“Ein Bewerber brachte Proben seiner Kochkunst mit und stellte sie uns auf den Tisch” – Claudia Lang, Geschäftsführerin Community Life

Claudia Lang Gründerin, Geschäftsführerin von Community Life, gibt spannende Einblicke in den Bewerbungsprozess der Onlinebranche.

Ihr habt euch schon immer gefragt, wie Firmen ihre Bewerbungsprozesse meistern? Auf was wird besonders geachtet und welches sind absolute No-Gos? Wir haben mit Claudia Lang, Geschäftsführerin und Mitgründerin von Community Life, gesprochen, um genau das für euch herauszufinden. Viel Spaß beim Lesen!

Interview mit Claudia Lang, Geschäftsführerin von Community Life

OnlineMarketing.de: Stell dich und euer Unternehmen bitte kurz vor.

Claudia LangIch bin Deutsch-Kanadierin und komme aus Toronto. Ich habe zunächst als Anwältin mit Schwerpunkt Börsenrecht und IPOs in Kanada gearbeitet. 1996 bin ich nach England gezogen und wurde dort Head of International Development bei der Versicherungsgruppe Prudential. Danach wurde ich Vorstand bei der Canada Life in Irland, um von dort aus das grenzüberschreitende Geschäft auszubauen. In dieser Funktion bin ich 2004 nach Deutschland gekommen. Vor drei Jahren haben mein Partner, der auch aus der Branche kommt, und ich beschlossen einen neuen Weg einzuschlagen. Unsere Vision der Versicherung, die zum Menschen heute passt, konnten wir am besten durch einen Startup umsetzen. Deshalb haben wir unsere Konzernkarrieren an den Nagel gehängt und Community Life gegründet.

Community Life hat das Ziel, Versicherungen ins Digitalzeitalter zu bringen: Produktauswahl, Gesundheitscheck, Vertragsabschluss und Kundenservice laufen alle komplett online. Wir möchten unseren Kunden das Leben so einfach wie möglich halten. Deshalb sind beispielsweise unsere Verträge in komplett verständlicher Alltagssprache verfasst. Wir bieten zurzeit eine Berufsunfähigkeits- (BU) und eine Risikolebensversicherung (RLV) an. Beide Produkte werden sehr gut bewertet: Die RLV ist beispielsweise bei der Zeitschrift Ökotest Testsieger geworden und hat vom Magazin Eltern das Siegel „Top-Tarif“ bekommen.

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Office bei Community Life

Welche Rekrutierungskanäle nutzt ihr?

Je nach ausgeschriebener Position ist das recht unterschiedlich. Im Wesentlichen sind es aber die üblichen Wege: Stellenanzeigen in Jobportalen und Business Networking Sites (XING). Wir greifen eher selten auf Personalvermittler zurück. Immer wieder helfen uns auch Empfehlungen aus dem persönlichen Netzwerk beim Finden geeigneter Kandidaten.

Was sind typische Fehler bei einer Bewerbung?

Schon das Anschreiben sollte zeigen, warum der Kandidat auf die Stelle passt. Hat er/sie sich ernsthaft mit der Stelle und der Vision des Unternehmens beschäftigt? Wie versteht er/sie das Unternehmen und die Aufgabe? Wie (und warum!) will er sie bewältigen? Und was bringt er dafür mit? Ein wenig individuelles Standardanschreiben ist nicht nur Indiz für mangelndes Interesse. Es ist auch eine vertane Chance, sich vorteilhaft als Problemlöser zu präsentieren.

Wie sieht ein typischer Bewerbungsprozess bei euch aus?

Die Bewerbung geht ein, wird gesichtet und an den fachlichen Ansprechpartner zur Prüfung weitergeleitet. Ist der Kandidat interessant, gibt es einen ersten Gesprächstermin, meistens per Skype. Da geht es im Wesentlichen um den beruflichen Werdegang und die fachlichen Qualifikationen. Dabei klopfen wir ab, ob der Kandidat sich mit dem Geschäftsmodell der Community Life auseinander gesetzt hat. Wer sich nicht genug Mühe mit seiner Onlinerecherche macht, passt nicht zu uns.

Danach gibt es gegebenenfalls einen zweiten Termin, der immer vor Ort stattfindet. Darin geht es dann vorwiegend um die kulturelle Passung – also die Frage, wie der Kandidat mit potenziellen Kollegen klarkommt. Deshalb sind neben dem Fachverantwortlichen auch Kollegen aus anderen Bereichen mit dabei. Besonders in dem verhältnismäßig kleinen Team eines Start-ups muss die Chemie stimmen.

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Kickern bei Community Life

Verrate mir ein Geheimnis: Wie kann dich ein potentieller Bewerber besonders beeindrucken?

Wir brauchen Teammitglieder, die selbständig mit- und vorausdenken. Der ideale Kandidat sollte also nicht nur mit tiefen Fachkenntnisse glänzen. Mich begeistert die Fähigkeit, über den Tellerrand hinauszuschauen und Aufgaben ins „Große Ganze“ einzuordnen. Hat sich jemand in unser Geschäftsmodell und unsere Situation eingearbeitet? Hat er/sie schon eine Vorstellung entwickelt, die uns weiterbringen könnte?

Gab es einmal einen Moment in einem Bewerbungsgespräch, der dich sprachlos gemacht hat?

Wer mich kennt, weiß, dass bei mir sprachlos nur ganz schwer zu erreichen ist. Aber wir haben einige Erlebnisse gehabt, die sich vom Üblichen etwas abheben. Ein Bewerber klappte seinen Laptop auf und zeigte uns selbstgebastelte Seiten, die er ganz auf Community Life gestyled hatte. Ein anderer brachte Proben seiner Kochkunst und stellte sie uns auf den Tisch. Beides waren ungewöhnliche Gesprächspartner, mit denen wir uns gerne ausgetauscht haben.

Was macht euer Unternehmen aus und warum sollte man bei euch anfangen zu arbeiten?

Die meisten in unserem Team stammen aus der konservativen Versicherungsbranche. Wir gehen gemeinsam einen ganz neuen Weg. Wir wollen es dem digitalen Kunden Recht machen und stellen ihn konsequent in den Mittelpunkt. Dabei opfern wir alle heiligen Kühe dieser Branche, wo immer es einen Vorteil für den Kunden bringt. Dieses Gefühl der Befreiung und der Freiheit beflügelt uns. Es löst eine einmalige Energie aus, die spürt jeder, der bei uns mitmacht. Was bieten wir also? Die Chance, Schulter an Schulter mit den Kollegen eine ganze Branche zu verändern.

Vielen Dank für das Interview!

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