Mit Mood Food gegen den Winterblues im Büro – Klappt das wirklich?

Essen macht glücklich – glauben zumindest viele. Doch können Lebensmittel wirklich unseren Serotoninspiegel heben, oder haben wir es mit einem Placebo-Effekt zu tun?

© rawpixel - Unsplash

Superfood ist in aller Munde und wird von Lifestylern und Fitness-Junkies angepriesen. Es soll uns gesünder und fitter machen, was ja grundsätzlich nicht verkehrt ist. Doch viel zu oft wird darüber hinaus vergessen, dass man manchmal einfach Essen benötigt, dass einen glücklich macht. Mood Food (auch Happy Food) sind Lebensmittel oder Gerichte, die uns ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Das ist vor allem im stressigen Arbeitsalltag oft nötig, gerade jetzt in der kalten Jahreszeit. Als Auslöser dafür wird das „Glückshormon“ Serotonin verantwortlich gemacht. Ob dies aber wirklich stimmt und welches Essen echtes Mood Food ist, versuchen wir im Folgenden zu klären.

Diese Lebensmittel sollen deine Stimmung heben

Wenn es um Essen geht, das glücklich macht, denken viele von euch sicherlich direkt an Pizza oder Schokolade. Zugegeben, beides ist lecker und beliebt. Doch um wirklich gegen den Winterblues zu kämpfen, hilft vor allem Vitamin-D-haltiges. So zum Beispiel Eier und Bananen, die sich einfach in deinen Arbeitsalltag integrieren lassen. Eier können in sämtlichen Variationen und zu jeder Mahlzeit gegessen werden. Und die gelben Südfrüchte eignen sich als Snack für Zwischendurch oder direkt zum Frühstück in einem Smoothie oder Müsli. So soll man bereits Morgens gute Laune heraufbeschwören. Und auch Milchprodukte, selbst wenn manche sie verfluchen, gehören zu den Mood Foods.

Weitere Lebensmittel, die du in deine Gute-Laune-Ernährung mit einbeziehen könntest, sind Fisch und Pilze. Auch hier sind unzählige Variationen möglich, sodass man dem Essen nicht zu schnell überdrüssig wird. Und natürlich darf auch in diesem Bericht die Avocado nicht fehlen, die sowohl Super- als auch Happy Food ist. Aber Vorsicht: Für die Umwelt sind die grünen Nährstofflieferanten ein Graus. Ein Lebensmittel, das bei vielen hingegen einen Würgereiz auslöst, ist Leber. Schon Oma hat versucht das Immunsystem ihrer Enkel durch den allseits verhassten Lebertran zu verbessern. Und damit lag sie nicht mal falsch, denn aufgrund des hohen Vitamin-D-Gehalts soll Leber die Laune ebenso heben, wie Bananen und Fisch. Ob man es mag, bleibt wie immer Geschmackssache. Als Stimmungsheber gelten außerdem:

  • Honig
  • Olivenöl
  • Blaubeeren
  • Dunkle Schokolade
  • Jogurt
  • Mango
  • Rotwein
  • Kürbiskerne
  • Grüner Tee
  • Erbsen
  • Birnen

Diese Sache mit dem Serotonin…

Als „Glückshormon“ wird Serotonin immer wieder gehuldigt. Und tatsächlich sorgt es für innere Ruhe, macht uns leistungsfähiger und sorgt dafür, dass Angst und Unsicherheit von einer Art Zufriedenheit überschattet werden. Doch bringt es wirklich etwas, serotoninhaltige Lebensmittel zu essen? Leider antworten die meisten Wissenschaftler mit Nein. Schuld daran ist die sogenannte Blut-Hirn-Schranke. Sie wirkt wie ein Türsteher und verhindert, dass bestimmte Stoffe über das Blut ins Hirn gelangen. Lediglich ausgewählte Stoffe, wie bestimmte Aminosäuren, schaffen es durch diese Barriere. Und so kommt das Serotonin, welches wir durch Nahrungsmittel zu uns nehmen, nicht in unserem Gehirn an.

