Fallstudie zeigt: So klappt New Work auch in Handwerksbetrieben und Schichtarbeit

Eine Untersuchung des Bundesministeriums zeigt, wie sich Unternehmen auf Arbeit 4.0 vorbereiten. Im Fokus stehen neben Startups auch traditionelle Unternehmen.

© Anh Tran - Unsplash

New Work wird oft als Konzept betrachtet, das lediglich für experimentierfreudige Startups funktioniert und auf Bürojobs beschränkt ist. Wer sich jedoch wirklich mit dem Prinzip auseinandersetzt, dürfte schnell feststellen, das New Work viel mehr ist und für mehr steht als Tischkicker am Arbeitsplatz. So zeigt eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO), dass das Konzept eben nicht nur in Startups von Bedeutung ist, sondern auch in alteingesessenen Betrieben.

New Work ist überall umsetzbar – mit Einschränkungen

Mit der Förderung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales untersuchte das IAO, wie sich Unternehmen auf Arbeit 4.0 vorbereiten. Insgesamt wurden 18 Betriebe begleitet. Als erstes wurde dabei festgestellt, dass New Work nicht nur in Startups oder in der IT-Branche umgesetzt wird, sondern ebenso in traditionellen Großunternehmen. Ein Blick auf das Thema Flexibilität zeigt, dass die Vertrauensarbeitszeit von etwa 29 Prozent umgesetzt wird, diese jedoch sehr unterschiedlich interpretiert wird. Daher sei dieser Wert mit Vorsicht zu genießen. Auch in puncto Orts-flexibles Arbeiten zeigt sich ein Wachstum. So bieten immer mehr Unternehmen neben dem klassischen Homeoffice auch die Möglichkeit an, wirklich frei zu entscheiden, von wo aus gearbeitet wird. Mitarbeiter sind so selbstbestimmter und müssen nicht nur zwischen Arbeitsplatz und Zuhause wählen, sondern können beispielsweise auch im Café an der Ecke oder sogar im Ausland arbeiten. Das flexible Arbeiten erfreut sich also eines stetigen Wachstums.

Tatsächlich gibt es aber Einschränkungen, was die Umsetzung mancher New Work-Prinzipien angeht. Orts-flexibles Arbeiten sei zum Beispiel bei der Produktion am Fließband nicht umsetzbar. Trotzdem versuchen solche Betriebe andere Prinzipien umzusetzen. So kann versucht werden, den Mitarbeitern mehr Verantwortungen innerhalb des Teams zu geben und sie so zu fördern. Und auch flexible Arbeitszeiten versuchen viele Unternehmen zu gewährleisten – selbst in der Schichtarbeit. Als Voraussetzungen, damit dies jedoch funktioniert, nennt das IAO eine ausreichende Anzahl an Mitarbeitern und ein „gutes Flexibilisierungsmanagement“. Hierbei sei jedoch gesagt, dass dieses flexible Schichtarbeiten wirklich nur dann umsetzbar ist, wenn die oben genannten Voraussetzungen erfüllt sind. Und das ist definitiv nicht in allen Betrieben gegebenen.

Ja zu Flexibilität, nein zu New Management

Ein großes Problem bei der Umsetzung von New Work ist immer noch die Tatsache, dass zu wenig Führungskräfte bereit dazu sind, etwas von ihrer Macht abzugeben. Dabei ist es förderlich den Angestellten mehr Freiheit und Verantwortung zu geben. Trotzdem scheinen flache Hierarchie und Partizipation noch wenig gelebt in Deutschlands Unternehmen. Das IAO schreibt, es muss ein Umdenken in den Köpfen von Managern her. Gerade die traditionellen Unternehmen hätten hier noch großen Nachholbedarf. Denn New Work funktioniere nur dann, wenn auch in der Führungsebene eine Offenheit für Veränderungen herrsche. Gleichzeitig wird jedoch auch gewarnt: Solche strukturellen Änderungen bedürfen Zeit und können nicht von heute auf morgen geschehen. Verantwortungen müssen eindeutig geklärt sein, wenn flache Hierarchien und Partizipation gelingen sollen.

