Fahrrad statt Flugzeug: Wie Unternehmen ihre Mitarbeiter zu umweltbewusstem Verhalten ermutigen

Mehr Urlaubstage und finanzielle Anreize: Arbeitgeber werden immer kreativer, um zum Umweltschutz beizutragen. Denn wir alle stehen in der Verantwortung.

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In Zeiten der nicht-widerlegbaren Klimaerwärmung sind auch Unternehmen dazu angehalten, umweltbewusst und nachhaltig zu agieren. Abgesehen davon, dass sie damit etwas für die Umwelt tun, können sie so aber auch ihre Attraktivität besonders für die jüngere Generation erhöhen. Um ihre Umweltziele zu erfüllen, setzen einige Unternehmen deshalb darauf, ihre Mitarbeiter durch Belohnungen mit ins Boot zu holen.

Mehr Urlaub für umweltbewusste Fortbewegung

Jüngst machte das Berliner Unternehmen Weiberwirtschaft Schlagzeilen, weil es Mitarbeiterinnen drei Tage mehr Urlaub gewährt, sofern diese ein Jahr lang auf Reisen mit dem Flugzeug verzichten. Damit soll erreicht werden, das die Arbeitnehmerinnen ihr Umweltbewusstsein hinterfragen und reflektieren. Die Geschäftsführerin Katja von der Bey räumt ein, dass der Beitrag zum Klimaschutz bei nur zehn Mitarbeiterinnen eher symbolischer Natur sei, doch manchmal kommt es eben auch auf die kleinen Schritte an. Natürlich ist der Weg von Weiberwirtschaft radikal. Schließlich wird andersherum immer wieder plädiert, Menschen sollen die Welt entdecken und so offener werden und Erfahrungen sammeln. Auf die Idee, Indien, Australien oder Peru per Schiff oder Zugfahrt zu erreichen, kommen wohl die wenigstens. Zu lange wären die Reisewege hierfür, die das Urlaubskontingent der meisten Arbeitnehmer bereits sprengen würden.

Infografik: Nachhaltig einkaufen, trotzdem fliegen | Statista

Die Grafik zeigt: Gerade in Sachen Fortbewegung ist noch Luft nach oben.

Nichtsdestotrotz ist der Grundgedanke von Weiberwirtschaft richtig. Ebenso wie Kreuzfahrten sind Flüge wahre Umweltsünden. Und definitiv ist es so, dass auf die meisten Inlands- und Kurzstreckenflüge häufig getrost verzichtet werden könnte. Beispielsweise fliegt man von Berlin bis München etwas mehr als eine Stunde. Hinzu kommt noch die Warterei am Kofferband und die frühe Ankunft am Flughafen – durchschnittlich zwei bis drei Stunden vor Abflug (wenngleich der Check-In per App die Warterei doch schon verkürzt hat). Für die Flugreise kann man also etwa vier Stunden Zeit insgesamt berechnen. Eine Bahnfahrt mit dem ICE auf der gleichen Strecke dauert genauso lange, ist jedoch weniger schädlich für das Klima. Es bleibt also abzuwägen, ob man bei einer Reise eher auf Zeitersparnis setzen möchte oder auf ein umweltschonendes Transportmittel.

Belohnungen für einen umweltbewussten Weg zur Arbeit

Auch in Neuseeland wird Mitarbeitern ein Anreiz gegeben, wenn sie bei der Anreise zum Arbeitsplatz ans Klima denken. In einer kleinen Werbeagentur bietet Tim Chesney seinen Mitarbeitern fünf Dollar dafür, einmal mit dem Fahrrad zur Arbeit und wieder nach Hause zu radeln. Wer die Routine mindestens ein halbes Jahr durchhält, bekommt sogar zehn Dollar pro Tag. Der Geschäftsführer selbst denkt, Bargeld ist der beste Anreiz. Und neben dem Klimaschutz steigere man durch den morgendlichen Sport auch die Motivation. Seine sechs Mitarbeiter waren jedoch zunächst skeptisch und lamentierten, dass es im Unternehmen keine Möglichkeit zum Duschen gäbe. Inzwischen haben sich jedoch fünf von ihnen darauf eingelassen und dürfen sich am Ende des Jahres über 2.500 Dollar mehr Gehalt bei 250 Arbeitstagen freuen.

