Rhetorik im Job: Mit diesen Hacks führt Sprache dich zum Erfolg

Egal ob in Präsentationen oder Bewerbungsgesprächen: Deine Ausdrucksweise muss überzeugen. Einfache Ratschläge ermöglichen dir genau das, trotz Nervosität.

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Freies Sprechen ist so eine Sache: Die Einen beherrschen es perfekt und fesseln ihr Gegenüber schon mit dem ersten Satz. Die Anderen sind nervös und geraten ins Straucheln oder Stottern, weil sie bemerken, dass ihr Gesprächspartner sich langweilt. Gehörst du eher zur zweiten Sorte von Rednern, verzweifle nicht. Denn mit ein paar einfachen Tricks kannst du deine Rhetorik verbessern. Um dir zu zeigen, wie das möglich ist, beginnen wir mit allgemeinen Hinweisen zu Ausdruck und Körpersprache. Danach gehen wir spezifisch auf die wichtigsten Situationen im Berufsleben ein: Bewerbungsgespräche und Präsentationen für Kollegen oder Kunden.

4 Rhetorik-Hacks für Jedermann

Die Art und Weise wie du sprichst, beeinflusst nicht nur dein Berufsleben, sondern auch deinen Alltag. Vermutlich kennt jeder von uns im privaten Rahmen diese eine Person, deren Geschichten man einfach nicht zuhören kann. Damit du nicht eben diese Person wirst, versuche die folgenden Ratschläge zu befolgen. Sie können deine Rhetorik für jede Lebenssituation, egal ob privat oder beruflich, verbessern. Als wichtigster Hinweis gilt jedoch: Vorbereitung ist manchmal alles. Willst du dich gezielt auf ein Gespräch oder eine Rede vorbereiten, übe vorher, beobachte dich selbst und bitte Bekannte um eine Einschätzung. Sie könnten dir entscheidende Hinweise zur Verbesserung deiner Rhetorik geben.

1. Vermeide Monotonie

Viele kennen es vermutlich noch aus Studium oder Schule: Dieser eine Dozent, der am Rednerpult steht und so stur von einem Zettel abliest, dass man schon bald droht einzuschlafen. Genau das solltest du beim Reden vermeiden. Deine Stimme sollte Akzente setzen, besondere Stellen in deiner Geschichte durch Betonung unterstreichen und verschiedene Tonhöhen haben. Im Normalfall geschieht das automatisch, doch gerade, wenn du Stichpunkte oder einen ganzen Text vorbereitet hast, bist du gefährdet in die Monotonie zu verfallen. Ein guter Tipp ist es deshalb, Pausen oder besondere Betonungen in deinen Notizen farblich hervorzuheben.

2. Mach dich nicht kleiner, als du bist

Dieser Punkt ist wörtlich zu verstehen. Deine Körpersprache spielt eine große Rolle darin, wie dein Gegenüber dich wahrnimmt. Stehst du beim Sprechen, solltest du dich nicht gedrungen in eine Ecke stellen und die Schultern einziehen, sondern Raum einnehmen. Mit geradem Rücken und Schultern wirkst du auf jeden Fall größer und selbstbewusster. Bewege dich außerdem, wenn du zum Beispiel eine Präsentation hältst. Studien zeigen, dass das Einnehmen von Raum einen positiven Effekt auf die Hörer hat. Sitzt du hingegen auf einem Stuhl, wie im Bewerbungsgespräch, achte wieder auf eine gerade Körperhaltung. Sieh die Sitzgelegenheit außerdem nicht als Käfig an, sondern nimm selbstbewusst Platz – zum Beispiel, indem du die Ellenbogen auf die Lehne stützt oder die Beine überschlägst.

3. Bekämpfe Nervosität mit den Händen

Die meisten Menschen leiden unter Lampenfieber, wenn ihnen ein wichtiges Gespräch oder eine Präsentation bevorsteht. Ein Resultat ist ein nervöses Herumfuchteln mit den Händen. Jedoch kannst du deine Hände auch gezielt nutzen, um die Nervosität zu überwinden – und gleichzeitig selbstbewusster wirken. Offene Handgesten wirken ansprechend auf dein Publikum. Dein Gestikulieren muss also keinen negativen Effekt haben, solange du es kontrollieren kannst. Für diejenigen, die ihre Hände einfach nicht im Griff haben, empfiehlt es sich etwas festzuhalten, Karteikarten, einen Laserpointer oder einfach einen Stift. Dadurch hältst du deine Hände automatisch ruhiger und wedelst nicht herum wie ein aufgescheuchtes Huhn.

