Unzufriedenheit im Job und Angst vor der Rente: Wieso Arbeitnehmer in Deutschland leiden

Besondere Schuld an dem Dilemma trägt der Mangel an flexiblen Arbeitsmodellen für Mitarbeiter. Gleichzeitig scheut man sich in Deutschland noch vor Freelancing und Co.

© Gift Habeshaw- Unsplash

Bist du zufrieden mit deiner derzeitigen Arbeitssituation? Im Dezember letzten Jahres stellten Fiverr und YouGov diese Frage an rund 2.000 Arbeitnehmer in Deutschland – mit einem traurigen Ergebnis. Über die Hälfte der Befragten ist mit ihrem derzeitigen Job unzufrieden und möchte etwas ändern. Zudem wurden im Rahmen der Umfrage noch weitere New-Work-relevante Themen wie Freelancing und Rentenabsicherung thematisiert. Anhand dessen zeigt sich, dass auf dem deutschen Arbeitsmarkt immer noch eine gewisse Grundangst vor dem Neuen vorherrscht.

Der große Wunsch: Flexibles Arbeiten mit Festanstellung

Dass über die Hälfte der Befragten unzufrieden mit der aktuellen Arbeitssituation ist, bleibt ein generationsübergreifendes Phänomen. Bei den Teilnehmern zwischen 18 und 75+ Jahren ist der Wunsch nach flexiblen Arbeitsmodellen groß. Gleichzeitig möchten die Arbeitnehmer aber die Sicherheit einer Festanstellung genießen. Nur fünf Prozent planen bislang den Schritt in die Selbstständigkeit. 13 Prozent wären schon damit zufrieden, die Chance auf Home Office zu erhalten. Bei anderen geht der Groll jedoch tiefer. Unter den Befragten sind elf Prozent generell unzufrieden mit ihrem Unternehmen und suchen nach neuen Jobs, während zehn Prozent sogar gleich komplett die Branche wechseln wollen.

Infografik: Warum Beschäftigte einen neuen Job suchen | Statista

Auch diese Grafik einer Studie von Indeed zeigt, wie wichtig Arbeitsbedingungen und Flexibilität den Arbeitnehmern sind.

Besonders hart scheint es übrigens die Millennials und Generation Z zu treffen. In dieser Altersklasse (18-39 Jahre) wollen 60 Prozent etwas an ihrer aktuellen Arbeitssituation ändern. Dabei ist anscheinend Freiheit den jüngeren Arbeitnehmern besonders wichtig, denn über 40 Prozent von ihnen können sich vorstellen, als Freelancer zu arbeiten oder tun dies bereits.

Freelancing und Rente als großes Streitthema

Trotz dessen spaltet Freelancing die Gemüter: In Generation X (40-54 Jahre) lehnen 51 Prozent der Befragten diese Arbeitsform vollends ab. Warum dem so ist, wurde in der Studie ebenfalls geklärt. Während 34 Prozent befürchten, nicht genügend Aufträge zu erhalten, fürchten 27 Prozent, dass die Grenze zwischen Arbeits- und Privatleben zu sehr verschwimmt. Bei den Freelancing-Gegnern aus Gen Z geben 50 Prozent ihre Angst davor zu, den Überblick über die eigenen Finanzen zu verlieren. Allgegenwärtig scheint diesbezüglich auch die Sorge um die Rente. 45 Prozent der jüngeren Arbeitnehmer und 33 Prozent von Gen X denken, dass sie durch Freelancing zu wenig Rente erhalten werden. Peggy de Lange, VP International Expansion bei Fiverr, erklärt zu der Umfrage:

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass die Deutschen gerne etwas an ihrer aktuellen beruflichen Situation ändern möchten, aber neue Arbeitsformen für sie noch keine Alternative zur Festanstellung darstellen. Unsere Befragten ziehen es vor, Teilaspekte der neuen Arbeitswelt, wie flexible Arbeitszeiten oder Remote Work, in ihren jetzigen Job einfließen zu lassen, statt beim globalen Freelancer-Trend mitzumachen.

Die Angst um die Rente wird jedoch nicht nur beim Freelancing laut. Unabhängig von der Art der Anstellung, glauben knapp 70 Prozent aller Befragten, dass ihr aktueller Job sie im Alter nicht finanziell absichern wird. Daraus resultiert, dass 44 Prozent darüber nachdenken sich neben der Rente freiberuflich etwas dazuzuverdienen. Die Bereitschaft variiert jedoch je nach Alter. Während es sich in der jungen Gen Z 52 Prozent vorstellen könnten, sind es unter den eigentlichen Rentnern (71-95 Jahre) nur 33 Prozent.

Was lernen wir aus den Ergebnissen?

Zum einen, dass deutsche Arbeitgeber die Bedeutung von Freiheit für die Mitarbeiter immer noch nicht verstanden haben. Das zeigt der stetige Wunsch nach Home Office und anderen, flexiblen Arbeitsmodellen. Gleichzeitig halten die Arbeitnehmer aber an der Sicherheit der Tradition fest und wünschen sich eine Festanstellung, die sie (hoffentlich) fürs Rentenalter absichert. Dem Freelancing-Trend stehen viele noch skeptisch gegenüber, doch gerade die Bereitschaft unter den jungen Generationen zeigt, dass es im Laufe der nächsten Jahre immer mehr Freelancer geben könnte. Arbeitgeber sollten sich die Ergebnisse der Studie besonders zu Herzen nehmen: Wenn über 50 Prozent der Angestellten unzufrieden mit Job und Unternehmen sind, wird es Zeit für ein Umdenken. Denn mehr Freiheit für die Mitarbeiter kann die Zufriedenheit wieder steigern und das allgemeine Arbeitsklima verbessern. In jedem Fall dürfen wir aber gespannt bleiben, wie sich der Arbeitsmarkt in den nächsten Jahren weiterentwickelt und welche Folgen dies für unseren Arbeitsalltag hat.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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