Hierbei sei angemerkt, dass die kleine Werbeagentur in Christchurch liegt, der Stadt mit den meisten Radfahrern in Neuseeland. Die Infrastruktur dort bietet 13 Radwege an. Ein finanzieller Anreiz wie hier beschrieben kann sicher auch in Deutschlands Städten mehr Arbeitnehmer dazu bewegen, aufs Rad umzusatteln. Natürlich macht Radeln bei Sturm und Eis eher weniger Spaß, doch wenn die Wetterbedingungen es zulassen, ist Radfahren eine gute Alternative (übrigens: auch bei Regen kann das Fahrrad genutzt werden. Dafür gibt es extra Regenbekleidung, die im Büro ausgezogen und über die Heizung gehängt werden kann). Das Problem am Radfahren in Deutschland ist eher, dass es vielerorts an sicheren Radwegen fehlt. Entweder gibt es diese nur an Touristen-Hotspots oder sie werden durch Baustellen und Umleitungen unterbrochen. Hier sind also eher die Städte selbst zum Handeln aufgefordert als die Unternehmen.

Kleine Schritte, die jedes Unternehmen gehen kann

Wem die oben genannten Maßnahmen zu hart erscheinen, der kann auch erst einmal ganz klein anfangen. In Unternehmen bieten sich einige Gelegenheiten, etwas zum Umweltschutz beizutragen. Einige dieser Punkte haben wir euch hier aufgelistet:

  • Mehrwegbecher: In der Kantine können Mitarbeitern, die ihren eigenen Becher nutzen anstatt einem aus Pappe, kleine Rabatte auf ihre Heißgetränkebestellung gegeben werden. 10 bis 20 Cent können ein echter Anreiz sein.
  • Gruppenbestellungen: Anstatt dass jedes kleine Team einzeln Bürobedarf und Co. bestellt, kann einfach eine Großbestellung für das ganze Unternehmen gemacht werden.
  • Altes Verschenken: Haben Tische, Bürostühle und Computer ausgedient, müssen diese nicht direkt auf dem Müll landen. Stattdessen können die Möbel auch an gemeinnützige Organisationen und andere Einrichtungen gespendet werden.
  • Energie sparen: Energiesparlampen sollten zur Grundausstattung des Büros gehören. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass elektronische Geräte wirklich ausgeschaltet und nicht auf Stand-by gelassen werden. Bewegungsmelder fürs Licht in weniger benutzten Räumen sind ebenfalls eine gute Alternative, damit das Ausschalten nicht immer vergessen wird.
  • Müll reduzieren: Verpackungsmaterial kann oftmals mehrfach verwendet werden. Zudem sollte auch auf doppelseitiges Drucken gesetzt werden. Und übrigens: Fensterbriefumschläge sind wegen des Plastikanteils schwerer zu recyceln und gehören nicht ins Altpapier. Überlegt, ob auf diese ganz verzichtet werden kann.
  • Mülltrennung: Was zuhause gilt, gilt auch am Arbeitsplatz – Müll sollte getrennt werden, zur Not mit einer Anleitung, die an die Wand der Büroküche gepinnt wird. So versteht es hoffentlich auch der letzte Mitarbeiter.
  • Fahrgemeinschaften: Können sich die Mitarbeiter mit Alternativen nicht anfreunden und bestehen darauf, mit dem Auto zur Arbeit zu gelangen, dann können Unternehmen zumindest versuchen Fahrgemeinschaften zu fördern.
Infografik: Zu viel Verpackung schreckt Verbraucher ab | Statista

Außerdem förderlich: Für weniger Verpackungsmüll bei den eigenen Produkten sorgen.

Umweltbewusstes Handeln – nicht nur für die Umwelt

Die Vorteile für die Umwelt durch die oben genannten Maßnahmen sind offensichtlich. Doch Unternehmen selbst können von ihrem klimaorientierten Auftritt profitieren. Energie- und Wasserersparnis bringen deiner Firma gleichzeitig auch bares Geld. Zudem steigert ein hohes Umweltbewusstsein auch die Reputation des Unternehmens, was gerade Kunden besonders ansprechen wird. Denn immer mehr Menschen interessieren sich für den Umweltschutz, ebenso wie manche Stakeholder, die beispielsweise ein nachhaltiges CSR-Management voraussetzen. Und auch den Arbeitnehmern selbst wird ein umweltbewusster Arbeitsplatz immer wichtiger, gerade in den jüngeren Generationen, in welchen der Umweltschutz auch privat ein wichtiges Thema des Alltags bildet, wie unter anderem die FridaysforFuture-Demonstrationen eindrucksvoll zeigen.

Natürlich sollte jeder Mensch für sich darüber nachdenken, was er zum Schutz unserer Umwelt beitragen kann. Doch Unternehmen können mit gutem Beispiel voran gehen und ihre Mitarbeiter motivieren, selbst wenn es nur kleine Benefits für Radfahrer oder die Ersparnis beim Kaffeekauf mit eigenem Becher sind. Die oben genannten Maßnahmen dürften in der Regel kein Problem darstellen – sie müssen nur umgesetzt werden. Und so kann eine Win-Win-Win-Situation entstehen: für die Umwelt, für die Gesellschaft und auf für dein Unternehmen.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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