Recruiting mal anders: Warum Hard Skills nicht mehr zum wichtigsten Einstellungskriterium gehören sollten

Motivation statt Vorkenntnisse: Unternehmen müssen heutzutage innovative Ansätze beim Recruiting verfolgen, um im „War for Talents“ bestehen zu können.

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Das Recruiting von qualifizierten Mitarbeitern gestaltet sich heutzutage äußerst schwierig. Der „War for Talents“ verschärft sich zunehmend, Fachkräfte fehlen in allen Bereichen. Besonders verheerend ist die Lage allerdings im IT-Sektor. Insgesamt 82.000 IT-Stellen waren einer Studie des Branchenverbandes Bitkom vom Dezember 2018 zufolge Endes des letzten Jahres in Deutschland unbesetzt. 2017 waren es 50 Prozent weniger. Diese Ergebnisse veranschaulichen das Ausmaß des bereits bestehenden Fachkräftemangels deutlich. In den kommenden Jahren wird dieser sich jedoch weiter zuspitzen. Um im Kampf um die besten Talente mithalten zu können, müssen Unternehmen veraltete Recruiting-Maßnahmen überdenken. Neue Ansätze sind gefragter denn je.

Durch innovative Recruiting-Maßnahmen neue Talente finden

Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung und Integration neuer, sich rasant entwickelnden Technologien in vielen Unternehmensbereichen entstehen zahlreiche neue Aufgabenbereiche, die die Einstellung von zusätzlichem Personal erfordern. Der Bedarf an hochqualifizierten Arbeitskräften verzeichnet einen stetigen Anstieg, das Angebot an Kandidaten wächst jedoch nicht im gleichen Maße mit. Um im Angebotsüberschuss hervorzustechen und potenzielle neue Mitarbeiter für sich gewinnen zu können, müssen sich Unternehmen von alteingesessenen Maßnahmen zur Personalsuche verabschieden. Innovative Herangehensweisen werden immer wichtiger, um sich erfolgreich im „War for Talents“ durchsetzen zu können.

Vom Idealbild verabschieden: Berufserfahrungen und Fachkenntnisse sind nicht alles

Die Komplexität der Anforderungsprofile von Unternehmen für bestimmte Job-Positionen nimmt kontinuierlich zu. Doch es ist nicht immer erforderlich, dass Bewerber bereits bei der Einstellung über alle Fähig- und Fertigkeiten, die für die Ausübung des Aufgabenbereiches von Nöten sind, verfügen. Viele Firmen halten jedoch noch immer an alten Recruiting-Prozessen fest. Gerade in Zeiten des enormen Fachkräftemangels sollte der Markt allerdings intensiv beobachtet und auf verschiedene Entwicklungen und Trends schnell reagiert werden. HR-Verantwortliche und Führungskräfte legen nach wie vor einen großen Wert auf vorhandene Vorkenntnisse und erlangte Qualifikationen im zu besetzenden Bereich. Doch diese Betrachtungsweise schränkt die Auswahl an Bewerbern erheblich ein. Neben der bisherigen Berufserfahrung sollten im Bewerbungsprozess auch potentialbasierte übergreifende Kompetenzen wie Motivation oder Lösungsorientierung betrachtet werden.


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Beim sogenannten motivationsbasierten Recruiting stehen genau diese Potentiale im Vordergrund. In persönlichen Gesprächen und mit Hilfe von auf die spezifischen Anforderungen angepassten psychologischen Tests werden Eigenschaften von Bewerbern wie Flexibilität, Teamorientierung oder Durchhaltevermögen evaluiert und in den Auswahlprozess einbezogen. Das gibt auch Quereinsteigern die Chance, in einem neuen Job durchzustarten. Interne und externe Weiterbildungen helfen dabei, das neue Personal gezielt zu schulen und ihm einen schnellen Eintritt in den neuen Job zu ermöglichen. Positiver Nebeneffekt: Quereinsteiger betrachten Probleme aus einem anderen Blickwinkel und bringen durch ihre Erfahrungen in anderen Bereichen neue Ideen und Impulse bei der Lösungsfindung und Entwicklung von Prozessen ein. Auch das kann Diversität bedeuten.

Eine ebenfalls zukunftsweisende Variante des Recruitings ist der anonymisierte Bewerbungsprozess. Eingereichte Bewerbungen geben weder Auskunft über den Namen, die Herkunft, das Alter oder das Geschlecht des Kandidaten und können daher absolut neutral betrachtet und bewertet werden. Beim Thema Diversity haben deutsche Unternehmen aber noch großen Nachholbedarf. Vielfalt ist entscheidend für Innovationen und die Lösung von IT-Problemen. Ein vielfältiges Team bringt verschiedenste Standpunkte in Gespräche ein, verfügt über facettenreiche Ideen und beleuchtet Themen aus ganz unterschiedlichen Perspektiven. Hinter dieser Diversität verbirgt sich ein enormes Potential für Unternehmen.

Vielfalt und frischer Wind durch Jobwechsler

Unternehmen, die im Kampf um neue Talente als Sieger hervorgehen möchten, sollten ihre bisherigen Rekrutierungsmaßnahmen überdenken und aktuelle Entwicklungen des Arbeitsmarktes berücksichtigen. Anstatt den Blick ausschließlich auf vorhandene Qualifikationen und bisherige Tätigkeiten eines Bewerbers zu werfen, sollte beim Auswahlprozess von Bewerbern auch ein verstärktes Augenmerk auf die Soft Skills des Kandidaten gelegt werden. Denn im Gegensatz zu Hard Skills können soziale Kompetenzen nur selten erlernt oder antrainiert werden. Obwohl Quereinsteiger und Jobwechsler nicht dem Idealbild vieler Entscheider entsprechen, sollten sie dennoch nicht von vornherein beim Bewerbungsprozess ausgeschlossen werden. Unternehmen müssen sich bewusst machen, dass flexible Karrieren immer mehr an Bedeutung gewinnen und sowohl für den Arbeitgeber als auch den Arbeitnehmer eine Win-Win-Situation bieten.

Über Philipp Leipold

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Philipp Leipold ist seit Januar 2018 Geschäftsführer der Academy Germany GmbH, einer Schule für Erwachsene mit Fokus auf Accelerated Learning-Programmen, die primär Quereinsteiger innerhalb von 12 Wochen zu IT-Consultants ausbildet. Er verantwortet Tätigkeiten in den Bereichen Unternehmensstrategie, Sales und Operations. Der studierte Diplom-Psychologe unterrichtet nebenbei Wirtschaftspsychologie und arbeitet als freiberuflicher Business Coach und Speaker.

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