Gehören Referenzen und Empfehlungsschreiben in eine gute Bewerbung?

Die Einen sehen Empfehlungen in Bewerbungen als Alleinstellungsmerkmal, die Anderen halten sie für überflüssig. Die Trends auf dem Arbeitsmarkt gehen jedoch klar in Richtung Referenzen – so wie es international bereits üblich ist.

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Was in anderen Ländern wie den USA schon lange Gang und Gebe ist, gewann in den letzten Jahren auch immer mehr an Beliebtheit in Deutschland: Referenzen in der Bewerbung. Anstatt der berüchtigten Dritten Seite wird eine Liste mit Namen, Unternehmen, Position und den dazugehörigen Telefonnummern sowie E-Mail Adressen beigefügt. Die dort angegeben Kontakte sollen dem neuen Arbeitgeber dann Auskunft darüber geben, ob der Bewerber wirklich dem entspricht, wie er sich im Anschreiben gibt. Inzwischen gibt es sogar Versionen, die aufgebaut sind wie Testimonials. Ein Foto eines ehemaligen Arbeitgebers, eine fürsprechende Bewertung der Leistungen des Bewerbers daneben und et voilá: fertig ist die Empfehlung. Doch ob Referenzen wirklich in eine gute Bewerbung gehören, darüber streiten sich die Geister.

Referenzen können einen Unterschied machen

Bewerber zu unterscheiden kann heutzutage eine echte Herausforderung sein. Grund dafür ist die schiere Masse an Leuten, die versuchen einen bestimmten Job zu ergattern. Durch diverse Bewerbungstipps aus dem Internet wissen die Meisten auch, wie eine gute Bewerbung auszusehen hat. Also muss man versuchen aus der Masse hervorzustechen. Referenzen können dabei den entscheidenden Unterschied machen. Anders als die eher neutralen Arbeitszeugnisse, können Empfehlungen einen persönlichen Eindruck vom Bewerber und dessen Soft Skills vermitteln. Gleichzeitig wird auch gezeigt, dass man nichts aus der Zeit bei füheren Arbeitgebern zu verbergen hat. Durch die angegebenen Kontaktdaten kann der Personaler im persönlichen Gespräch mehr über den Bewerber in Erfahrung bringen. Gerade wenn eine Entscheidung zwischen zwei geeigneten Personen getroffen werden muss, kann die Referenz den Unterschied machen.

Referenzen können aber auch Unsicherheit vermitteln

Oft werden die Empfehlungen in Bewerbungen jedoch auch als unnötig angesehen. Nur die wenigsten Personaler würden wirklich versuchen, den ehemaligen Chef zu kontaktieren und auszufragen. Gleichzeitig können Referenzen sogar einen negativen Eindruck hinterlassen. Ein Bewerber sollte vor allem durch seine Fähigkeiten und Qualifikationen glänzen und sich nicht hinter der Meinung anderer verstecken. Dem Personaler wird dadurch außerdem unterstellt, dass er den Angaben des Bewerbers ohne extra Bestätigung nicht glaubt. In seinem Blog schreibt Karriere- und Business-Coach Dr. Bernd Slaghuis dazu:

Ich bin der Meinung, dass Sie sich in der Rolle als Bewerber durch die Nennung von Referenzen vor allem selbst klein machen und damit schwächen. Und dies unabhängig davon, ob es um die Position des Top-Managers oder die des Angestellten oder Arbeiters geht.

Es wird empfohlen mit Referenzen zu warten, bis der Personaler danach fragt. Andernfalls können diese, wie schon erwähnt, überflüssig sein. Einzig bei Freiberuflern oder Selbstständigen bieten sich besonders Empfehlungsschreiben an, da diesen meist kein klassisches Arbeitszeugnis ausgehändigt wird. So zumindest die Meinung der Skeptiker von Referenzen in Bewerbungen. Jedoch sollte betont werden, dass Empfehlungen eben nicht zwingend solch einen negativen Eindruck vermitteln müssen.

So werden Referenzen richtig in die Bewerbung inkludiert 

Zunächst sollte man sich den Unterschied zwischen Referenz- und Empfehlungsschreiben bewusst machen. Erstere sind allgemein formuliert und geben neben Kontaktdaten einen Überblick über die frühere Arbeitsweise und die Fähigkeiten eines Bewerbers. Im Gegensatz dazu sind Empfehlungsschreiben meist individuell und direkt an eine Person gerichtet. In ihnen wird nicht nur auf Vergangenes eingegangen, sondern vor allem betont, wieso der Bewerber bestens qualifiziert für die neue Stelle ist. Referenzen können also, anders als Empfehlungsschreiben, für mehrere Bewerbungen genutzt werden. Aber Vorsicht: Bevor Kontaktdaten angegeben werden, sollten ehemalige Arbeitgeber und Co. unbedingt um Erlaubnis gefragt werden.

Als Referenzgeber eignen sich ehemalige Chefs, Ausbilder, Kollegen, Geschäftspartner oder sogar Uniprofessoren. Wichtig ist, dass die Person mit der Arbeitsweise des Bewerbers vertraut ist und diese positiv darstellen kann. Wenn statt reinen Kontaktdaten ein ganzes Referenzschreiben beigefügt werden soll, empfiehlt es sich dieses auf dem Firmenpapier zu drucken. Inhaltlich muss es sich von den neutralen Arbeitszeugnissen unterscheiden. Der Schreiber sollte erläutern, in welchem Verhältnis er zum Bewerber steht und wann und wo gemeinsam gearbeitet wurde. Zudem sollten Stärken, Qualitäten und besondere Leistungen erläutert werden.

Referenzen in der Bewerbung ja oder nein?

Die Meinungen in Deutschland darüber, ob jegliche Formen von Empfehlungen in eine Bewerbung gehören, bleiben gespalten. Aktuelle Trends tendieren jedoch definitiv ins Positive. Ein Grund dafür ist vermutlich, dass Referenzen auf internationaler Ebene bereits normal und sogar gewünscht sind. Sie müssen nicht für Unsicherheit stehen, sondern können pures Selbstbewusstsein über die früheren Tätigkeiten symbolisieren. Zudem sind die meisten Arbeitszeugnisse vorgefertigte Schablonen, die nur noch mit dem richtigen Namen versehen werden müssen. Ein Referenzschreiben kann daher viel aussagekräftiger über den Bewerber sein. Mit guten Empfehlungen oder Testimonials sticht man definitiv hervor und darauf kommt es auf dem heutigen Arbeitsmarkt an. Ob man nun also Referenzen angibt, hängt vom Ermessen des Bewerbers, aber auch von der Art des Unternehmens ab. Ist der Betrieb eher konservativ eingestellt, sollte Vorsicht walten gelassen werden. Doch gerade bei internationalen Firmen und Unternehmen, die sich auf die neuen Trends am Arbeitsmarkt einlassen, können sich Empfehlungen gut machen.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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