Freiheitsliebende Generation Y: Bei beruflichen Entscheidungen den Partner fragen?

Eine Beförderung oder ein Jobwechsel steht an? Wann du besser deinen Partner in deine Pläne einbeziehst, erfährst du in diesem Beitrag.

Zwei Personen halten sich an der Hand vor weißem Pfeil auf Boden

© Emma Frances Logan - Unsplash

Sprechen Forscher über die Millennials oder die Generation Y, also die etwa 1980 bis 1995 Geborenen, attestieren sie ihnen einen großen Unabhängigkeitsdrang. Das kann sich auf ihre beruflichen Entscheidungen genauso auswirken wie auf ihre Partnerschaft. Wen wundert es, dass die Millennials oft als „Generation beziehungsunfähig“ bezeichnet werden. Stimmt das wirklich? Ist ihnen die Karriere wichtiger als die Partnerschaft? Weit gefehlt!

Erst einmal die Welt entdecken

Eine Studie von Flash Pack mit 3.000 Teilnehmern zeigt, dass der Fokus der Generation Y erst einmal darauf zielt, das Leben auszukosten und die Welt zu entdecken. Um besondere Reisen ermöglichen zu können, verschieben die Befragten lieber klassische Lebensziele wie das Kinder-Bekommen (50 Prozent), Heiraten (49 Prozent) oder gar den Kauf eines Eigenheimes (42 Prozent).

Dennoch nimmt die Familie einen wichtigen Platz im Leben der Ypsiloner ein. Darauf deutet die Absolventenstudie des Kienbaum-Instituts von 2018 hin. Befragt nach wichtigen Werten in ihrem Leben, gaben die Millennials in den Jahren 2016 bis 2018 an, dass ihnen Familie und Freunde am wichtigsten sind. Erst danach folgen Erfolg und Karriere auf Rang zwei. Damit ist die Generation Y doch traditioneller veranlagt, als von womöglich angenommen – trotz des großen Freiheitsdrangs, der sich auch in dieser Studie durch die Wichtigkeit des Reisens in fremde Länder (Rang vier) zeigt.

Balkendiagramm: Auszug aus der Kienbaum-Studie, Mehrfachnennungen waren möglich, angegeben ist die Anzahl der Nennungen

Auszug aus der Kienbaum-Studie, Mehrfachnennungen waren möglich, angegeben ist die Anzahl der Nennungen, © Kienbaum Institut

Ypsiloner beenden Beziehungen häufiger

Allerdings hat die Generation Y eine andere Vorstellung von Partnerschaft. Während sich Vorgängergenerationen eher nach klassischen Beziehungsmodellen wie der Ehe sehnen, sind in der Generation Y offene Beziehungen oder Polygamie nichts Unbekanntes. Kürzer, öfter, aber auch intensiver lautet das Motto. Die Millennials sehnen sich zwar auch nach einer festen Partnerschaft, nur gestalten sie sie häufig anders – und beenden sie rascher.

Ich sehe eine Generation, die viel schneller bereit ist, Leidenssituationen aufzulösen,

sagt Gerold Wehde vom privaten Integralis Institut Hamburg gegenüber dem Hamburger Abendblatt. Passt die Beziehung nicht mehr zum eigenen (Berufs-)Leben, würden sich die Ypsiloner trennen. Ähnlich verhalte es sich bei ihnen mit dem Arbeitsplatz. Er werde häufiger gewechselt, wenn er nicht mehr den eigenen Vorstellungen entspricht.

Unabhängigkeit durch gewandelte Rollenbilder

Persönliche Freiheit und Selbstverwirklichung sind sowohl für Männer als auch für Frauen wichtig. Das zeigt sich auch darin, dass Beziehungen heute generell anders aussehen als früher. Partner müssen nicht mehr starren Rollenbildern entsprechen, in Beziehungen ist heute vieles erlaubt. Häufig gehen beide Partner arbeiten und sind finanziell unabhängig. Gleichberechtigung ist in Beziehungen öfter an der Tagesordnung als früher. Das kann zu Problemen führen, wenn wichtige berufliche Entscheidungen anstehen. Die angebotene Stelle als Führungskraft annehmen? Für das lukrative Jobangebot in eine weit entfernte Stadt ziehen? Das lang herbeigesehnte Auslandsjahr antreten? Wie viel Mitspracherecht dem Partner eingeräumt wird, ist eine Frage, die sich nicht nur die freiheitsliebende Generation Y stellen muss.