4. Lasse Vorsicht walten bei Phrasen und Humor

In der Schule lernt man bestimmte Redewendungen und Formulierungen, die man in jeder Klausur und jedem Referat wiedergibt, weil man weiß, dass sie dem Lehrer gefallen. Im Berufsleben jedoch wirkt ein übermäßiger Gebrauch von Phrasen abgedroschen. Man könnte denken, du reihst Formulierungen aneinander, um gut zu klingen, ohne dabei jedoch eine Message zu senden – so wie Politiker es oft tun. Versuche deshalb deine eigenen Worte zu nutzen, um eine Problematik darzustellen und auf den Punkt zu bringen. Und natürlich ist Humor ein Mittel, um dein Gegenüber anzusprechen. Jedoch solltest du es mit diesem nicht übertreiben. Nutze ihn nur dann, wenn er auch wirklich lustig ist. Denn nichts ist peinlicher als einen Witz in einer Rede zu erzählen, auf den eisiges Schweigen folgt.

4 Rhetorik-Hacks für das Bewerbungsgespräch

Vorstellungsgespräche sind für viele ein Durchbruch in der Jobsuche, gleichzeitig aber auch ein enormer Stressfaktor. Die folgenden Tipps helfen dir dabei zu überzeugen, auch wenn du an Nervosität leidest.

1. Sprich langsam und durchdacht

Nervosität verleitet uns oft dazu, zu schnell zu sprechen und Lückenfüller wie „ähm“ zu benutzen. Um das zu vermeiden, solltest du ganz bewusst versuchen, langsam zu reden. Achte aber darauf, dass es nicht zu unnatürlich wirkt und der Personaler das Gefühl bekommt, du würdest ihn für minderbemittelt halten. Denke einen kurzen Moment nach, bevor du auf eine Frage antwortest. Sei dir bewusst, was du ausdrücken möchtest und formuliere dies langsam, ruhig und mit fester Stimme.

2. Formuliere kurze Sätze

Es ist wichtig, dass du im Bewerbungsgespräch auf den Punkt kommst und nicht lange um den heißen Brei herumredest. Kurze Sätze und Formulierungen sind der Schlüssel dafür. Und solltest du doch einmal weiter ausholen müssen, dann beginne nicht beim Urknall. Von Vorteil ist es, wenn du dir Zuhause bereits Antworten auf Standardfragen zurechtlegst, so gerätst du gar nicht erst in Gefahr, von spontanen Gedanken abgelenkt zu werden, die dich auf den falschen Weg führen. Sei jedoch auch nicht zu knapp angebunden. Auf die Frage, wieso du für die Stelle geeignet bist, zu antworten: „Weil ich alle Qualifikationen mitbringe“, ist dann doch etwas zu kurz.

3. Benutze positive Formulierungen

Um deinen Gesprächspartner unbewusst zu beeinflussen, solltest du versuchen negative Ausdrücke zu vermeiden. Gemeint ist damit zum Beispiel so etwas: Anstatt zu sagen, dass Routine dich auf Dauer langweilt, sage: „Ich stelle mich gern neuen Herausforderungen und Aufgaben“. Positive Botschaften vermitteln deinem Gegenüber auch ein positives Bild von dir. Aber Vorsicht: bei der Frage nach deinen Schwächen solltest du diese Methode nicht anwenden. „Ich bin oft überengagiert“, ist nicht das, was dein Gegenüber hören möchte.

4. Sei ein Nachahmer

Klingt seltsam, wirkt aber tatsächlich. Wenn du im Bewerbungsgespräch die Gesten und Handlungen deines Gegenübers imitierst, erschaffst du ein Gefühl der Verbundenheit. Greife zum Beispiel zum Glas Wasser, wenn der Personaler es auch tut. Oder nimm eine ähnliche Sitzhaltung ein. Jedoch musst du darauf achten, nicht eins zu eins alles nachzumachen. Dadurch kommt dein Gesprächspartner sich wohl eher veräppelt vor. Der Schlüssel zum Erfolg dieser Methode ist, es unauffällig zu tun.

4 Rhetorik-Hacks für Präsentationen

Reden und Präsentationen vor Kollegen, Vorgesetzten oder gar Kunden sind die erste Liga der Redekunst. Man steht mehr als nur einem Gesprächspartner gegenüber und muss versuchen ein ganzes Publikum zu begeistern – selbst wenn es nur 10 Personen sind. Kein Wunder also, dass Vielen davor graut. Doch die folgenden Hinweise helfen dir dabei, als guter Redner dazustehen.

