Wahre Stärken erkennen: Wieso du nicht nur deine Skills aufzählen solltest

„Was sind Ihre Stärken?“ Diese Frage sorgt in Bewerbungsgesprächen regelmäßig für Schweißausbrüche. Die Antwort darauf liegt in dem, was dir Energie schenkt.

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Die Beschreibung deiner Stärken ist in Bewerbungen heute oft noch relevant. Besonders in Bewerbungsgesprächen ist die Frage „Was sind Ihre Stärken?“ besonders beliebt. Hier entsteht jedoch oft ein Problem: Bewerber wissen gar nicht, was und wie sie antworten sollen. Schließlich willst du selbstbewusst und unique wirken, aber gleichzeitig nicht arrogant. Genau deshalb wollen wir dir mit Hilfe eines besonderen Ansatzes zeigen, wie du deine eigenen Stärken erkennst und welche abgedroschenen Phrasen du besser gleich vergisst.

No-Go: Diese Stärken sind nicht stark

„Ich bin pünktlich, zuverlässig, engagiert.“ Wäre das eine Antwort, die du auf die Frage nach deinen Stärken geben würdest? Dann streiche sie sofort aus deinem Repertoire. Aussagen wie diese sind abgedroschen und wenig Aussagekräftig, weil sie Eigenschaften beschreiben, die in der Arbeitswelt Grundvoraussetzungen sind. Wirklich überzeugen wirst du damit nicht. Auch Autor und Coach Christian Thiele hat sich ausgiebig mit dem Thema Stärken beschäftigt und erklärt, was diese eben nicht sind: Erlerntes Verhalten, das uns zwar gut gelingt, aber gleichzeitig Energie kostet.

Nehmen wir an, du bist gut im Organisieren, jedoch löst der Prozess selbst Stress in dir aus und du bist nach Abschluss deines Handelns erschöpft – dann ist Organisationstalent keine deiner Stärken. So zumindest Thiele. Gemeint ist damit nicht der „normale“ Arbeitsstress, sondern vermutlich eher ein Empfinden der Handlung als lästige – trotz guten Ergebnisses. Ob man dieser Ansicht zustimmt, bleibt jedoch jedem selbst überlassen. Denn ist Erschöpfung wirklich ein Faktor, der unsere Stärken beeinflusst, oder sollte eher der Erfolg der Handlung zählen? Gleichzeitig stellt sich nun die Frage, was nach Thieles Ansatz überhaupt Stärken sind.

Stärken sind Energiegeber

Thiele definiert Stärken nicht simpel als das, was wir gut können, sondern als Muster an Gedanken, Empfindungen und Verhaltensweisen, die:

  • dir Energie schenken trotz ihres Aufwands
  • dir Erfolge und positives Feedback einbringen
  • eng mit deiner Identität, deinem „wahren Selbst“ verbunden sind

Thiele beschränkt die Eigenschaften von Stärken also nicht nur auf das „Gut-Können“, sondern bezieht auch ihre Auswirkungen mit ein. Doch bedeutet dies im Umkehrschluss, dass vermutliche Stärken, die nicht den oben genannten Punkten entsprechen, keine sind? Gerade das „Energie schenken“ sollte dabei kritisch reflektiert werden, denn es gibt auch Menschen, die eine Handlung trotz folgender Erschöpfung als erfreulich empfinden und ein gutes Ergebnis abliefern. Einige Personen brauchen auch einfach positiven Stress bei der Arbeit als Ansporn.

Beispiele für Stärken führt Thiele auf seiner Website auf. Besonders interessant hierbei ist seine Einteilung nach Kategorien, die zeigt, dass Stärken eben doch nicht nur die offensichtlichen Hard und Soft Skills in der Arbeitswelt sind.

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Hab keine Angst davor, deine Stärken kennenzulernen

Wieso fällt den meisten aber das Erkennen und Nennen ihrer Stärken so schwer? Auch hierfür hat Thiele eine Erklärung. Zum einen ist es so, dass wir von der Gesellschaft auf Bescheidenheit getrimmt worden sind. Mit den Stärken zu hausieren ist daher eine große Herausforderung für viele. Zudem sind wir oft blind für das, was uns gut liegt, weil wir es als selbstverständlich verstehen. Daher kann es hilfreich sein, Freunde oder Familie danach zu fragen, was die eigenen Stärken sein könnten. Leider ist es aber auch so, dass unsere Schwächen und Misserfolge oft schwerer zu wiegen scheinen und wir darüber hinaus unsere Stärken übersehen. Ein Phänomen, das häufig zu beobachten ist. Stärken stecken aber in jedem von uns, auch in dir. Thiele erklärt:

(Praktisch) jeder von uns hat zwei Augen, zwei Ohren, zwei Hände – und doch gleicht kein Auge komplett einem anderen, ist jedes Ohr verschieden, ist jeder Fingerabdruck einmalig. So ähnlich ist es mit den Stärken: JedeR von uns hat ihre/seine eigene Konfiguration aus Können, Talenten, Stärken. Jeder von uns benennt sie ein wenig anders, für die eine ist es eher ‚Präzision‘, was sie ausmacht, für den anderen ‚Genauigkeit‘, für die übernächste ‚Korrektheit‘ etc.

Deine Aufgabe ist es nun, herauszufinden, wo deine wahren Stärken liegen. Der Ansatz von Thiele dafür ist im ersten Augenblick etwas abstrakt und es fehlen Definitionen, wie die vom „wahren Selbst“. Auch genauere Erklärungen zum Thema „Energieraub“ und „Energie schenken“ wären hilfreich. Die Idee jedoch ist interessant und am Ende könnten dir die Grundzüge dieser Sichtweise mehr bringen als die bloße Aufzählung von gelernten Skills. Denn wenn deine Stärken dir Motivation schenken und du Freude an bestimmten Handlungen hast, wirkt sich das positiv auf deine Leistung aus – besonders im Vergleich zu Dingen, die du eher als lästig empfindest. Anstatt also beim nächsten Bewerbungsgespräch bei der Frage ins Stocken zu geraten, bereite dich doch mit Hilfe dieses Ansatzes darauf vor. Denn in dir steckt mehr als nur Pünktlichkeit.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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