Soziales Umfeld und Partnerschaft sind entscheidend

Unabhängig von der Generationszugehörigkeit wird dem Partner oft ein Mitspracherecht eingeräumt. Geld spielt bei Karriere- und Umzugsideen nicht immer die größte Rolle. Vielmehr hängen Entscheidungen vom eigenen sozialen Umfeld und von der Partnerschaft ab. Das zeigen aktuelle Studien von Prof. Dr. Marion Büttgen und Dr. Jan Ullrich vom Lehrstuhl für Unternehmensführung der Universität Hohenheim, für die sie mehr als 1.300 Fach- und Führungskräfte und 200 Lebenspartner befragt haben. Bei jobbedingten Ortswechseln haben Partner ein Wörtchen mitzureden. Häufig ist auch die Frage nach den Jobmöglichkeiten des anderen nach einem Standortwechsel wichtig. Entscheidend ist auch die Erwartungshaltung in Sachen Karriere. Und Marion Büttgen hat festgestellt:

Je materialistischer ein Mitarbeiter seinen Partner wahrnimmt, desto stärker fühlt er eine Erwartung, beruflich erfolgreich zu sein. Dieser Zusammenhang ist für männliche Mitarbeiter stärker als für weibliche Mitarbeiter.

Berufliche Pläne zurückstellen?

Laut einer Umfrage von Statista sehen es 31 Prozent der Frauen und 26 Prozent der Männer als Liebesbeweis an, wenn der Partner oder die Partnerin eigene Wünsche oder Pläne im Leben zurückstellt. Das ist nicht immer leicht – und hängt zudem von der Karriereorientierung ab. Da jeder Partner seine eigenen Berufsziele verfolgt, kann es zu Konflikten kommen. Fällt zum Beispiel die Entscheidung für einen Job- und Wohnortwechsel, kann das die Beziehung kosten.

Balkendiagramm: Umfrage zu Liebesbeweisen bei Statista

Liebesbeweise von Partnern laut einer Umfrage (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © Statista 

Den Partner fragen? Ja oder nein?

Wichtig ist, dass du dir darüber klar wirst, ob der Beruf oder die Partnerschaft in deinem Leben Vorrang hat. Ist die Partnerschaft am wichtigsten, solltet ihr wesentliche berufliche Entscheidungen gemeinsam diskutieren. Hat der Beruf samt persönlicher Freiheit und dem Streben nach Unabhängigkeit höchste Priorität und lässt er sich nicht mit deiner Partnerschaft vereinbaren, solltest du mit der Situation ehrlich umgehen. Das kann auch bedeuten, dass du deinen Partner vor vollendete Tatsachen stellst. Die Konsequenz kann eine Trennung sein. Ebenso ist ein Kompromiss wie eine Fernbeziehung denkbar. Allerdings sehen nur 33 Prozent der Menschen in Deutschland das Modell der Fernbeziehung als Übergangslösung, 21 Prozent möchten höchstens zwei Jahre in einer Fernbeziehung leben.

Balkendiagramm: Einstellungen zu Fernbeziehungen in Deutschland, Umfrage von Statista

Einstellungen zu Fernbeziehungen in Deutschland, © Statista 

Was, wenn Kinder im Spiel sind?

Spätestens wenn Nachwuchs da ist, solltest du wichtige berufliche Entscheidungen nicht mehr allein fällen, denn Kinder brauchen klare Strukturen. Studien belegen, dass sich Väter und Mütter der Generation Y gern gleichberechtigt um die Familie und die eigene Karriere kümmern möchten. Stehen längere Geschäftsreisen oder ein Wohnortwechsel an, solltest du diese unbedingt gemeinsam besprechen.

Berufliche Entscheidungen ohne Konflikte fällen

Das Portal arbeits-abc.de gibt folgende Tipps, wenn du mit deinem Partner Entscheidungen fällen möchtest – ohne Konflikte:

  • Deinem Partner das Gespräch rechtzeitig ankündigen
  • Das Anliegen wertfrei nennen, ohne eine Entscheidung vorwegzunehmen
  • Deinem Gesprächspartner aktiv zuhören und das Gesagte kurz auf dich wirken lassen
  • Gemeinsam eine Pro- und Contra-Liste erstellen oder nach möglichen Alternativen suchen
  • Die möglichen Konsequenzen für alle Familienmitglieder realistisch einschätzen und aufschreiben
  • Sollte es zu keiner Entscheidung kommen, am besten eine Gesprächspause einlegen und dir alle Fakten durch den Kopf gehen lassen. Zu einem geeigneten Moment ein erneutes Gespräch suchen
  • Niemals persönlich werden und von der Entscheidung unabhängige Argumente einbeziehen
  • Bei wiederkehrenden Konflikten kann ein Paartherapeut professionell unterstützen.

Bist du bereit, Kompromisse einzugehen?

Du musst selbst entscheiden, ob du in Sachen Jobs lieber eigene Wege gehst oder besser deinen Partner einbeziehst. Überlege, wie wichtig dir Beruf und Karriere sind und ob du Kompromisse eingehen willst und eigene Wünsche hintenanstellen kannst. Triffst du eine berufliche Wahl zusammen mit deinem Partner, habt ihr einen großen Vorteil: Das Risiko einer möglichen Fehlentscheidung wird auf zwei Schultern verteilt.

Über Viola Klingspohn

Viola Klingspohn ist ausgebildete Redakteurin (Volontariat) und Diplom-Designerin (FH). Sie hat in Zeitungsredaktionen gearbeitet und ein Familienmagazin redaktionell betreut. Seit 2011 ist sie freiberuflich tätig in den Bereichen Grafikdesign und Textkommunikation.

Viola Klingspohn

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