Die Lösung ist eine Aminosäure

Um jedoch Serotonin bilden zu können, brauchen wir etwas Hilfe. Denn ein Baustein des Hormons ist die Aminosäure Tryptophan. Diese kann nicht vom Körper selbst hergestellt werden und muss dementsprechend über die Nahrung aufgenommen werden. Essen wir also gezielt tryptophanhaltige Lebensmittel, kann die Serotoninbildung angeregt werden, denn die Aminosäure kann die Blut-Hirn-Schranke passieren. Diese Lebensmittel enthalten besonders viel Tryptophan:

  • Sojabohnen
  • Cashewkerne
  • ungesüßtes Kakaopulver
  • Haferflocken
  • Kuhmilch mit hohem Fettgehalt
  • ungeschälter Reis
  • Hühnereier
  • Walnüsse

Jedoch gilt auch hier wieder, dass viel Tryptophan nicht automatisch viel Serotonin bedeutet. Die Bildung des Glückshormons kann nämlich auch durch andere Faktoren negativ beeinflusst werden, wie Stress und Magnesiummangel.

Gibt es denn nun Mood Food oder handelt es sich um einen Mythos?

Gute Frage. Tatsächlich gibt es Studien, die einen Zusammenhang zwischen Ernährung und psychischem Zustand herstellen. So könnte eine Verbindung zwischen Depressionen und einer zucker- und fleischhaltigen Ernährung bestehen. Jedoch, so Wissenschaftler der Universität Harvard, sind diese Rückschlüsse eher vage. Die menschliche Psyche sei zu komplex, als dass man ihren Zustand rein auf die Ernährung zurückführen könne. Ebenso gibt es zahlreiche andere Faktoren, die Depressionen auslösen können, egal wie sich jemand ernährt. Es gibt also keinen eindeutigen Beweis für die Wirksamkeit von Mood Food auf den Serotoninspiegel. Das muss aber nicht heißen, dass Essen nicht doch glücklich machen kann.

Wir nutzen Essen als Belohnung – und werden glücklich

Jeder kennt vermutlich das warme Gefühl, das sich im Körper ausbreitet, wenn man nach einem harten Tag nach Hause kommt und sich auf sein Lieblingsessen zum Abendbrot freuen kann. Egal ob Spaghetti Bolognese, Pizza, Döner oder einfach ein knackiger Salat – wir empfinden in jenen Momenten Glück, weil Essen zur Belohnung wird. Eine Belohnung für unser Tageswerk. Den gleichen Effekt hat es auch, wenn wir während der Arbeit selbst Süßigkeiten oder Obst zu uns nehmen, nachdem wir eine schwere Aufgabe gelöst haben. Ernährungsmediziner Dr. Thomas Ellrot erklärt:

Man koppelt den Geschmack eines Lebensmittels an eine parallele, ganz positive Lebenssituation. Und später, wenn man dieses Lebensmittel zu einer anderen Situation isst, kann man automatisch dieses positive Gefühl mit dem Geschmack des Lebensmittels wieder abrufen. Und das ist eher der typische Weg, wie bestimmte Lebensmittel uns glücklich machen.

Ausgelöst wird unser Glücksgefühl in diesem Sinne also nicht von Serotonin, sondern Dopamin. Deshalb ist es fraglich, wie sehr und ob die oben aufgelisteten Lebensmittel uns gegen den Winterblues im Büro helfen können. Nichtsdestotrotz kannst du versuchen, einige von ihnen in deine Ernährung aufzunehmen. So kannst du testen, ob etwas davon zumindest als Happy-Macher für dich wirkt. Und sollte dein Glücksgefühl doch eher durch ungesundes, aber dafür leckeres Essen ausgelöst werden, setze es wirklich gezielt als Belohnung nach harten Arbeitstagen ein. Denn ein übermäßiger Verzehr von Fett und Zucker kann trotz Glücks-Shots zu Beschwerden führen, die dich länger begleiten werden.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.