1. Nutze einen Attention Grabber zur Einleitung

Unter gar keinen Umständen solltest du eine Präsentation mit folgendem Satz beginnen: „Hallo mein Name ist XY und heute rede ich über Thema Blabla.“ Eine Rede sollte das Publikum ab dem ersten Satz fesseln und mit dieser Formulierung gelingt es dir definitiv nicht. Als Attention Grabber eignen sich stattdessen rhetorische Fragen, die du direkt an die Zuhörer richtest. Ebenso gut funktionieren leicht provozierende Statements, schockierende Fakten, Zukunftsvisionen und in manchen Fällen auch Zitate (diese können jedoch auch wieder zu abgedroschen klingen). Wichtig ist natürlich, dass dein Attention Grabber Bezug zum eigentlichen Thema hat. In einem Meeting könntest du zum Beispiel auf die besseren Verkaufszahlen der Konkurrenz eingehen und hinterher die Frage stellen, wieso eurer Firma dies nicht gelingt.

2. Erzähle eine Geschichte

Storytelling ist eine Methode, die besonders geeignet ist, wenn du deine Audience von dir oder deinem Produkt überzeugen musst. Es geht darum sachliche Informationen auf eine emotionale und nachvollziehbare Weise zu vermitteln, wodurch eine Verbindung zu den Zuhörern entsteht. Wichtig dafür ist, dass du dich vorher mit deinem Publikum auseinandergesetzt hast und weißt, worauf dieses es abgesehen hat. So kannst du spezielle Punkte in deine Präsentation einbauen, die besonders ansprechend sind. Du kannst außerdem auch über Rückschläge sprechen, die du oder das Unternehmen meistern mussten. Da jeder schon einmal Fehlern und Krisen gegenüberstand, wird auch so eine Verbindung geschaffen. Übrigens wird Storytelling besonders gern im Content Marketing angewandt.

3. Sei kein Politiker

Damit gemeint ist, dass du nicht um den heißen Brei herumreden, sondern direkt auf den Punkt kommen sollst. Manche Redner verlieren sich in den eigenen Worten, nutzen Phrasen, Umschreibungen, hochgestochene Worte, um besonders wichtig zu klingen. Doch der Informationsgehalt solcher Reden liegt meist bei null Prozent. Wie schon erwähnt, neigen besonders Politiker zu diesem Fehler. Mach es also besser und stelle zwar eine emotionale Verbindung zum Publikum her, fokussiere dich dabei aber auf die Kernaussagen, die du vermitteln möchtest.

4. Nimm dir ein Beispiel an Aristoteles

Diesem Tipp ist schon Steve Jobs gefolgt, um die Massen zu begeistern. Der Apple-Gründer richtete sich in seinen Präsentationen nach einem antiken Modell, nämlich dem von Aristoteles. Bei diesem gab es drei Instanzen: Ethos, womit du dich als Art moralische Instanz darstellst, Pathos, womit du das Publikum emotional berührst, und Logos, womit du rationale Argumente vermittelst. Ethos ist das Element, was in jeder Rede angewandt wird. Schließlich musst du bei deinen Zuhörern den Eindruck vermitteln, dass du und dein Wort von Bedeutung sind. Ob du dich daneben mehr auf Pathos oder Logos konzentrierst, hängt immer von der Art des Publikums ab. Geschäftspartner interessieren eher die Fakten, während du Kunden emotional ansprichst. Jedoch sollten alle drei Elemente immer zu einem gewissen Grad genutzt werden.

Eine gute Rhetorik ist unabdingbar für Erfolg

Die Art wie du dich präsentierst, kann dir Türen öffnen – oder sie vor deiner Nase schließen. Versuche also an deiner Rhetorik zu arbeiten und lerne mit Nervosität und Lampenfieber umzugehen. Denk daran, niemand ist perfekt – so zeigt zum Beispiel eine aktuelle Analyse, dass BMW-Chef Harald Krüger einer der schlechtesten Redner unter den Top-Managern Deutschlands ist. Ein Vorbild können dir hingegen die Reden von Tim Höttges (Telekom), Elmar Degenhart (Continental) und Dieter Zetsche (Daimler) sein. Wichtig ist, dass du du selbst bleibst, dich natürlich verhältst und deinen Worten Struktur verleihst. So steht dem erfolgreichen Reden nichts mehr im Wege.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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