Die Landkarte für New Work des IAO. Sie worauf es bei dem Konzept ankommt. © 2019 Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Hinzu kommt, dass aber auch Forderungen an die Arbeitnehmer selbst gestellt werden müssen. Denn wenn die Führungsebene für einen strukturellen Umbruch bereit ist, müssen Mitarbeiter diesen ebenso unterstützen. Sie müssen dazu bereit sein, neue Verantwortungen anzunehmen und Kompromissbereitschaft zeigen, sowohl gegenüber der Führung als auch ihren Kollegen.

Eine Studie mit wenig Erkenntniswert?

Zugegeben, die Untersuchungen des IAO bringen wenig neue Erkenntnisse. Wachsende Flexibilität und engstirnige Führungsebenen wurden schon in etlichen Studien und Berichten dargestellt. Interessant ist jedoch, dass das IAO auch auf die handwerklichen Betriebe eingeht und solche ebenfalls in den einzelnen Fallstudien untersucht. Bisher ging die Tendenz eher in die Richtung, dass „Experten“ zwar meinten, New Work sei in allen Arbeitsfeldern umsetzbar, jedoch nie konkrete Beispiele liefern konnten. In der Studie des IAO wird hingegen am Beispiel der BurgWarner Ludwigsburg GmbH gezeigt, wie digitale Schichtplanung funktioniert und den Mitarbeitern so mehr Selbstbestimmung und Flexibilität gewährt wird. Besonders wichtig sei hierbei auch, dass die entsprechende App freiwillig genutzt werden kann und niemand dazu gezwungen wird.

Ein weiteres Beispiel für einen handwerklichen Betrieb bietet die Bäckerei Leonhardt. Wie viele andere Bäckereien mangelte es ihr aufgrund der unattraktiven Arbeitszeiten an Azubis. Außerdem bemängelte die Kundschaft, dass es im Laufe des Tages keine frischen Waren mehr gebe – schließlich wurde ja alles morgens gebacken. Um dagegen vorzugehen, mussten mehr Mitarbeiter eingestellt werden. Doch dadurch wurde zum einen eine Fünf-Tage-Woche (vorher sechs) ermöglicht sowie ein rotierendes Schichtsystem. Im Bericht des IAO wird beschrieben:

Der Arbeitsbeginn kann nun recht flexibel gestaltet werden, sogar innerhalb einer Woche. Ähnliches gilt nicht nur für die Mitarbeitenden in der Produktion, sondern auch für das Verkaufspersonal. Wünsche werden regelmäßig direkt kommuniziert und können zumeist in der wöchentlichen Planung gut berücksichtigt werden. Dazu gehört aber auch, dass die Beschäftigten gegenseitig Rücksicht nehmen und bereit sind, sich gegenseitig zu vertreten.

Fazit: New Work ist in Teilen tatsächlich überall umsetzbar

Neben den Fallbeispielen ist an der IAO-Studie besonders interessant, dass im Fazit verschiedene Vorurteile über New Work aufgegriffen und entweder komplett widerlegt oder in Teilen abgeschwächt werden. Der volle Bericht kann hier gelesen werden. Natürlich gilt es immer bestimmte Voraussetzungen zu erfüllen, wenn New Work auch in handwerklichen oder Schichtbetrieben umgesetzt werden soll. Gerade das Einstellen von mehr Mitarbeitern, durch die flexible Planung erlaubt wird, stellt einige Betriebe vor eine Hürde. Nichtsdestotrotz zeigt sich, dass Eigenverantwortung und Partizipation in allen Arbeitsbereichen möglich ist, wenn die Führungsebene dies zulässt. Und damit ist schon ein großer Schritt in Richtung Mitarbeiterzufriedenheit getan.

Hinzu kommen positive Effekte. Beispielweise kann durch Flexibilität der Stressfaktor von Schichtarbeitern gesenkt werden – diese tendieren im Vergleich zu anderen Arbeitnehmern eher zu Herz-Kreislauf-Störungen, Schlafmangel und Burn-Out. Somit profitieren sowohl Führungsebenen also auch Mitarbeiter von der Etablierung einiger New Work-Prinzipien. Wenn also Orts-flexibles Arbeiten und Vertrauensarbeitszeit nicht möglich sind, kann zumindest auf Selbstbestimmung und Eigenverantwortung der Angestellten gesetzt werden, um so ein frischeres, gesünderes Arbeitsklima zu schaffen.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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