Mit Wahnsinn zum Erfolg: Die absurdesten Karrieretipps

Mit teils unorthodoxen Methoden konnte manch einer sich eine Karriere aufbauen. Wir zeigen dir die absurdesten Karrieretipps.

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Karrieretipps gibt es viele und oftmals sind diese repetitiv. Dass man, wenn man nur verrückt genug ist, auch daraus eine Karriere machen kann, wird hierbei häufig vergessen. Wir zeigen dir zwei Personenbeispiele, die sich mit eher ungewöhnlichen Methoden eine Karriere aufbauen konnten – oder zumindest ein Renommee.

Joshua Norton, Amerikas Kaiser – Fake It Till You Make It

Falls dir bis eben nicht bewusst war, dass es einst einen amerikanischen Kaiser gab, ist dies vollkommen legitim, denn damit liegst du richtig. Joshua Norton war einst ein gescheiterter Geschäftsmann in San Francisco. Er investierte viel in peruanischen Reis, da er dachte hierin würde das nächste große Geschäft liegen. Kurzum: Tat es nicht. Frustriert über seine Fehlinvestition, entschloss Norton sich für einen alternativen, überaus bizarren Karrierepfad: Das Kaisertum. Selbst ernannte dieser sich zum ersten amerikanischen Kaiser sowie Schutzherrn Mexikos und bat Zeitungen seine Kundgebungen zu veröffentlichen – und sie taten es. Norton erfreute sich großer Beliebtheit bei den Bewohnern San Franciscos und auch, wenn er natürlich nie ein offizieller Kaiser wurde, verneigten sich die Leute, wenn sie ihm begegneten, lasen begeistert seine kaiserlichen Botschaften und referierten auch zu ihm als Joshua Norton I., Schutzherr Mexikos und Kaiser Amerikas.

Mit seiner Exzentrizität baute Norton sich eine ganz außergewöhnliche Karriere auf, wenn man diese denn so nennen mag. Ein Fake It Till You Make It-Prozedere der besten Form kam zustande und bis dato ist Norton eine Kultfigur. Der Ratschlag, man solle einen Schein aufrecht bewahren, bis man am Ziel angekommen ist, ist keine Seltenheit. Wie weit die Grenzen hierbei liegen, wird jedoch oftmals unterschätzt und prinzipiell verlaufen diese parallel zum eigenen Einfallsreichtum. Kaiser wird wohl keiner von uns. Das ist auch gut so. In dem Ausmaß, in welchem Norton dieses Ziel jedoch verfolgte, qualifiziert es sich allemal in unserer Liste der ungewöhnlichen Karrieretipps. Eine Verhaltensart, von der man sich eventuell, aber nicht zwingend, eine Scheibe abschneiden kann.

Neil Gaiman und die Reise an die Bergspitze

An dieser Stelle machen wir einen eher drastischen Personensprung von Norton zu Neil Gaiman. Ein zeitgenössischer Autor, der unter anderem mit Werken wie Good Omens, American Gods oder auch Coraline in den Mainstream geraten ist. Wenn man einen genaueren Blick auf die Karriere des Autors wirft, wird man feststellen, wie ungewöhnlich diese doch eigentlich ist. Statt zu studieren, einer Lehre nachzugehen oder Derartigem, widmete Gaiman sich sofort seiner Arbeit als Redakteur. Wenn er Gastbeiträge schrieb und man ihn fragte, für welche Magazine er den Artikel bereits verfasst hat, dann log er. Zugegeben, in Zeiten des Internets keine vielversprechende Strategie. Ein bisschen Weisheit machte er jedoch publik in seiner „Make Good Art“-Rede. Dort erzählte Gaiman davon, wie er teils lukrative Jobs ablehnte, denn auch, wenn diese gut bezahlt worden wären, hätten sie ihn beim metaphorischen Berg, den er Karriere nannte, nicht an die Spitze geführt – und diese wollte er erreichen. Sein Ziel nicht aus den Augen verlieren, so gut das Angebot auch sein mag, ist dementsprechend die von ihm gegebene Lektion. Und auch das mag kein ungewöhnlicher Tipp sein, sobald sich allerdings ein Angebot auftut, welches vielversprechend scheint, einem jedoch im Endeffekt nicht weiterhilft, sollte sich zeigen, warum dieser Eintrag in die absurden Karrieretipps findet.

Doch ist dies nicht der wichtigste Ratschlag des Autors. Nach Gaimans Erfahrung kriegen Leute Jobs, weil sie nun mal irgendwie den Job gekriegt haben. Wichtig ist, warum sie diesen behalten – und hierfür gibt es drei Aspekte. Man behält seinen Job, denn die geleistete Arbeit ist gut. Und es ist angenehm mit der Person zu arbeiten. Und die Arbeit wird rechtzeitig fertig. Das Wunderbare laut Gaiman ist hierbei, dass man nicht einmal alle drei Kriterien erfüllen muss, zwei seien vollkommen ausreichend. Menschen werden tolerieren, wie unangenehm du bist, wenn die geleistete Arbeit gut ist und rechtzeitig vorliegt. Man wir dir verzeihen, dass deine Arbeit zu spät abgegeben wird, wenn sie gut ist und du gemocht wirst. Und du musst nicht so gut wie andere sein, wenn du immer pünktlich bist und es stets eine Freude ist, von dir zu hören. Für Gaiman hat all dies funktioniert und mittlerweile ist er einer der bedeutendsten Schriftsteller unserer Zeit.

Den eigenen Weg finden

Auch wenn Karrieretipps hilfreich sein können, unterliegen sie einem klassischen Problem: Deine Karriere ist mit keiner anderen vergleichbar und du wirst eigene Erfahrungen sammeln; Tipps aufgreifen, wo du hofftest, man hätte sie dir geben können, als du gerade angefangen hast. Das ist etwas Fantastisches. Sich eine Hilfestellung nehmen, bis man soweit ist, ist jedoch keineswegs verwerflich – und von außergewöhnlichen Menschen wie Gaiman und Norton kann man außergewöhnliche Dinge lernen.

Über Toni Gau

Toni Gau

Toni Gau ist freischaffender Blogger, wobei sein Augenmerk auf Popkultur, Literatur und Storytelling liegt, mit eigens geschriebenen Geschichten zwischendrin. Nach dazugehörigem Studium setzt er hier nun seine Arbeit fort und schreibt seit März 2019 für OnlineMarketing.de

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