen Namen machen. Seit Mai 2016 ist sie Redakteurin bei OnlineMarketing.de.

Ein Gedanke zu „Wertschätzung: Wie Unternehmen die Mitarbeiterloyalität erhöhen können

  1. Dirk Kellermann

    Interessanter Artikel. Habe kürzlich ein gutes Buch zum Thema gelesen. Es heißt: Anerkennung und Wertschätzung – Futter für die Seele und Treibstoff für Erfolg. Hier gibt es gute Tipps, wie man Anerkennung oder auch Kritik wertschätzend formuliert.

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